LKR Forchheim
Unwetter

Sturmtief Christian weckt Erinnerungen an Wiebke, Kyrill und Co.

Der Winter wird vom Winde verweht: Milde Atlantikluft und Tiefdruckgebiete sorgen für ein turbulentes Geschehen in der Atmosphäre. Orkanböen drohen in den Mittelgebirgen. Da denken auch die Menschen in der Region Forchheim an Stürme der jüngeren Vergangenheit.
Artikel drucken Artikel einbetten
Im Januar 2007 hat "Kyrill" den Gartenzaun von Landwirt Hans Neuner bei Sorg (Gemeinde Obertrubach) plattgewalzt. Foto: Josef Hofhbauer
Im Januar 2007 hat "Kyrill" den Gartenzaun von Landwirt Hans Neuner bei Sorg (Gemeinde Obertrubach) plattgewalzt. Foto: Josef Hofhbauer
+3 Bilder
Im kollektiven Gedächtnis sind sie vage hängen geblieben, aber die Natur vergisst sie nicht: Wer durch Frankens Wälder wandert, kann noch immer Spuren von "Wiebke", "Lothar", "Kyrill" und "Emma" entdecken. Das sind die bekanntesten der teils katastrophalen Winterstürme, die in den letzten 25 Jahren auch den Landkreis Forchheim heimgesucht haben.

Vor 25 Jahren, am 28. Februar 1990, hat "Wiebke" in der Region am schlimmsten die Grundschule Gräfenberg getroffen. Hier wurde eine 30 Quadratmeter große Stahlkonstruktion vom Dach gerissen und auf ein Nachbarhaus und einige Autos geschleudert. Verletzt wurde niemand. Auch ansonsten hatten Feuerwehr, THW und Polizei mächtig viel zu tun, wobei es sich bei 90 Prozent der Fälle um Baumschäden gehandelt hat. Zumindest die Kinder freuten sich: Sie erhielten in ganz Bayern schulfrei am Tag nach dem großen Sturm.
Etwas weniger spektakulär ging es in Forchheim und Umgebung im Januar 2007 zu, als "Kyrill" wütete. Die Feuerwehren im Kreis mussten jedoch auch rund 70 Einsätze verrichten, wobei zumeist umgestürzte Bäume wegzuräumen waren.

Gewaltige Energie

Jetzt bekommen "Wiebke", "Kyrill" und Co. Gesellschaft: Wie bei den meisten Stürmen im Januar/Februar pumpt eine im Winter seltene Großwetterlage die Atmosphäre mit gewaltiger Energie auf. Statt Kälte und Schnee bringt ein mächtiges Tief über dem Atlantik aber milde Luft nach Mitteleuropa.

Wie auf einer Rennbahn, so ein Experte des Deutschen Wetterdienstes (DWD), jagen am Rande des mächtigen Sturmtiefs "Christian" kleinere Tiefs von Westen nach Osten. Sie können für extreme Wetterereignisse sorgen, weil sich sowohl die Windgeschwindigkeiten als auch der Niederschlag potenzieren können. Am Freitag hieß der Unruhestifter "Elon", am Samstag könnte sich "Felix" als Unglücksrabe entpuppen.

Dauerregen und Orkanböen

Die Wetterexperten gehen von einer Sturmlage mit Orkanpotenzial aus: Das bedeutet insbesondere über dem offenen Meer und an den Küsten von weit über 100 Stundenkilometern mit der Gefahr zerstörerischer Böen. Wie heftig und wo genau "Christians" Ableger in Franken toben werden, lässt sich kaum präzise vorhersagen.
Die regionalen Wetterfrösche wie Stefan Ochs in Herzogenaurach ("Wetterochs") rechnen verbreitet mit Böen in Sturmstärke (90 Stundenkilometer, Beaufort 9), in exponierten Lagen der Mittelgebirge auch noch mehr. Unwetterpotenzial birgt auch der Regen. Regional können bis Sonntag 50 Liter auf den Quadratmeter fallen. Der meiste Schnee dürfte schmelzen.

Wie turbulent es in der Atmosphäre zugeht, lässt sich auch am Thermometer ablesen: Am Donnerstag wurden in Franken kaum fünf Grad erreicht, am Samstag werden es bis zu 14 Grad sein, am Sonntag folgt ein Temperatursturz auf knappe Plusgrade, ehe es am Montag schon wieder milder wird...
Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren