Wiesenttal
Tourismus

Studenten waren die ersten "zweckfreien Wanderer"

Studenten liebten die Geselligkeit und Freude am Leben über alles. Im 19. Jahrhundert suchten und fanden die Studentenverbindungen aus Erlangen "Exkneipen" in der Fränkischen Schweiz.
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Die Studentenkneipe Heinlein in Behringersmühle mit der "Kundl", die für ihr gutes Essen bekannt war. Postkarte von 1898.  Repro: löw
Die Studentenkneipe Heinlein in Behringersmühle mit der "Kundl", die für ihr gutes Essen bekannt war. Postkarte von 1898. Repro: löw

Sie kamen meist in Gruppen aus dem Großraum Nürnberg. Sie waren gut gekleidet und nannten sich Uttenruthia oder Bubenruthia oder Franko-Alemannia. Per pedes durchstreiften sie anfangs als "Verbindung" die Gegend, später kehrten sie mit dem Zug in ihre "Exkneipen" ein. Sie liebten die Geselligkeit und Freude am Leben über alles: Studenten waren mit die ersten in Gruppen auftretenden "zweckfreien Wanderer" und Tagesgäste der Fränkischen Schweiz.

Sie wurden inspiriert von zwei berühmten Erlanger Studenten, Heinrich Wackenroder und Ludwig Tieck, die schon 1793 von ihren Erlebnissen in der Fränkischen Schweiz berichteten. Und tatsächlich, schon 1796 trafen sich die ersten Studenten "bei Mühlhäuser in Muggendorf", dem heutigen Hotel "Goldner Stern".

Reisehandbuch

Mit einem Reisehandbuch über Erlangen und ihre Universität sowie mit "Anweisungen und Regeln für Studierende" versehen, hat der Autor Johann Christian Fick dann 1812 den Regionsnamen Fränkische Schweiz zum zweiten Mal in einem Handbuch erwähnt.

Jenen könnte man auch als letztendlichen Begründer der Studentenausflüge in die Fränkische Schweiz bezeichnen. Denn er empfahl den Studenten: "Der Mensch ist zur Geselligkeit geboren, wer diesen Naturtrieb unterdrückt, handelt widernatürlich."

Gleichzeitig warnte er in seinen Empfehlungen vor übermäßigem Alkoholkonsum, gab aber gleichzeitig zu bedenken, dass man "viel von dem Dünnbier trinken muss, wenn es berauschend wirken soll".

Fick beschreibt ausführlich die Gegend um Muggendorf mit seinen wissenschaftlich interessanten Höhlen, weshalb mancher Student auf den Gedanken kam, Angenehmes mit dem Nützlichen zu verbinden. Der Schriftsteller Friedrich Mayer schrieb 1836 rückblickend: "Als ich in Erlangen studierte, gehörte es zum totalen Sehenswerth eines Studenten, Streitberg und Muggendorf wenigstens einmal im Jahr besucht zu haben."

Die große Zeit

Die große Zeit der Studentenverbindungen kam laut August Sieghardt ab der Mitte des 19. Jahrhunderts. Die Studentenkneipen entstanden beim "Wein-Müller" (Gasthaus "Goldener Engel") in Ebermannstadt, im "Goldenen Kreuz" in Streitberg, dem späteren Alten Kurhaus, im Gasthaus "Türkei" in Muggendorf, in der Neumühle unterhalb der Burg Rabenstein beim "Höschn-Hans", in der Stempfermühle, in der die Uttenruthia ihre Exkneipe hatte, bei der "Kundl-Heinlein", die in Behringersmühle für ihre Kochkünste berühmt war, in der Schottersmühle, in der Andreas Bergeat als Studentenvater agierte.

Aufzeichnungen im Gästebuch

1896 erkor die Studentenverbindung Fridericana aus Erlangen - eine akademische Gesangsverbindung - die Schottersmühle zu ihrer Exkneipe. Die Studenten waren laut Aufzeichnungen im Gästebuch auch während der Kriege zuverlässige Gäste. Tausende müssen es im Laufe der vielen Jahre gewesen sein.

Mit Geld in der Tasche

Sie hatten Geld in der Tasche und waren immer zu Späßen aufgelegt, wie der Eintrag im Gästebuch des "Goldenen Engels" in Ebermannstadt von 1891 erzählt: "Fährst du auf der Eisenbahn, so lass er schön die Bremsen stahn. Bremst du doch, so kostet's Dich, 15 Mark, ganz sicherlich." Das Fränkische-Schweiz-Museum in Tüchersfeld hat anlässlich der Sonderausstellung "200 Jahre Name Fränkische Schweiz" (2012) bei ihren Recherchen die Entdeckung gemacht, dass es beinahe zur "Revolution" in Streitberg gekommen wäre. Anlass war das Verbot der Burschenschaften, welches der preußische König 1817 verhängte; aus Angst vor einer studentischen Revolte. Die Ladung für den Streitberger Burschentag wurde abgefangen und die Erlanger Uni verbot daraufhin den Besuch von "Streitberg und Muggendorf und die dasigen Gegenden". Damit war das Treffen gescheitert. Erst 1821 wurde ein von elf Universitäten beschickter Burschentag in Streitberg abgehalten.

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