Obertrubach
Gottesdiensttest

St. Laurentius in Obertrubach: Kirche erreicht kaum junge Familien

Wer Christus nachfolgen will, muss allem Hab und Gut entsagen. Nicht nur mit solch radikalen Botschaften der Kirche tun sich Gläubige schwer.
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Unter Pfarrer Robert Grieb wurde 1955  die heutige moderne Kirche errichtet.  Vom Vorgängerbau wurden nur einzelne Figuren übernommen. Sie zieren - neu gefasst -  den Saalbau des Obertrubacher Gotteshauses.   Josef Hofbauer
Unter Pfarrer Robert Grieb wurde 1955 die heutige moderne Kirche errichtet. Vom Vorgängerbau wurden nur einzelne Figuren übernommen. Sie zieren - neu gefasst - den Saalbau des Obertrubacher Gotteshauses. Josef Hofbauer

Das Urteil unseres Testers:

Es erstaunt mich, dass zum Sonntagsgottesdienst in der Pfarrkirche St. Laurentius nur knapp hundert Gläubige erscheinen. Das sind knapp fünf Prozent der Katholiken dieser Gemeinde. Selbst wenn beim Vorabendgottesdienst ähnlich viele Besucher gezählt wurden, 90 Prozent bleiben dem Sonntagsgottesdienst fern. Die vorderen Kirchenbänke sind - wie in vielen anderen Kirchengemeinden auch - leer. Die Anzahl (junger) Familien lässt sich an zwei Händen abzählen. Dabei ist Pfarrer Werner Wolf stets nahe an den Menschen. Er kennt auch keine konfessionellen Grenzen. Dennoch stößt sein Gottesdienst-Angebot nicht auf entsprechende Resonanz. Vermutlich ein Zeichen, dass Priester, selbst wenn sie noch so engagiert sind, an Grenzen stoßen, ihre Schäflein offenbar nicht mehr erreichen. Setzt sich dieser Trend fort, läuft die Institution Kirche Gefahr, zu einer Randnotiz unserer Gesellschaft zu verkommen.

Die Bewertung im Einzelnen:

1. Einstieg

Als Zeichen ihrer Bereitschaft für die Feier stehen alle Gottesdienstbesucher auf, während Pfarrer Werner Wolf in Begleitung von drei Ministranten zum Altar schreitet. Dieser Einzug, ein Zeichen für den Weg des Menschen auf unser Ziel , auf Gott hin, wird von feierlichen Orgelklängen begleitet. Der Priester macht eine Kniebeuge vor dem Altar und geht dann zum Stehpult, an dem später Lesung und Evangelium vorgetragen werden. Zur Einstimmung erklingt gleichsam als Motto für die folgende Eucharistiefeier das Lied: "Alles meinem Gott zu Ehren". Die Gottesdienstbesucher stimmen lautstark ein und singen kräftig mit.

2.Musik Der Organist begleitet den Einzug des Priesters versiert mit choralgebundener Orgelmusik. Gleich darauf steht die differenzierte Begleitung eines Kirchenliedes im Vordergrund. Bei der Kommunion dagegen ist wieder die Kreativität gefordert. Hier hat der Organist jegliche künstlerische Freiheit, im Rahmen der liturgischen Maßstäbe, versteht sich. Schade nur, dass die Gläubigen bei den Kirchenliedern nicht immer dem Tempo der Orgel folgen (können).

3. Lesung "Welcher Mensch kann Gottes Plan erkennen oder wer begreift, was der Herr will? Unsicher sind die Überlegungen der Sterblichen und einfältig unsere Gedanken; denn ein vergänglicher Leib beschwert die Seele." Diese Zeilen werfen jede Menge Fragen auf, denn sie werden nicht eingeordnet.

4. Beleuchtung Die Beleuchtung des Gotteshauses ist erfreulich hell. Das gesamte Kirchenschiff wird gleichmäßig ausgeleuchtet, ohne dass es zu einer Blendwirkung kommt. 5. Kirchenbänke Enge, unbequeme Kirchenbänke, das war gestern. In der Pfarrkiche St. Laurentius sitzen die Besucher angenehm. Selbst die Kniebänke sind mit Schaumstoff gepolstert und mit Kunstleder überzogen. Wenn sich die Gläubigen bei der Wandlung hinknien, ist das nicht mehr mit Schmerzen verbunden, sondern spiegelt die Demut vor Gott wider. 6. Predigt Im Lukas-Evangelium fordert Jesus ein rückhaltloses Bekenntnis. Wer ihm nachfolgen wolle, müsse alles andere zurückstellen, selbst die eigenen Eltern.

Es gelte, Hab und Gut zu entsagen, denn sie lenkten von der Nachfolge Jesu ab. Pfarrer Werner Wolf räumt ein, dass er nun, kurz vor seinem Ruhestand, 4000 Fotos "entsorgt" habe. Das sei keine Geringschätzung der Erinnerungen, da sie im Herzen besser aufgehoben seien. Sich von etwas zu trennen, bedeute Ballast abwerfen.

Auch sein Elternhaus habe er verkauft und den Erlös karitativen Einrichtungen zur Verfügung gestellt, so Pfarrer Werner Wolf. In seiner Lebensphase falle ihm diese Radikalität relativ leicht.

"Vor zehn oder 20 Jahren hätte ich mich damit deutlich schwerer getan", räumt der Seelsorger ein. Deshalb gelte es, der Wurzel dieser radikalen Verkündigung nachzuspüren.

Jesus relativiere das, was wir als Glück bezeichnen. Im Mittelpunkt des Glaubens müsse das rückhaltlose, unerschütterliche Vertrauen auf Gott stehen. Er leite die Menschen auf ihrem Weg. Wie das aussehen kann, belegt Wolf mit einem Beispiel aus seiner eigenen Erfahrung. "Ich würde alles wieder so machen", so der Spätberufene. 7. Ambiente Gut 25 Jahre ist es her, dass die Kirche unter der Leitung von Pfarrer Werner Wolf von Grund auf saniert und im Innenraum modernisiert wurde. Das 1955 errichtete moderne Gotteshaus ist ein schlichter Saalbau. Von den Barockaltären der Vorgängerkirche wurden nur Einzelfiguren in die neue Kirche übernommen, darunter der Kirchenpatron Laurentius am linken Seitenaltar sowie die Bistumspatrone Heinrich und Kunigunde. Auf der linken Seite finden sich die Figuren von Christophorus und Sebastian sowie Zacharias und Elisabeth, den Eltern von Johannes dem Täufer. Gegenüber stehen Joachim und Anna, die Eltern der Gottesmutter Maria. Auf dieser Seite finden sich auch Figuren von Erasmus und Blasius sowie von Georg und Pantaleon, der bei Verlassenheit und Viehkrankheit angerufen wird. Die Emporenbrüstung zieren die Statuen der Heiligen Katharina und Barbara sowie der Heiligen Margarete ganz rechts. Dazwischen finden sich Darstellungen des Heiligen Vitus, der bei Epilepsie angerufen wird, des enthaupteten Bischofes Dionysius und des Nothelfers Cyriakus, Patron des Weinbaues. Alle Figuren sind in schlichtem Weiß gehalten und mit Goldrändern eingefasst.

8. Segen Der Segen von Pfarrer Werner Wolf fällt "üppig" aus. Er entlässt die Gläubigen nicht einfach in den Alltag, vielmehr bittet er auch um gedeihliches Wetter. "Gott der allmächtige Vater halte Blitz, Hagel und jedes Unheil von euch fern. Er segne die Felder die Gärten und den Wald und schenke euch die Früchte der Erde. Er begleite eure Arbeit, damit ihr in Dankbarkeit und Freude gebrauchet, was durch die Kräfte der Natur und die Mühe des Menschen gewachsen ist. Das gewähre der dreieinige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist." Jede dieser Bitten bestätigen die Gläubigen mit "Amen". Außerdem bedankt sich Pfarrer Wolf bei den Gläubigen, die das Pfarrfest mit vorberietet haben, und lädt alle zum gemeinsamen Feiern ein, ehe er in der Sakristei verschwindet. 9. Kommunion/Abendmahl Von den rund 100 Gottesdienstbesuchern gehen nahezu alle zur Heiligen Kommunion. Die Gläubigen stellen sich - untermalt von Orgelklängen - in zwei Reihen auf. An der Spitze jeder dieser Reihen legen Pfarrer Wolf und ein Gottesdiensthelfer mit den Worten "der Leib Christi" die Hostien in die Hände der Gläubigen. 10. Sinne Riechen, Schmecken und Fühlen sind bei einem normalen Gottesdienst weitgehend außen vor. Nur bei Festgottesdiensten steigt schon mal der Weihrauch-Duft in die Nase. So beschränkt sich der Gottesdienst auf Hören und Sehen.

Warum ein Gottesdiensttest?

Die Ergebnisse unserer Gottesdiensttests, das wissen wir, sind rein subjektiv. Warum dann dieser Test? Weil wir glauben, dass es eine Diskussionsbasis braucht, um Kirche und Bürger wieder näher zusammenzubringen. Und weil wir denken, dass Kirche und Glaube nicht weiter auseinanderdriften sollten. Wir freuen uns deshalb auf den Dialog mit Kirchenvertretern, Gläubigen und allen Menschen, die uns ihre Meinung zu diesem wichtigen Thema mitteilen wollen. Schreiben Sie uns: redaktion@infranken.de Alle Berichte unserer Serie finden Sie auf unserer Übersichtsseite zum Gottesdiensttest. Dort finden Sie auch ausführliche Infos.

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