Forchheim
Anerkennung

Stadt bedankt sich mit lockerem Abend

Ehrenamtliches Engagement wird zum ersten Mal nicht mit den üblichen Urkunden honoriert. Stattdessen gibt es viel Lob, angenehme Gespräche im Rathaussaal und einen Imbiss.
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Stadtrat Josua Flierl (CSU) spricht am Freitag beim Anerkennungsabend im Rathaus mit zwei Ehrenamtlichen. Foto: Alexander Hitschfel
Stadtrat Josua Flierl (CSU) spricht am Freitag beim Anerkennungsabend im Rathaus mit zwei Ehrenamtlichen. Foto: Alexander Hitschfel
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Haben die gute alte Ehrennadel und die Ehrenurkunde schon bald ausgedient? Die Stadt Forchheim wagte am Freitagabend einen Schritt in eine neue Anerkennungskultur. Jedes Stadtratsmitglied durfte eine Person benennen, die mit ihrem ehrenamtlichen Engagement von sich reden gemacht hat. All diese Personen wurden nun von der Stadt Forchheim zu einem "Anerkennungsabend" in den historischen Rathaussaal eingeladen.


Sich kennenlernen und Austauschen

"Das wird heute eine ungewöhnliche Veranstaltung", kündigte Oberbürgermeister Franz Stumpf (CSU/WUO) in seinen Grußworten an. Man habe diese besondere Form gewählt, um sich bei den Ehrenamtlichen zu bedanken, ohne sie zu ehren. Die Stadträte sollten die Gelegenheit erhalten, mit den Ehrenamtlichen ins Gespräch zu kommen und zu erfahren, wo eventuell der Schuh in der Vereins- und Verbandsarbeit drückt. Der Abend diene auch zum Kennenlernen und Austausch der Ehrenamtlichen untereinander.

"Sehen sie es als Versuch an", sagte Stumpf. Als Ideengeberin nannte er Natalie Grünert, die eine Studie über das Ehrenamt in Forchheim gemacht habe. Initiiert habe dann Stadtrat Udo Schönfelder (CSU) diese Veranstaltung; die anderen Stadträte hätten sofort zugestimmt, berichtete Stumpf.

Im Wechsel mit Bürgermeister Franz Streit (CSU) las der OB die geladenen Gäste namentlich vor, die sich dann kurz von ihren Plätzen erhoben. In Stichpunkten wurde das ehrenamtliche Engagement eines jeden Einzelnen umrissen.


So wird die Stadt attraktiver

Natalie Grünert hielt schließlich einen kurzen Vortrag über ihre Studie und das Ehrenamt in Forchheim. "Die Veranstaltung heute ist ein symbolischer Akt der Würdigung", erläuterte sie. "Das Gemeinwesen wäre ohne das Ehrenamt nicht denkbar. Ihre Arbeit erhöht die Attraktivität der Stadt", machte Grünert deutlich, die vor sieben Jahren nach Forchheim gekommen und mittlerweile hier verwurzelt ist.

Ehrenamt spiele in Forchheim, aber auch generell eine wichtige Rolle. Mehr als 70 Prozent aller Einrichtungen würden ehrenamtlich arbeiten; 80 Prozent aller Institutionen seien auf Ehrenamtliche angewiesen, zitierte Grünert aus ihrer Studie. "Die Forschung hat ergeben, dass ehrenamtliches Engagement vererbt werde", erklärte Grünert. Die Nachkommen der anwesenden Personen seien also die potenzielle Ehrenamtlichen der Zukunft.
Nach Grünerts Vortrag lud die Stadt zum "Cometogether" mit einem Imbiss ein. Musikalisch wurde die Veranstaltung durch Lucky Schmidt am Klavier untermalt.


Neue Form kommt gut an

Die Ehrennadel ist nicht mehr zeitgemäß, glaubt Natalie Grünert. "Die Leute wollen keine elitären Ehrungsveranstaltungen mehr", erklärt die Ideengeberin für den neuen Anerkennungsabend der Stadt Forchheim. Woher sie das weiß? Dies hätte die Auswertung der Fragebögen für ihre Studie ergeben. Die am Freitag anwesenden ehrenamtlich Engagierten unterstreichen das.

Walter Kohlmann von der Forchheimer Feuerwehr hat seine eigene Meinung zu der neuen Form der Anerkennung: "Wenn man solange ehrenamtlich tätig ist wie ich, dann kann man mit Urkunden die heimischen Wände fast tapezieren." Er lege selbst keinen großen Wert auf Urkunden und Anstecknadeln.


"Urkunden liegen nur rum"

Nadja Uttenreuther von den Närrischen Siedlern zeigte sich erfreut, dass der Freitagabend nicht "so steif" wie andere Ehrungsabende über die Bühne ging. "Was macht man mit Urkunden, die liegen ohnehin nur daheim rum", meinte sie. Auch durch diese Form der Anerkennung fühle sie sich "geehrt" und neu motiviert. Ähnlich sieht es Josef Herzing: "Ich freue mich, dass das ehrenamtliche Engagement durch diese Veranstaltung anerkannt wird."

Michael Wuttke, Miterfinder des Rathaus-Adventskalenders, stimmte der neuen Form ebenfalls zu: "Ich finde es gut, dass es so gemacht wird." Er zeigte sich selbst überrascht, in welch vielfältiger Weise sich doch die Forchheimer ehrenamtlich engagieren. "Es gibt tatsächlich Leute, die anderen Senioren beim Füttern in Altenheimen helfen", staunte Wuttke.


Zum Abschied noch Wein

Ganz mit leeren Händen brauchten die Ehrenamtlichen aber doch nicht nach Hause gehen. Zur weiteren Steigerung der Motivation gab es von der Stadt Forchheim jeweils zwei Flaschen Wein mit auf den Nachhauseweg.


Diese Ehrenamtlichen waren eingeladen

Heinz Bedürftig: seit vielen Jahren Kassier bei der Feuerwehr Forchheim; musikalischer Leiter der Feuerwehrkapelle; engagiert beim VfB Forchheim (Tischtennis) und in anderen Vereinen und Musikensembles

Dieter Belohlavek: seit vielen Jahren Vorsitzender des Hospizvereins Forchheim und Umgebung

Friedelinde Bermühler: im Jörg-Creutzer-Heim seit Jahren ehrenamtlich tätig (insbesondere bei der Essenseinnahme und im Betreuungsdienst)

Birgit Fechter: oft hinter der Theke im Jungen Theater; Gründungsmitglied des JTF und seit 1988 dort tätig; die meiste Zeit auch Vorstandsmitglied

Josef Freund: seit rund 16 Jahren Bereitschaftsleiter beim Roten Kreuz Kersbach; seit zwölf Jahren stellvertretender Kreisbereitschaftsleiter

Gundelinde Friedrich: seit Jahrzehnten Caritassammlerin und Wohnviertelhelferin in Burk; sammelt auch für das Müttergenesungswerk; leitete 1982 die erste Mutter-Kind-Gruppe; engagierte sich jahrelang in Elternbeiräten; Pfarrgemeinderätin

Margarete Grohganz: arbeitet ehrenamtlich bei der AWO, dort stellvertretende Ortsvorsitzende

Georg Gügel: seit über 40 Jahren Vorsitzender des Gesangvereins Burk; aktiver Fußballer des FC Burk; aktiver Feuerwehrler; engagiert sich bei der Pfarrei Heilig Dreikönig Burk

Markus Hackenberg: seit zehn Jahren Jugendtrainer bei der SpVgg Reuth

Inge Haller: sammelt Bücherspenden und verkauft diese für den AWO-Familienfonds

Erika Hallmann: lange Jahre Jugendleiterin bei der Wasserwacht; jetzt stellvertretende Jugendleiterin

Margit Hallmann: seit Jahren Kassiererin des HC Forchheim; engagierte Pfarrgemeinderätin in St. Anna Forchheim

Betty Hartwig: seit über 40 Jahren in Reuth in verschiedenen Ehrenämtern tätig (Caritas, Pfarrgemeinderat, Müttergenesungswerk)

Heidi Hellmann: engagiert beim VfB Forchheim und HC Forchheim

Josef Herzing: sammelt seit vielen Jahren Spenden für die Caritas

Jörg Jungblut: Vorsitzender der Feuerwehr Buckenhofen

Edmund Kainer: seit 1986 durchgehend zweiter Vorsitzender des FC Burk

Donata Kamann: engagiert bei der Betreuung von Flüchtlingen, Asylsuchenden und Migranten; Integrationslotsin; Sprecherin des Netzwerkes "Asyl"

Edmund Knauer: seit vielen Jahren Vorsitzender des SV Buckenhofen

Walter Kohlmann: seit über 42 Jahren ehrenamtlich bei der Feuerwehr Forchheim

Gerhard Kummerer: seit vielen Jahren Geschäftsführer der DLRG; Schwimmkursmanager

Ernst Lehmann: langjähriges Vorstandsmitglied bei der Kolpingfamile; seit vielen Jahren Kirchenpfleger von St. Martin

Herbert Pfeffermann: Vorsitzender der Forchheimer Kolpingfamilie seit vielen Jahren

Lothar Rauscher: Trainer in der Jugendarbeit des HC Forchheim; Verbandsfunktionär

Monika Reintges: engagiert sich in der Schlaganfallselbsthilfegruppe; setzt sich für Barrierefreiheit (konnte nicht teilnehmen, weil die Rollstuhlfahrerin nicht zum Ehrungsabend in den zweiten Stock gelangte)

Dietmar Schneider: lange Jahre Kommandant der Feuerwehr Kersbach; nun Vorsitzender des Feuerwehrvereins

Erika Schwedes: engagiert sich seit über 30 Jahren für den AWO-Weltladen

Günter Studa: außerordentlich aktiv beim Deutschen Alpenverein (DAV)

Nadja Uttenreuther: jahrelang Gardetrainerin bei den Närrischen Siedlern und Trainerin des Männerballets

Karola Weiß: kümmert sich seit Jahren um die Bastionsgärten, gibt Deutschkurse

Margit Wünsche: seit 2007 im Eine-Welt-Laden engagiert; überregional im fairen Handel aktiv; Mitglied der Steuerungsgruppe fairtrade; auch im Frauenbund Burk engagiert

Michael Wuttke: organisiert seit acht Jahren Benefizkonzerte; Miterfinder des Forchheimer Adventskalenders

Luise Wuttke: arbeitet seit 30 Jahren unentgeltlich für Amnesty International; engagiert sich für die AWO; sammelt Bücherspenden und verkauft sie für den AWO-Familienfond

Maria Ziegmann: seit 15 Jahren ehrenamtlich im Lebenshilfeladen engagier


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