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Fußball

Wenn der Keeper zum Knipser wird

Zwei Schlussmänner schrieben in der vergangenen Woche eine Strafraumstory. Sowohl in Schlüsselfeld als auch in Muggendorf erzielte die Nummer 1 ein Tor.
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In der ersten Halbzeit kassierte Yannick Leisgang als Torwart der SG Schlüsselfeld/Aschbach drei Gegentore, in Hälfte 2 trug er als Stürmer mit zwei Treffern zum Sieg gegen Waizendorf bei. Archivbild: sportpress
In der ersten Halbzeit kassierte Yannick Leisgang als Torwart der SG Schlüsselfeld/Aschbach drei Gegentore, in Hälfte 2 trug er als Stürmer mit zwei Treffern zum Sieg gegen Waizendorf bei. Archivbild: sportpress
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Yannick Leisgang machte am vergangenen Mittwoch auf sich aufmerksam, als der Torwart der SG Schlüsselfeld/Aschbach in der zweiten Halbzeit in den Angriff wechselte und seiner Mannschaft in der Fußball-Kreisklasse Bamberg 3 nach 1:3-Pausenrückstand mit zwei Toren noch zum 4:3-Heimsieg gegen den SV Waizendorf verhalf. Zwischen den eigenen Pfosten vertrat den 20-Jährigen in den zweiten 45 Minuten der mehr als doppelt so alte Reservekeeper Markus Enzbrenner.

Auch Markus Distler machte einen Ausflug, allerdings behielt der Keeper der SpVgg Muggendorf die Handschuhe an, als er in der 96. Minute des Duells mit dem ATSV Forchheim nach vorne ging und zum 1:1-Endstand einköpfte. "Wir hatten das Spiel komplett im Griff, waren aber nach einem zu kurzen Kopfball meines Abwehrspielers zu mir in Rückstand geraten. Da wir Kerwa hatten, wollten wir auf keinen Fall mit einer Niederlage ins Zelt", begründet Distler seinen Vorstoß im ersten Saisonspiel der A-Klasse 3 ER/PEG.

Zuvor war der Schlussmann bereits zwei Mal als Torschütze in Erscheinung getreten: Auf dem B-Platz in Weißenohe tatzte sein Abschlag auf und über den gegnerischen Torwart ins Gehäuse, zudem übernahm er als Elfmeterschütze Verantwortung. Jetzt klappte es zum ersten Mal aus dem Spiel heraus. "Ich bin bei einer Ecke mit vor. Dann gab es Freistoß und erneut Eckball für uns, deshalb bin ich geblieben", erzählt Distler. "Ich hatte Blickkontakt mit Michael Helm und seine Flanke kam perfekt auf den kurzen Pfosten, wo ich den Ball mit dem Hinterkopf erwischt habe."

Eine Jubelchoreographie musste sich der 39-Jährige nicht überlegen, denn nachdem er sich vergewissert hatte, dass die Kugel im Netz zappelte und er der Schütze war, kam eine Traube Mitspieler auf ihn zu, die ihn unter sich begrub. Weil der Schiedsrichter gar nicht mehr anpfiff, gesellten sich Zuschauer dazu. "Wenn jemand zufällig vorbeigekommen wäre, hätte er sicher gedacht, wir haben gewonnen", sagt der Muggendorfer zum gefühlten Sieg, für dessen Feier die Gastgeber länger Zeit hatten als sonst, denn Anstoß war bereits um 11 Uhr.

Wir tragen unser Kerwa-Heimspiel seit 25 Jahren am Freitagabend aus, weil am Sonntag um 15 Uhr einige aus der Mannschaft den Betzen austanzen. Da der ATSV am Freitag nicht konnte, haben wir uns auf Sonntagvormittag geeinigt", erklärt Distler. Ob er seinem Vorbild Oli Kahn jetzt häufiger nacheifert und zum Stürmer avanciert? "Prinzipiell ja, aber die Situation muss eben passen: Rückstand, Nachspielzeit und Standardsituation für uns."

Zurück nach Schlüsselfeld

Für die Gegentore konnte Yannick Leisgang nicht wirklich etwas, dennoch schien der 14. August nach 45 Minuten für ihn ein gebrauchter Tag zu werden. Jonas Zink hatte die Hausherren per Nachschuss unter die Latte zwar in Führung gebracht (15.), doch Francois Salladin (20.) und Abraham Villareal Arrocha (24.) nutzten Fehler der SG, um das Ergebnis zu drehen. Per gut ausgespieltem Konter erhöhte Arrocha sogar auf 1:3 (39.).

Zur zweiten Halbzeit stellte Coach Mario Schwank um: Reservekeeper Markus Enzbrenner (42) ging zwischen die Pfosten, Leisgang von dort in den Sturm. Zunächst beförderte Lukas Meyer eine Freistoßflanke mit dem Scheitel zum Ausgleich ins Netz (48.), dann kam der Auftritt von Leisgang: Eine Hereingabe von Nico Pinkert verwertete er aus acht Metern (55.), ehe der 20-Jährige eine Flanke von Meyer zum Siegtreffer einköpfte (86.).

Hinten hielt Enzbrenner den Laden dicht. "Die Bier-Rechnung ging auf mich", sagte der stellvertretende Vorsitzende des TSV Schlüsselfeld, Hans Firsching. Da es die vorübergehende Tabellenführung zu begießen gab und am nächsten Tag Feiertag war, dürften ein paar Euro zusammengekommen sein.

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