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Forchheim
Vorwürfe

Stürmischer Windräder-Streit beim Bund Naturschutz

Heinz Marquart und Heinz Kattenbeck sind beide Mitglieder des Bund Naturschutz. Was sie außerdem verbindet: Jeder wirft der Gegenseite vor, "totalitär" zu agieren. Denn in Sachen Windkraft sind die beiden Männer ganz unterschiedlicher Meiung.
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Heinrich Kattenbeck
Heinrich Kattenbeck
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Als Redner sei Hubert Weiger bewundernswert, sagt der Eggolsheimer Naturschützer Heinz Marquart. Und geht im nächsten Satz hart ins Gericht mit dem Vorsitzenden des Bund Naturschutz (BN) in Bayern, der zugleich Vorsitzender des Bunds für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) ist.

"Weiger kann rhetorisch alle in die Tasche stecken, aber die Wahrheit steckt nicht dahinter", sagt Marquart. Daher will er, der selbst BN-Mitglied ist und den Umwelt-Arbeitskreis der CSU leitet, am Montag zu Hause bleiben, wenn Hubert Weiger zum 40. BN-Jubiläum in den Landkreis Forchheim kommt. Wobei Marquart betont, dass er beim Thema "Windkraft" nicht alleine stehe mit seiner Kritik am BN und an Weiger.
"Die Naturschützer entzweien sich, und viele in meinem Bekanntenkreis sagen schon, das machen wir nicht mit".

Der Versuch, den Bau der Windräder durchzudrücken, erinnere an ein "totalitäres System". Zudem werde Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) zum Prügelknaben gemacht, weil er die Gefahren des Infraschalls ernst nehme, kritisiert CSU-Politiker Marquart.

Gefährlich oder harmlos?

Die Auswirkungen des Infraschalls, sagt Friedrich Oehme, der BN-Kreis-Geschäftsführer, "ist noch gar nicht erforscht". Die einen sagten, der Schall sei "ganz gefährlich, andere halten ihn für völlig harmlos". Er wehre sich dagegen, dass Naturschützer "mit Falschmeldungen durchs Land reisen und Angst verbreiten". Oehme: "Der bisherigen Methode, Windräder zu genehmigen, kann man vertrauen."

Ausgesprochen verärgert reagierte Heinrich Kattenbeck, BN-Vorsitzender der Kreisgruppe Forchheim, auf die "Holzhammermethode" von Heinz Marquart. "Diese diktatorische Methode zieht nicht mehr und ist out." Beim BN werde jede Meinung eines Andersdenkenden ernst genommen, sagt Kattenbeck und wirft Marquart zugleich "Hochmut" und "schulmeisterliches Besserwissen" vor. Es bleibe dabei: "Die naturschutzfachliche Kritik an Windrädern am falschen Standort ist Tagesgeschäft des Bund Naturschutz. Eine Torpedierung wie sie Heinz Marquart betreibt, wird der BN nicht zu lassen." Er sei "entschieden dagegen", sagt Heinrich Kattenbeck, "geschützte Arten als Schutzschild zu gebrauchen, wie dies derzeit von Windradgegnern publiziert wird."

Es gehe hier um viel mehr, als sich für geschützte Arten zu engagieren, sagt dagegen Marquart. Dass die Fledermäuse unter den Folgen des Infraschalls mit implodierten Lungen tot vom Himmel fallen, sei schlimm genug; aber jetzt gehe es um die Gesundheit der Menschen. "Wir können doch nicht 1500 Windräder in Bayern bauen, um hinterher festzustellen, dass sie unserer Gesundheit schaden. Das wären Milliardenverluste".

Windkraft bedroht Tourismus?

Heinz Marquart empfindet des Beharren auf der Windkraft besonders im Landkreis Forchheim als schlimm: "Wir haben eine extreme Situation der Empfindlichkeit der Landschaft." Der Tourismus in der Fränkischen Schweiz mit seinen 5000 Arbeitsplätzen und einer Wertschöpfung von 250 Millionen Euro pro Jahr drohe verloren zu gehen, meint Marquart.

Statt Windräder zu bauen, fordert er, die "unsinnige Energieverschwendung im Lande" zu beenden: "Wir haben locker Potenziale von 30 Prozent durch Energieeffizienz, das ist die eindeutige Botschaft."

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