Dorfhaus
Landwirtschaft

Tag der Milch: Vom Euter bis zum Tetrapack

Die Kuh gibt Milch. Doch damit ist die Milch noch nicht im Tetrapack. Der Bauer muss etwas tun und in der Molkerei wird die Milch gereinigt und erhitzt.
Artikel drucken Artikel einbetten
Tobias und Elisa mit Vater Rudolf Hänfling an der Milchtankstelle
Tobias und Elisa mit Vater Rudolf Hänfling an der Milchtankstelle
+2 Bilder
Ein leckeres Fruchtjoghurt oder die erfrischende Eiskugel, ein gekühlter Schokodrink und abends ein Käsebrot. Das sind einige kulinarische Köstlichkeiten, die aus Milch entstehen können. Am gängigsten ist die Milch selbst. Genauso genüsslich wie beim Aufzählen dieser Speisen dem einen oder anderen das Wasser im Mund zusammen läuft, kauen die 65 Milchkühe, die in Rudolfs Hänflings hochmodernem Stall laufen, ihr Heu.

"Das Heu liegt immer am Futtertisch. Die Kuh kann selbst entscheiden, wann und wie viel sie davon frisst", sagt Rudolf Hänfling. Jede Kuh holt sich ihre Portion. Dazwischen frisst sie eine Mischration bestehend aus Grassilage, Maissilage, Luzerne, Getreide- und Rapsschrot und Biertreber aus der Klosterbrauerei Weißenohe. "Der Biertreber ist ein Eiweißfuttermittel und ersetzt mit dem Rapsschrot und der Luzerne den Soja", informiert Hänfling.

Auch diese Mischkost, steht den Tieren ganztägig frei zur Verfügung. Ungefähr 50 Kilo verdrückt eine Kuh davon am Tag. Im Stall können sich die Kühe frei bewegen. So entscheidet jede Kuh selbst, ob sie lieber fressen will oder sich am Kratzroboter das kurze Fell kraulen lässt oder lieber zum Melkroboter spaziert.

Musste der Landwirt früher zu gleichen Zeit früh und abends in den Kuhstall zum Melken, sucht sich die Kuh ihre Zeiten nun selbst aus. "Im Schnitt werden die Kühe 2,5 Mal am Tag gemolken", sagt Hänfling. Dadurch dass die Kuh sich melken lässt, wenn sie das Bedürfnis dazu verspürt und ihren eigenen Zeitrhythmus lebt, leidet sie nicht unter der Zeitumstellung von Sommer- auf Winterzeit und umgekehrt. Die Uhren im Stall ticken nun anders.

Während die Kuh in der Roboterbox gemolken wird, frisst sie ihre Kraftfutterration, die je nach Milchleistung jeder Kuh zugeteilt ist. Das sind zwischen ein und vier Kilo des Kraftfutters für jede Kuh pro Tag. Die in einem Behälter gesammelte Milch wird anschließend in den Milchtank gepumpt und auf vier Grad Celsius gekühlt. "Alle zwei Tage wird die Milch abgeholt", erzählt Hänfling.

Er verkauft seine Milch an die Molkerei Bechtel aus Schwarzenfeld, die für den Grünländer Käse bekannt ist. Fast alle Milch. Ein Teil davon wird in eine Milchkanne gefüllt und kommt in den Milchautomaten, den die Familie vor vier Jahren gleich neben dem Kuhstall mit Freiluftsitz aufgestellt hat.

Die Milch dort ist täglich frisch, wird ebenfalls gekühlt und jede Viertelstunde gerührt. "Damit sich kein Rahm bildet und die Milch einen gleichmäßigen Fettgehalt hat", erklärt Hänfling den Vorgang.

Die andere Milch holt die Molkerei ab. Deren Mitarbeiter hat einen Schlüssel für den Milchraum und pumpt die Milch in den Kühltanklastwagen. Sofort startet dann die automatische Reinigung des Milchtanks, der Leitungen und der Melkmaschine. Alles wird mehrmals gespült. Nur zu der Zeit ist der Melkroboter gesperrt.

Dann holt der Molkereimitarbeiter die Milch von den Kühen anderer Landwirte, die dann ebenfalls in den großen Milchkühllaster gepumpt wird. Zuvor wird der Fettgehalt jeder Milchlieferung gemessen. Fertig für den Tetrapack ist die Milch dann aber noch immer nicht.

"Milch darf nie als Rohmilch verkauft werden", sagt eine Sprecherin des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Bamberg. Auch die Landwirte, die ihre Milch am Hof verkaufen, müssen darauf hinweisen. Ist die Milch in der Molkerei angekommen, wird sie zunächst gereinigt und entrahmt, das nennt sich homogenisiert.

Je nach gewünschtem Fettgehalt der Milch wird später der Milch wieder ein Teil des Rahms zugeführt. Aus dem Rahm wird Butter oder Sahne hergestellt. Die Milch hingegen wird dann ultrahocherhitzt: Jeder Keim muss dabei abgetötet werden. Bekannt ist diese Milch als H-Milch, die sehr lange haltbar ist, auch ohne gekühlt zu werden. Eine andere Möglichkeit ist, die Milch zu pasteurisieren oder zu sterilisieren.


Info
Pasteurisierte Milch Die Milch wird 15 bis 30 Sekunden auf 72 Grad Celsius bis 75 Grad Celsius erhitzt. Bei Lagerung bei 8 Grad ist sie bis zu drei Wochen haltbar.

Ultrahocherhitzte Milch Die Milch wird ein bis vier Sekunden lang auf mindestens 137 Grad Celsius erhitzt. So werden fast alle Organismen abgetötet und zwar in kürzester Zeit. Diese Milch ist ungeöffnet auch ohne gekühlt zu werden haltbar.

Sterilisierte Milch Sie wird erst in eine Verpackung abgefüllt und dann je nach Inhalt zwischen zehn und 30 Minuten auf 110 bis 120 Grad erhitzt. Dabei sterben alle Keime ab. Geschlossen ist diese Milch ein halbes Jahr mindestens haltbar.

Tag der Milch Der 1. Juni wurde gemeinsam von der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) und dem Internationalen Milchwirtschaftsverband (IDF) zum Tag der Milch ausgerufen und 1957 erstmals veranstaltet. Der Weltmilchtag wird heute in über 30 Ländern gefeiert.
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren