Forchheim
Energiewende

Strom sparen allein genügt nicht

Im Kreis Forchheim werden 30 Prozent weniger Energie verbraucht als 1990. Und die Stromgewinnung aus erneuerbarer Energie ist deutlich gestiegen.
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So sah es im Sommer 2016 aus: Während sich im Vordergrund schon die Rotoren des Windparks Neudorf drehen, waren beim Blick über Ludwag hinweg zwei der in Bau befindlichen Windräder auf Königsfelder Gebiet zu sehen. Ronald Rinklef/Archiv
So sah es im Sommer 2016 aus: Während sich im Vordergrund schon die Rotoren des Windparks Neudorf drehen, waren beim Blick über Ludwag hinweg zwei der in Bau befindlichen Windräder auf Königsfelder Gebiet zu sehen. Ronald Rinklef/Archiv

Bald sind es 20 Jahre, seit in Kasberg (Stadt Gräfenberg) das Windrad der Sturmwind GmbH seine Rotoren in den Himmel streckt. Jährlich produziert diese Anlage rund 2,5 Millionen Kilowattstunden Strom. Das sind gerade mal 0,55 Prozent der Strommenge, die aktuell im Landkreis Forchheim verbraucht wird. Dennoch hat die Produktion erneuerbarer Energie auch im Landkreis Forchheim enorm an Bedeutung gewonnen.

Von den 454 415 Megawatt Strom, die in privaten Haushalten, von der Industrie und von Gewerbe, Handel und Dienstleistern verbraucht werden, stammen 150 826 Megawatt aus erneuerbaren Energien. Das sind laut Energie-Atlas Bayern 33,1 Prozent. "Aktuell liegen wir über 34 Prozent", so Dominik Bigge, Klimaschutzmanager des Landkreises. Die unterschiedlichen Zahlen hängen laut Dominik Bigge damit zusammen, dass die zugrunde gelegten Zahlen des statistischen Landesamtes aus dem Jahr 2017 stammen.

Fast 34 Prozent regenerative Energie

Aktuellere Werte gibt es nur beim Landkreis Forchheim. Die tragenden Säulen, so Klimaschutz-Manager Bigge, sind hier Sonne, Biomasse und Wasserkraft. Von den mehr als 150 000 Megawattstunden Strom aus erneuerbarer Energie stammen 38,4 Prozent aus Photovoltaikanlagen. Biogasanlagen und Deponiegas steuern 34,1 Prozent bei und der Anteil der Wasserkraft liegt aktuell bei 26 Prozent. Die Windenergie macht bescheidene 1,5 Prozent aus.

Zum Vergleich: Das Online-Portal Energymap meldet für Bayern 26 Prozent erneuerbare Energie. In dieser Größenordnung liegt auch der Regierungsbezirk Oberfranken. Den Anteil der erneuerbaren Energie im Landkreis Forchheim beziffert dieses Portal allerdings nur auf 18 Prozent. "Die Zahlen von Energymap stammen aus dem Jahr 2015", nennt Bigge den Grund für die Differenz zu den Forchheimer Zahlen.

Solarkataster hilft weiter

Innerhalb des Landkreises steht laut Energymap der Markt Wiesenttal mit einem Anteil von 72 Prozent erneuerbarer Energien am besten da. Auf den Plätze folgen Pinzberg mit 66 Prozent, Hiltpoltstein mit 60, Hallerndorf mit 58 und Hausen mit 47 Prozent.

Ein sehr differenziertes Bild von den Flächen, die für Solarenergie nutzbar sind, gibt der sogenannte Solarkataster, auf den bereits die Gemeinden Gräfenberg, Igensdorf und Weißenohe oder Hausen zurückgreifen. In einer Landkarte, in der detailliert die vorhandene Bebauung eingezeichnet ist, wird durch unterschiedliche Farben deutlich gemacht, ob eine Dachfläche sehr gut, gut oder kaum für die solare Stromgewinnung geeignet ist. Beim Klick auf die Dachfläche öffnet sich ein Fenster, das Daten zur potenziellen Modulfläche und zum damit zu erreichenden Stromertrag enthält. Mit diesen Angaben und den eigenen Verbrauchswerten lassen sich erste Berechnungen anstellen, ob sich eine Solaranlage auf dem Dach lohnt.

Große Unterschiede

Beim Online-Portal "Energieatlas Bayern" ist ein Mischpult installiert, das zeigt, wie die Produktion von erneuerbarer Energie durch weitere Photovoltaik-Anlagen, Biomasse-Anlagen oder Windkraftanlagen beeinflusst wird. Dabei zeigt sich, dass es noch große Unterschiede bei der Versorgung mit regenerativer Energie gibt. Spitzenreiter ist hier der Landkreis Bayreuth, bei dem für das Jahr 2017 ein errechneter Versorgungsgrad von 126 Prozent ausgewiesen ist. Das heißt: Die Energie aller Photovoltaikanlagen, Biomasse-Anlagen, Windräder und Wasserkraftwerke zusammengenommen würde ausreichen, den Energiebedarf des Landkreises zu decken. Das Gleiche gilt für den Landkreis Hof, der mit 102 Prozent energieautark wäre. Auf den Plätzen folgen in Oberfranken die Landkreise Bamberg mit 77 Prozent und Kulmbach mit 72 Prozent.

Zahlen mit großer Unschärfe

Doch Markus Ruckdeschel von der Energieagentur Oberfranken warnt davor, diese Zahlen überzubewerten. Sie beinhalteten große Unschärfen. "Man muss wissen, dass es sich bei diesen Zahlen lediglich um eine rechnerische Größe handelt. Da wurde der Energieverbrauch von ganz Deutschland durch die Anzahl der Einwohner dividiert und dann mit der Einwohnerzahl des jeweiligen Landkreises oder Regierungsbezirkes multipliziert", so Ruckdeschel. Die Folge: Es könne eine große Differenz zum tatsächlichen Energieverbrauch in der jeweiligen Region auftreten. In Gebieten mit wenig Industrie sei der angenommene Verbrauch zu hoch, dort wo es viel Industrie gebe, seien die Werte zu niedrig veranschlagt. Die Zahlen können daher allenfalls einen Trend aufzeigen.

Klar messbar dagegen sei die Menge der erzeugten regenerativen Energie. Dabei zeigt sich, hier ist noch viel Luft nach oben. Wenn Energymap als Stromverbrauch für Oberfranken 8,16 Millionen Megawatt nennt, stammen davon nur gut zwei Millionen Megawattstunden aus erneuerbarer Energie. Das ist in etwa ein Viertel, das sich aus 704 711 Megawatt Solarstrom, 648 779 Megawatt Windkraft und 549 258 Megawatt Strom aus Biomasse sowie aus 152 203 Megawatt Strom aus Wasserkraft zusammensetzt.

Kaum Windenergie in Forchheim

Während Solarstrom und Energie aus Biomasse-Anlagen im Landkreis Forchheim über die Jahre hinweg einen stetigen Anstieg verzeichneten, wird die Windenergie so gut wie gar nicht genutzt. Im Landkreis Bamberg dagegen gingen 2016 fünf neue Windräder ans Netz. 2017 waren es dann sogar 15 neue Windkraftanlagen. Derzeit drehen sich 35 Windräder im Landkreis Bamberg. Zuletzt lieferten sie fast 170 000 Megawattstunden Strom (Jahr 2018). Die meisten dieser neuen Anlagen konnten erst genehmigt und gebaut werden, nachdem der Regionale Planungsverband Oberfranken-West im Herbst 2014 entsprechende Vorranggebiete offiziell ausgewiesen hatte.

Die gab es auch für den Landkreis Forchheim. Seit aber kurz darauf die sogenannte 10-H-Regel in Kraft trat, ist die Planung weiterer Windräder fast unmöglich. Diese Regelung besagt nämlich, dass jedes Windrad das zehnfache seiner Höhe als Abstand zur nächsten Siedlung einhalten muss. Die Folge: Auch im Landkreis Bamberg ging im vergangenen Jahr kein einziges neues Windrad mehr in Betrieb.

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