Forchheim
Sektidee

Streuobst ins Schäumen gebracht

Am Anfang stand der Wunsch, die Obstbauern im Landkreis Forchheim zu unterstützen. Dann kam in genussreicher Runde ein Geistesblitz hinzu - und der Charlemagner war geboren.
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Otto Siebenhaar aus Dietzhof ist einer von fünf Charlemagner-Produzenten des Landkreises. Foto: Barbara Herbst
Otto Siebenhaar aus Dietzhof ist einer von fünf Charlemagner-Produzenten des Landkreises. Foto: Barbara Herbst

Eine Männer-Runde sitzt im Keller eines Amtsgebäudes und experimentiert mit Alkohol. Was nach einer Verschwörung klingt, ist der Anfang einer prickelnden Erfolgsgeschichte, die mittlerweile seit 15 Jahren mit dem Namen Charlemagner verbunden ist.

"Der Name war meine Idee", erinnert sich Ernst Deutsch, der ehemalige Berater für Landschaftspflege und Gartenbau. Sein Kollege, der Obstfachberater Hans Schilling, hatte den Einfall, einen Apfelsekt zu kreieren. Der war als Form der Wirtschaftsförderung für Landwirte gedacht, die so ihr Streuobst absetzen konnten. "Schilling hat die berufliche Erfahrung mitgebracht, wie man Weinsekte produziert", erzählt Ernst Deutsch. "Dann haben wir ein kleines Quartier im Amt für Land für Landwirtschaft bezogen und das Experimentieren angefangen, es war eine Laborsituation."

Ernst Deutsch erinnert sich noch an das Jahr 2004, als im "Labor" die erste Probeflasche geöffnet wurde: "Beim Genießen ist der Name entstanden, das war ein Geistesblitz in lustiger Runde." Karl der Große, der in Franken seine Spuren hinterlassen hat und in Frankreich Charlemagner heißt, wurde zum Produktnamen erkoren.

"Charlemagner, das klingt ein bisschen wie Champagner", freut sich Ernst Deutsch bis heute über seinen Geistesblitz. Der anfänglich allerdings zum Problem zu werden drohte, denn die Champagner-Industrie "reagierte". Die Juristen legten Wert darauf, dass auf dem Etikett keinesfalls der Begriff Champagner auftauchen durfte.

"Er hat sofort geschmeckt", erinnert sich Ernst Deutsch an den ersten Schluck des Apfelschaumweins aus der Flaschengärung. 2005 wurde dem Getränk die Urkunde ausgestellt und der Markennamen beim Patentamt gesichert.

Da der Landkreis Forchheim keinen eigenen Betrieb eröffnen wollte, entschloss sich der damalige Kreistag unter Landrat Reinhardt Glauber (FW), die Produktion auszulagern.

Heute wird der Charlemagner von einer fünfköpfigen Erzeuger-Gemeinschaft produziert. Zwischen 7000 und 10 000 Flaschen stellen sie her. Otto Siebenhaar, einer der fünf, genießt das Produkt schon von Berufs wegen. "Einmal im Jahr kommen wir zusammen und testen die Qualität." Nicht jeder Charlemagner sei gleich, da ja jeder Erzeuger eigene Apfelsorten verwende. Daher gibt es also fünf verschiedene Charlemagner. "Doch der Laie dürfte Schwierigkeiten haben, die verschiedenen Richtungen herauszuschmecken", sagt Otto Siebenhaar. Der aus reinen Tafeläpfeln gegorene Sekt sei beispielsweise "nicht so intensiv" wie der aus Streuobst-Äpfeln gewonnene.

Nicht nur in Franken hat sich der Apfelschaumwein aus der Region seinen Namen gemacht, sagt Otto Siebenhaar. Sondern dank der Urlauber, die das Genussmittel gerne mal mit nach Hause nehmen, in ganz Deutschland.

Wie der Sekt, wird der Charlemagner hauptsächlich bei feierlichen Anlässen getrunken. Die Secco-Variante mit dem deutlich niedrigeren Alkoholgehalt (acht statt zehn Prozent) sei auch ein ideales Getränk für Sommerabende, sagt Otto Siebenhaar. Persönlich verbindet er den Genuss des Charlemagners mit einer ganz bestimmten Situation: Am Sonntagabend im Sommer mit Bekannten in der Laube sitzend

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