Hallerndorf
Infranken-Kick

Spartanischer Hochzeits-Zoff

Ein Brautpaar steht unfreiwillig im Fokus, wenn am Sonntag um 15 Uhr die Spartaner aus Pautzfeld mit dem SV Pretzfeld in der A-Klasse 3 die Klingen kreuzen. Der Gäste-Coach rät: "Dazu gehört eigentlich ein zünftiger Polterabend."
Artikel drucken Artikel einbetten
Pretzfelds Torjäger vom Dienst, Michael Streibel (rechts), behauptet sich beim 4:1-Vorjahressieg gegen Wimmelbachs Andreas Gebhardt (inzwischen Burk) und lochte zum Führungstreffer ein. In den letzten vier Spielzeiten erzielte Streibel 59 Treffer und hat nach zwei Spieltagen bereits vier Tore auf dem Konto.  Fotos: Hühnlein
Pretzfelds Torjäger vom Dienst, Michael Streibel (rechts), behauptet sich beim 4:1-Vorjahressieg gegen Wimmelbachs Andreas Gebhardt (inzwischen Burk) und lochte zum Führungstreffer ein. In den letzten vier Spielzeiten erzielte Streibel 59 Treffer und hat nach zwei Spieltagen bereits vier Tore auf dem Konto. Fotos: Hühnlein
+2 Bilder
Im Vorfeld gab es mächtig Verärgerung bei den Gastgebern, da die Kicker aus dem Kirschendorf dem Wunsch nach einer Spielverlegung partout nicht nachkommen wollten. Denn am heutigen Samstag heiratet ein Funktionär der DJK, auf dessen Hochzeitsfeier fünf gleichaltrige Akteure eingeladen und anderntags wohl erwartungsgemäß noch nicht ganz bei Kräften sind, wie Fußball-Chef Friedrich Haas verstimmt mutmaßt: "Bei aller sportlichen Rivalität hätten wir schon etwas Rücksicht des Gegners erwartet." Pretzfelds Neu-Coach Josef Messingschlager kontert: "Wir können nicht immer die Dummen sein".

Dienstagabend, traditioneller Trainingstag auf den hiesigen Amateurplätzen. Pünktlich um 19 Uhr bittet Tekin Atar, seit dieser Saison Übungsleiter in Pautzfeld, zum Training. Während sich einige Spieler im "Eckla" warmmachen, hat ein Trio neben dem Platz bereits Temperatur aufgebaut.
Bei Atar stehen dessen Vorgänger Christian Böhm, der die DJK ab Oktober 2009 knapp vier Spielzeiten trainierte, sowie Spielleiter Friedrich Haas und beurteilen die Situation.

"Die blieben einfach stur"

Während Böhm und Atar mit den Schultern zucken, lässt Haas Dampf ab: "Wir sind doch keine Profis, die zwingend spielen müssen. Warum ist es nicht möglich, bei solchen Ereignissen ein Spiel mal auf einen Wochentag zu verlegen?" Bei der derzeitigen Wetterlage wäre eine Verlegung doch nicht schlimm gewesen, meint Haas: "Dabei hätten wir uns sogar ins eigene Fleisch geschnitten mit Einbußen bei den Eintrittsgeldern. Wir haben es leider tagelang vergeblich mit zwei Pretzfelder Funktionären versucht, aber die blieben einfach stur."

Atar stellt das Sportliche in den Mittelpunkt und festigt seine Entscheidung, in Pautzfeld angeheuert zu haben: "Es war der richtige Schritt. Die Vorbereitung war top, ich hatte immer mehr als 15 Spieler beim Training und zum Auftakt waren über 20 da. Wir sind mit zwei Siegen und 8:0-Toren in die Runde gestartet und wollen einen einstelligen Tabellenplatz, nach Rang 10 im Vorjahr, erreichen."

Das System wurde nicht vollends vom Ex-Kersbacher auf Viererkette umgestellt, sondern soll je nach Gegner variabel eingesetzt werden - sofern dem 35-Jährigen die nötigen Spieler zur Hand stehen. Die Chancen, die weiße Weste zu behalten, sind durch den Spielerschwund gesunken. Denn neben Fünf (Daniel Grohganz, Jonas Haas, Daniel Otzelberger, Philipp Schneider, Dominik Düsel), die von Atar für die Hochzeitsfeier freigestellt wurden, fallen weitere aus: "Eigentlich fehlt uns fast eine ganze Mannschaft. Mein Co-Trainer Turgay Atli und Ferhat Demirezen sind im Heimat-Urlaub, Jlaz Dzeladini hat sich das Knie verdreht und Neuzugang Oliver Grimm das Kreuzband gerissen".

Erfahrener Mann am Ruder

16 Kilometer östlich von Pautzfeld, eine Stunde später: Neu in Pretzfeld ist auch Josef Messingschlager, Trainer mit Übungsleiterschein, der zuvor meist im Bamberger Kreis trainierte, sowie ehemaliger Stützpunkttrainer war. Der Reuther, "Joe" genannt, feierte Aufstiege mit Mannschaften aus drei Fußball-Bezirken (Ober-, Mittel- und Unterfranken) und bekam in der Fußball-Szene scherzhaft den Spitznamen "Rudi Gutendorf der Fränkischen Schweiz!"

Mit dem 8:0-Sieg in der Vorwoche gegen die Hallerndorfer Reserve hat sich seine Mannschaft für die 1:3-Auftaktpleite gegen die zweite Garnitur des Nachbarvereins Kirchehrenbach rehabilitiert, erklärt der inzwischen 49-Jährige, der im ersten Spiel auch den Grund für die starre Haltung gegenüber der DJK am Sonntag ausgemacht hat: "Ein Gegenspieler liegt am Boden, der Gegner ist in Ballbesitz und spielt trotzdem einfach weiter. Wir erobern den Ball, spielen fair ins Aus und kassieren in der Folge prompt ein Tor. Bei aller Fairness: Wir können nicht immer die Dummen sein und Geschenke mitbringen. Auch nicht zur Hochzeit."

Bis auf Jens Rascher (Urlaub), sowie Torsten Franke (Knie) und dem angeschlagenen Bastian Kursawe hat der "Joe" alle Mann an Bord. Dafür verstärkt den Kader sporadisch die SV-Legende Raimund Krippner, der den Altersschnitt einer AH-Mannschaft spielend anheben würde: "Der Raimund ist noch älter als ich, aber eben noch vom alten Schlag. Mit seiner Einstellung macht er den Jungen noch was vor." Von seiner neuen Truppe ist Messingschlager angetan: "Wir spielen mit klassischem System und sind in der Breite gut aufgestellt. Die Mannschaft ist der Star, nicht der Einzelne, und fast alle können Tore machen. So sind wir schwer ausrechenbar." Der Anspruch sei die Spitzengruppe, denn seine Spieler könnten beißen, schickt Messingschlager eine Kampfansage Richtung Pautzfeld: "Zu einer richtigen Hochzeit gehört eigentlich ein zünftiger Polterabend. "

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren