Ebermannstadt
Gottesdiensttest

St. Nikolaus in Ebermannstadt: Mit der Predigt nahe an den Kirchenbesuchern

Beim Besuch des Sonntagsgottesdienstes in der Pfarrkirche St. Nikolaus in Ebermannstadt sind die vorderen Kirchenbänke leer. Die rund 120 Besucher sind meist reiferen Alters.
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Am 18. Oktober 1859 wurde die neu erbaute  Kirche St. Nikolaus durch den Bamberger Erzbischof Michael von Deinlein feierlich konsekriert. Josef Hofbauer
Am 18. Oktober 1859 wurde die neu erbaute Kirche St. Nikolaus durch den Bamberger Erzbischof Michael von Deinlein feierlich konsekriert. Josef Hofbauer

Das Urteil unseres Testers:

Der Ebermannstadter Pfarrer Zlatko Kidjemet hat bewiesen, dass die Kirche den Menschen auch heute noch etwas zu sagen hat. Anschaulich hat er die Worte der Lesung erläutert, die christliche Botschaft eindrucksvoll erklärt. Indes: Die vorderen Kirchenbänke blieben leer. Jugendliche Gottesdienstbesucher? Fehlanzeige. Besonders deutlich lässt sich dieses Dilemma an der Zahl der Ministranten festmachen, die vor Jahren zu viert und zu sechst dem Pfarrer assistierten. Diesmal besuchte gerade mal eine einzige Ministrantin den Gottesdienst. Geht das Gottesdienst-Angebot der katholischen Kirche an den Bedürfnissen der Jugendlichen und jungen Erwachsenen vorbei? Falls ja, ist sie ein "auslaufender Posten". Kleiner Lichtblick: Die Senioren gingen fast ausnahmslos zur Kommunion, feierten die Heilige Messe mit allem, was dazu gehört. Doch es bleibt die Frage: Quo vadis Kirche?

Die Bewertungen im Einzelnen:

1. Einstieg

In der Kirche gehen alle Lichter an. Der Pfarrer schreitet in Begleitung einer Ministrantin, einer Lektorin und einer Kommunionhelferin zum Altar. Der Organist zieht alle Register. Auf dem Spieltisch gleiten die Finger scheinbar wie von selbst über die Tasten. Bei dem frei gewählten Stück reicht das Spektrum von zierlichen Tönen bis zum schier unerschöpflichen, grenzenlosen Hörerlebnis. Ein majestätischer, feierlicher Beginn des Gottesdienstes. Übrigens: In Ebermannstadt teilen sich insgesamt sieben Organisten die musikalische Ausgestaltung der Gottesdienste. 2. Musik Der Organist beherrscht sein Instrument. Die Liedauswahl indes wirft Fragen auf, denn nicht wenige der Kirchenbesucher klappen das Gotteslob zu. Anderen bereitet das Mitsingen offenbar Mühe, denn sie hinken häufig bis zu einer Note hinter dem Organisten her. Wirkliche Feierlichkeit kommt deshalb nicht auf. Doch zum Ende des Gottesdienstes lässt der Organist bei einer Fantasie seinem musikalisch-künstlerischen Anspruch noch einmal freien Lauf - während die meisten Gottesdienstbesucher die Kirche bereits verlassen. 3. Lesung/Evangelium

Die Lesung stammt aus dem Hebräer-Brief und unterstreicht die Macht des Glaubens, aufgezeigt am Beispiel Abrahams, der aufbrach in ein Land, ohne es zu kennen. Seine Frau Sarah vertraute auf Gott, noch ein Kind zu bekommen, obwohl sie das gebärfähige Alter bereits überschritten hatte.

Im Lukas-Evangelium, das Pfarrer Kidjemet verliest, stehen jene Diener im Mittelpunkt, die auf ihren Herrn warten, der von einer Hochzeit zurückkommt. Aber sie wissen nicht, wann er wieder da sein wird. Es gelte, für die Ankunft des Herrn gewappnet zu sein, so die Botschaft. Beide Textstellen werden laut und deutlich vorgetragen. 4. Predigt

Idole wie James Bond Darsteller Daniel Craig, Sänger Justin Bieber und Rennfahrer Louis Hamilton stehen im Mittelpunkt der Predigt. Doch Pfarrer Kidjemet macht klar, dass es im Leben nicht auf das Bankkonto, die Stimme oder das fahrerische Können ankommt.

Die Promis seien Idole, wahre Vorbilder dagegen seien Menschen, die für ihre Überzeugung einstehen. So schlägt der Priester den Bogen zu Menschen, die für ihre Überzeugung auch Unannehmlichkeiten auf sich genommen haben. Das wiederum gehe nur, wenn jemand tief im Glauben verwurzelt sei, unerschütterliches Vertrauen habe.

So ein Glaube brauche Vorbilder, so Zlatko Kidjemet. Aber das seien nicht die Menschen mit einem tadellosen Lebenswandel wie sie in Heiligenlegenden auftauchten, sondern jene Menschen, die ihre Einstellung und Überzeugung vorleben. Spitzenreiter in Sachen Vorbild seien die Eltern, insbesondere dann, wenn sie ihre Beziehung zu Gott im Alltag lebten.

Alles was Eltern tun oder auch nicht tun, wirke auf die Kinder und damit in die Zukunft hinein. Theologisch betrachtet bedeutet dies: Alle, die an Gott glauben und auf ihn vertrauen, haben in ihm eine Heimat. 5. Komunion/Abendmahl Umspielt von lyrischen Orgelklängen gehen nahezu alle Gottesdienstbesucher zur Heiligen Kommunion. Mit den Worten "Der Leib Christi" verteilen Pfarrer Zlatko Kidjemet und zwei Gottesdiensthelferinnen die Hostien an die Gläubigen. Gemessenen Schrittes gehen sie mit gesenktem Blick zurück in die Kirchenbänke, knien sich hin und verharren in andächtiger Stille. 6. Segen "Es segne Euch der allmächtige Vater, der Sohn und der heilige Geist". Der Pfarrer sprach's und verschwand gemessenen Schrittes in der Sakristei. 7. Ambiente Die Kirche im neuromanischen Stil ist eine Hallenkirche ohne Seitenschiffe, überspannt von einer flachen Holzdecke, die hellgrau gestrichen wurde. Den Eingang säumen eine Herz Jesu- und eine Herz Mariä Statue. Links auf einer gegabelten Steinstele findet sich eine Muttergottes-Statue aus der Hand des Münchner Bildhauers Klaus Backmund, eine einst sehr umstrittene Darstellung.

An der gegenüber liegenden Wand steht eine Figur des Heiligen Josef. Ringsum an den Kirchenwänden erinnern Kreuzwegstationen im Nazarener-Stil an das Leiden Christi.

Links wendet der Heilige Wendelin seinen Blick zum Hochaltar, wenige Meter weiter blickt der heilige Aloysius, den der Ebermannstadter Friedrich Theiler geschnitzt hat, auf das Kreuz Christi. Als Gegenfigur steht rechts der Heilige Antonius von Padua, aus der Bauzeit der Kirche. Der Kirchenpatron Nikolaus steht auf einer Konsole auf dem rechten Seitenaltar und am Ende dieser Seite thront der von Friedrich Theiler um 1790 geschnitzte auferstandene Heiland. Zu den beeindruckenden Figuren des Gotteshauses gehört ein Gnadenstuhl aus der Zeit um 1420 und eine gotische Madonna um 1500. 8. Kirchenbänke Die hölzernen Bänke sind schlicht, aber praktisch. Der Abstand ist angemessen, ein ausreichender Sitzkomfort ist gewährleistet. Das Knien fällt leichter, weil die Knieschemel mit Leder überzogen sind.

9. Beleuchtung Der Pfarrkiche St. Nikolaus spenden moderne farbige Glasfenster belebende Farbigkeit und Helligkeit. Die Beleuchtung, das sind parallel angeordnete Hängelampen links und rechts neben dem Mittelgang. Zweckmäßig, aber ohne Anspruch auf einen Schönheitspreis.

10. Sinne

Die Pfarrkirche St. Nikolaus mit ihrem theologischen Konzept, ihren Bildwerken aus verschiedenen Stilepochen und in ihrer neuen lichten Ausgestaltung ist eine würdige Gebetsstätte für alle Gläubigen. Mit entsprechender Orgelmusik, kann ein Gottesdienst zu einem Erlebnis werden.

Warum ein Gottesdiensttest?

Die Ergebnisse unserer Gottesdiensttests, das wissen wir, sind rein subjektiv. Warum dann dieser Test? Weil wir glauben, dass es eine Diskussionsbasis braucht, um Kirche und Bürger wieder näher zusammenzubringen. Und weil wir denken, dass Kirche und Glaube nicht weiter auseinanderdriften sollten. Wir freuen uns deshalb auf den Dialog mit Kirchenvertretern, Gläubigen und allen Menschen, die uns ihre Meinung zu diesem wichtigen Thema mitteilen wollen. Schreiben Sie uns: redaktion@infranken.de Alle Berichte unserer Serie finden Sie auf unserer Übersichtsseite zum Gottesdiensttest. Dort finden Sie auch ausführliche Infos.

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