Forchheim
Mittagessen

Täglich ein Menü für vier Euro

Die Pädagogen der Forchheimer Gymnasien verfolgen einen neuen Ansatz, um die Ganztagsschüler zu verköstigen.
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60 Mittagessen gehen  in der Forchheimer Herder-Ehrenbürg-Mensa täglich über die Theke.Ekkehard Roepert
60 Mittagessen gehen in der Forchheimer Herder-Ehrenbürg-Mensa täglich über die Theke.Ekkehard Roepert

Länger als drei Jahre hat bislang noch kein Betreiber der Herder-Ehrenbürg-Mensa durchgehalten. Auch wegen der vielen konkurrierenden Essensangebote in der Innenstadt musste der Löffel bald wieder abgegeben werden.

Seit dem Schuljahr 2018/19 versuchen es die Schulleitungen der beiden Forchheimer Gymnasien mit einem ganz anderen Ansatz: Sie haben die Akademie für Ganztagsschulpädagogik beauftragt, das Mensa-Essen zu organisieren. Die Akademie versteht ihr Angebot zugleich als "pädagogische Dienstleistung".

Feste Ansprechpartner

Was heißt das? Die 80 Jugendlichen, die die Offene Ganztagsschule der beiden Gymnasien besuchen, sind verpflichtet, mindestens an zwei der vier wöchentlichen Mittagessen teilzunehmen, erläutert Anna-Maria Seemann, die Bereichsleiterin der Akademie für Ganztagsschulpädagogik.

Nach dem Unterricht ab 13.10 Uhr werden die Schüler in der Mensa begrüßt. "Wir haben das Prinzip, dass jeder einen festen pädagogischen Ansprechpartner hat", sagt Seemann. Das Essen diene auch dazu, "eine Bezugsgruppe zu finden". Die Gespräche und die Mahlzeiten seien "der Beginn eines gemeinsamen Tages", der gegen 16 Uhr endet.

Im vergangenen Jahr habe es noch negative Rückmeldungen gegeben - "auch von Elternseite", erinnert sich Anna-Maria Seemann. Seit März habe die Offene Ganztagsschule dann die Diakonie in Mostviel mit dem Kochen beauftragt. Seitdem wird von der Gemeinde Egloffstein aus nach Forchheim geliefert; täglich ein Menü - neben dem Hauptgang gibt es also eine Suppe und eine Nachspeise.

Ehrenbürg-Schulleiter Karlheinz Schoofs sagte kürzlich den Kreisräten im Kulturausschuss des Landkreises: "Die Kinder sind zufrieden. Die Klagen, die da waren, sind nicht mehr da."

Karlheinz Schoofs war in den Kulturausschuss gekommen, weil der Grüne Kreisrat Matthias Striebich kritisch nachgefragt hatte. Ob regionale Produkte in der Herder-Ehrenbürg-Mensa serviert würden, wollte Striebich wissen. Und ob der Kreistag "Einfluss auf die weitere Entwicklung" nehmen könne?

Befragung steht noch aus

Glaubt man den Äußerungen der Schüler, der Eltern, der verantwortlichen Pädagogen und der Köche, wurde für die Ganztagsschüler jetzt eine schmackhafte Lösung gefunden. "Mittagessen für Schüler ist immer ein schwieriges Thema, weil die Ernährungsgewohnheiten so unterschiedlich sind", weiß Anna-Maria Seemann: "Das jetzige Konzept sichert gut ab, dass jeder was findet, es ist deutliche Entspannung eingekehrt."

Das heißt: Kritische Rückmeldungen von Eltern gibt es keine; die Kinder würden demnächst noch gesondert über das Essen befragt.

"Nur für's Mittagessen bleibt keiner länger" Der Bedarf nach Mittagsbetreuung und damit auch nach Mittagessen - möglichst vollwertig und verbunden mit gemeinsamen Am-Tisch-Sitzen - ist im ganzen Landkreis da. Die Umsetzung an den Schulen ist vom Ansatz her ähnlich und doch verschieden, weil die Voraussetzungen und Gegebenheiten eben nicht überall gleich sind. Das verdeutlicht ein Blick in die weiterführenden Schulen des Kreises.

Das Gymnasium Fränkische Schweiz teilt sich eine Mensa mit der benachbarten Realschule in Ebermannstadt. Das frisch zubereitete Essen kommt aus der Kantine des Klinikums und kostest pro Nase am Tag 3,80 Euro - inklusive Nachtisch und Getränk. Rund 60 Gymnasiasten nehmen das Angebot wahr, viele aber nur zweimal in der Woche. An der Realschule sieht es ähnlich aus. Insgesamt wandern so pro Woche rund 240 Teller über die Theke.

Das hört sich bei insgesamt 1600 Mädchen und Jungen an beiden Schulen nicht nach viel an, ist für Siegfried Reck, Schulleiter am Gymnasium, aber nicht überraschend. "Bei den Fünftklässlern ist die Nachfrage groß, bei den Älteren, die den Nachmittag auch ohne Aufsicht zu Hause verbringen können, weniger", sagt der Oberstudiendirektor. Zumal die Entscheidung der Schüler, die aus den Dörfern nach Ebermannstadt kommen, von zumindest einem weiteren Faktor stark beeinflusst wird: Auf das Essen verzichten und dafür noch den 13-Uhr-Bus nach Hause schaffen oder bis 16.30 Uhr warten, bis der nächste Bus fährt? "Nur für's Mittagessen bleibt da kejner länger", sagt Reck. Der Lehrer hat selbst zwei schulpflichtige Kinder - aber in Forchheim. Und dort ist die Taktung im Nahverkehr anders. Außerdem gibt es zum Beispiel in den achten Klassen kaum Nachmittagsunterricht, was ebenfalls Auswirkungen hat.

An der Georg-Hartmann-Realschule in Forchheim sind derzeit 120 von knapp 900 Kindern und Jugendlichen in der offenen Ganztagsschule angemeldet, Tendenz seit Jahren leicht steigend.

Das Mittagessen findet im Schülercafé statt, das 40 bis 50 Sitzplätze bietet. Und genau so viele Schüler essen pro Tag auch hier, was Konrektor Jörg Stripke als ordentlich bewertet. Das Essen kommt tiefgekühlt aus Baden-Württemberg, wird vor Ort nur noch erhitzt. Daneben gibt es Snacks - wobei dazu auch Handfestes wie Pizza oder Schnitzelsandwich zählt. Um frisch zu kochen, fehlt der Platz, doch die Akzeptanz des Angebots ist laut Stripke hoch, auch weil "das Preis-Leistungs-Verhältnis passt".

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