Forchheim
Kultur

"Tag der fränkischen Volksmusik" bietet bodenständige Musik pur

Der Verein zur Wahrung des fränkischen Brauchtums und der Forchheimer Heimatverein luden zum "Tag der fränkischen Volksmusik" ein. Es gab viel Gesang, Tanz und ein Plädoyer für fränkische Tracht statt "Seppl-Hosen" und Dirndl.
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Das Ehepaar Deppert als "Pommersfelder Heimatmusik" Foto: Elisabeth Görner
Das Ehepaar Deppert als "Pommersfelder Heimatmusik" Foto: Elisabeth Görner
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Ein erster Septembersonntag, an dem das Wetter passte, und die Atmosphäre im Innenhof der Kaiserpfalz war ideal für die vielen an fränkischem Brauchtum Interessierten. Der Verein zur Wahrung des fränkischen Brauchtums und der Forchheimer Heimatverein unter Leitung von Dieter George hatten zum "Tag der fränkischen Volksmusik" in der Kaiserpfalz geladen.

Schon ab 11 Uhr konnten sich die Gäste -zu den Klängen der 24 Mann (bzw. Frau) starken "Langensendelbacher Musikanten" mit fränkischen Spezialitäten Kraft für den Tag holen. Ab dem frühen Nachmittag gab es bodenständige Unterhaltung.

Nichts Böses dabei denken

Die gesanglichen und tänzerischen Darbietungen wurden moderiert von Otto Rehm aus Dormitz, der selber Zither spielt und vier Gesangsgruppen leitet. Da trat das Gesangsduo Wiesbeck auf, unter anderem mit dem Lied "Zigeunerkind". Wer kann Böses denken, wenn es heißt "Ja, du bist mein, mein Zigeunerkind", das sich selber beklagt darüber, dass es immer weiterziehen muss und keine wirkliche Heimat hat?

"Die Lindenbergler" kamen etwas deftiger daher mit ihrem "Lumpenlied": "Es leben alle Lumpen, (...) wemma a Geld ham, simma lustig, wemma kans ham, simma durstig!"

Leider war bei den drei "mittelalterlichen" Sängern ein vierter, der sonst Gitarre dazu spielt, verhindert.

Das Ehepaar Deppert als "Pommersfelder Heimatmusik" fiel besonders auf, weil sogar des Fränkischen nicht so Mächtige ihre Lieder sehr gut verstehen konnten und die Texte zwar hintersinnig-witzig, aber keineswegs ordinär waren, wenn zum Beispiel eine Frau wegen eines "geschwollenen Magens" zum Arzt kommt und behauptet, sie habe sich an einem Schreibtisch gestoßen. (Gesungener) Kommentar des Arztes: "Das war kein Schreibtisch net, das war ein Sekretär!"

Natürlich durfte an diesem Tag der Volkstanz auch nicht fehlen; die Trachtentanzgruppe Igensdorf bot perfekt einstudierte Formationen dar, unter anderem nach den bekannten Melodien der "Sternpolka" und des "Lautenbachers". In liebevoll gearbeiteten, ästhetischen Gewändern und gehäkelten weißen Strümpfen schwangen sie sich auf der Bühne, stampften aber auch mal laut mit den Füßen beziehungsweise Schuhen auf oder machten schmissige Kopfbewegungen, wie man sie sonst eher vom Tango her kennt.

Ein fröhlicher, selbstbewusster "Rudi aus Wiesenthau" fiel als Gast mit seiner Oberfrankentracht in Schwarz, Weiß und leuchtend Rot besonders auf. Er plädierte auch dafür, dass die Franken sich keineswegs ihrer traditionellen Tracht etwa zu schämen brauchten (was einige anscheinend tun), sondern sie mit Stolz tragen sollten statt mit nicht authentischen bayerischen "Seppl-Hosen" oder Dirndln (womöglich auch noch in China hergestellt) aufs Annafest zu gehen.

Mit vielen verschiedenen Instrumenten umrahmten die "Effeltricher Musikanten" das Nachmittagsprogramm und animierten sogar die Sitzenden zur Bewegung: Da waren Trompeten, Klarinetten, Tenorhörner, ein Akkordeon und eine Tuba vertreten. Nach 17 Uhr wurde dann der "Schorri", der vorher schon die Tontechnik bedient hatte, mit seiner Harmonika zum Alleinunterhalter.

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