Burk
Naturdenkmal

Stumpf der alten Burker Tanzlinde hat trockenen Sommer überlebt

Fällen oder extrem zurückschneiden - vor dieser Wahl standen die Eigentümer der alten Linde in Burk, die früher eine Tanzlinde war.
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Wolfgang Deinlein beim Gießen der alten Burker Tanzlinde, links Michael Deinlein  Foto: Pauline Lindner
Wolfgang Deinlein beim Gießen der alten Burker Tanzlinde, links Michael Deinlein Foto: Pauline Lindner
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Sie hat den trockenen Sommer überlebt, die Linde vor dem historischen Gasthaus "zur Linde" am Schlehenbach in Burk. Sie - genauer der Stumpf - treibt wieder Zweige, nach der Rückschnittaktion im Winter. Aus Gründen der Verkehrssicherheit hatte damals die Stadt Forchheim die Eigentümer aufgefordert, den um die 400 Jahre alten Baum ganz zu fällen oder zumindest extrem zurückzuschneiden. Denn Pilzbefall höhlte die Äste aus.

Dank eifrigen Wässerns besteht die reale Chance, dass der ortsbildprägende und die Ortsgeschichte dokumentierende Baum in einigen Jahren wieder eine Krone ausbildet. Der Ablauf der Aktion löste im Stadtrat heftige Diskussionen aus. Nicht zuletzt die Miteigentümer Michael und Wolfgang Deinlein wehrten sich gegen die Fällaufforderung, die aus einem Gutachten eines Baumsachverständigen resultierte, während ein anderer die Linde als durchaus vital einstufte.

Historische Bedeutung

Das Motiv für die Haltung der Eigentümer liegt in der historischen Bedeutung des Baumes, in mehrfacher Hinsicht. Als erstes ist die familiengeschichtliche Bedeutung zu nennen, die aber zugleich ein Stück Ortsteilgeschichte verkörpert. Seit 1802 gibt es das heutige Gasthaus, unter dem Namen Georg Schellersche Gastwirtschaft seit 1847 in Familienbesitz.

Bis 1968 wurde für Sommerfeste und den Maientanz ein hölzernes Tanzpodest am Fuß des Baumes gezimmert. Überliefert ist, dass 1938 bei der Hochzeit des Wirts Josef Kainer mit Margareta Lindenberger die Musikkapelle "in der Linde" platziert war, ebenso beim damals beliebten Maientanz die Kapelle "Froh und heiter". Der angegebene Standort der Musiker machte Wolfgang Deinlein hellhörig.

Eine Tanzlinde

Er befasste sich intensiv mit dem Thema Tanzlinden und "geleitete" Linden. Im Kulmbacher Raum existieren sie so heute noch: Linden, deren Äste entgegen der normalen Wuchsrichtung ins Waagrechte gebogen sind, so dass darunter ein pergolaartiges Gestell passte, das vielfach noch eine zweite oder gar dritte Etage trug, auf deren Bohlen die jungen Leute tanzten. Eine solche Formung belegt ein Foto vom Baum aus dem Jahr 2011. Deutlich erkennbar ist darauf, dass sich die Hauptäste in Stufen erst waagrecht und dann erst in die Höhe entwickelten. Ein altes Bild - etwa 1900 entstanden - zeigt sogar noch den künstlichen Unterbau.

Vor 300 bis 400 Jahren

Die "Leitung" des Baumwuchses muss aber bereits in der Jugend der Winterlinde begonnen haben, vor gut 300 bis 400 Jahren. Daraus lässt sich schließen, dass neben der Bebauung um die Kirche aus dem 15. Jahrhundert ein zweiter Ortskern am Schlehenbach existiert hat, womöglich durchgängig über die Jahrhunderte. Bis jetzt sind es nur einzelne Puzzleteile, die dafür sprechen.

Der älteste Hinweis ist in der Gründungsurkunde des Bistums Bamberg zu finden: Burk ist dort unter dem Namen "Sliersbach" aufgeführt. Noch in die Gegenwart reicht dagegen der Brauch, dass in Burk zwei Kirchweihbäume aufgestellt wurden: in Nähe der Kirch und beim Gasthaus "zur Linde". Der dritte Fixpunkt ist das Ende des Dreißigjährigen Krieges. Nach den Verheerungen durch die schwedische Soldateska, die auf der Alten Veste bei Fürth lagerte und plündernd und brandschatzend durchs südliche Bamberger Bistum zog, sind in Burk gerademal noch fünf Häuser gestanden: zwei bei der Dreikönigs-Kirche, drei am Schlehenbach.

Deinlein hält es für nicht unwahrscheinlich, dass die Linde nach dem Westfälischen Frieden gepflanzt wurde, als die schier entvölkerte hiesige Region sich langsam von den Folgen erholte. Das Thema lässt ihn nicht mehr los. Er hat deshalb schon Erkundigungen bei Stadtarchivar Rainer Kestler und Dieter George vom Heimatverein eingezogen. Ein Besuch im Staatsarchiv in Bamberg steht für ihn auf der Agenda. Das Urkataster von 1821 könnte eine "Leerstelle" füllen. Ab 1808 hat der bayerische König die alten Herrschaftsbereiche aber auch die durch Napoleon hinzugewonnen Landesteile kartografisch erfassen lassen.

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