Forchheim
Ringen

Ringen beim AC Bavaria Forchheim: Raufen nach Regeln

André Nielges hat sich zum Ziel gesetzt, den traditionellen Kampfsport in Forchheim wieder populär zu machen. Er setzt dabei vor allem auf den Nachwuchs, der in zwei Jahren schon für Meisterschaften bereit sein soll.
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Leo Kramperth (links) und Fabian Nielges im Standkampf  Fotos: Martin Kreklau
Leo Kramperth (links) und Fabian Nielges im Standkampf Fotos: Martin Kreklau
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André Nielges steht konzentriert seinem rund 120 Kilogramm schweren Gegner gegenüber. Er packt ihn, stöhnt angestrengt und schickt ihn mit einem lauten Rumms auf die Matte. Nielges, 32 Jahre alt, ist Mitglied des AC Bavaria Forchheim. Er hat sich vorgenommen, die Nachwuchsabteilung der AC-Ringer auf Vordermann zu bringen.

Im neuen Gebäude des Athleten-Clubs, das der Verein im vergangenen Jahr für rund 1,5 Millionen Euro gebaut hat, riecht es nach frischer Farbe und frischem Schweiß. Kein Wunder, ist doch der Sport die Bestimmung des Hauses. Nachdem man den Fitness-Raum passiert hat, in dem sich zahlreiche Hobbysportler auf Hometrainern und Laufbändern abrackern, kommt man über die Umkleide und einen langen Gang in den Kampfsport-Raum.
Zwischen Boxsäcken, die von der Decke hängen, drehen hier gerade zwölf Kinder ihre Runden in der Ringer-Arena, einem gelben Kreis, umrahmt von einem roten auf dem Mattenboden.


Ringen als Zuschauermagnet?

Nielges möchte Ringen in Forchheim "zu einem Event machen". Dafür hat er sich klare Ziele gesetzt: "Wenn wir eine Mannschaft zusammenbekommen, dann sollen auch mal 50 bis 120 Zuschauer kommen, um uns richtig anzufeuern." Die Forchheimer sollten, so Nielges, auch mal Sport weitab vom Fußball geboten bekommen. Potenzial dafür sei vorhanden - vor allem beim Ringer-Nachwuchs.

Nachdem die Kinder ihre Aufwärmübungen abgeschlossen haben, geht es mit Kampftraining weiter. Spielerisch vermittelt Trainer Jochen Kramperth Grifftechniken und spornt den Nachwuchs an. "Unser Ziel ist es, dass wir in zwei Jahren die erste Schülermannschaft stellen. Daraus kann sich dann eine Erwachsenen-Mannschaft entwickeln", sagt Nielges. Künftig wolle er verstärkt mit Schulen zusammenarbeiten, um mehr Nachwuchsringer für den Verein zu gewinnen.


Ein Dutzend ist schon dabei

Derzeit gibt es keinerlei Werbemaßnahmen. "Alles läuft nur über Mundpropaganda und Facebook", so Nielges. Dennoch haben bereits zwölf Kids den Weg zu den AC-Ringern gefunden. Sie zu begeistern, fällt Nielges und Kramperth nicht schwer: "Sie wollen sich gegenseitig messen. In der Schule ist es verpönt, dass Kinder - egal ob Junge oder Mädchen - raufen. Der Deutsche Ringerbund hat eine Kampagne ins Leben gerufen, die nennt sich ,Raufen nach Regeln'. Und genau das trifft auf das Ringen zu. Man misst sich mit Gleichstarken und kann austarieren, wer der Bessere ist."

Ringen habe im Vergleich zu anderen Sportarten viele Vorteile, sagt Nielges. Das Training sei vielseitig und konzentriere sich nicht nur auf einzelne, spezielle Fertigkeiten. Zudem sei beim Ringen Disziplin und ein funktionierendes Gemeinschaftsgefüge unerlässlich. "Das sind alles Dinge, die man im späteren Leben braucht." Der Sport hat also auch eine pädagogische Komponente.

"Ein weiterer Vorteil ist das geringe Verletzungsrisiko", sagt Nielges. Nur eine Minute später knickt ein Mädchen beim Kampftraining um. Nielges nimmt sie zur Seite, inspiziert das Bein und lässt sie pausieren - alles in Ordnung. Obwohl das Kind den Tränen nahe ist, springt es einen Moment später wieder durch den Trainingsraum, als sei nichts gewesen. Ein Ringer kennt eben keinen Schmerz.

Nielges fasziniert an diesem Kampfsport besonders, dass man an seine Schmerzgrenze geht - und darüber hinaus. Das gelte aber nur für Erwachsene. Bei den Kindern ist ihm vor allem das spielerische Element im Training wichtig. Doch was muss man als Nachwuchsringer eigentlich mitbringen? "Trainingshose, T-Shirt und 'ne Flasche Wasser", sagt Nielges trocken. Sportliche Vorkenntnisse brauche man nicht. "Das bringen wir den Kindern bei. Wir vermitteln ihnen den Spaß am Sport." Einige seien zum AC gekommen und hätten nicht einmal eine Rolle vorwärts geschafft. Mittlerweile haben die Kinder das längst drauf. Nur zwei Fähigkeiten seien unerlässlich: "Man muss zuhören können und lernbereit sein." Dann steht einer Ringer-Karriere beim AC Forchheim nichts im Wege.


Mit Herzblut dabei

Auch die Söhne von Trainer Jochen Kramperth und André Nielges, Leo und Fabian, sind inzwischen bei den Nachwuchs-Ringern aktiv. Sie sind mit Herzblut bei der Sache und zeigen stolz das Gelernte - ganz professionell im Ring mit passenden Trikots in Rot und Blau. Man könnte meinen, den Kindern sei das eigenwillige Leibchen unangenehm - doch Nielges winkt ab: "Man muss sich nicht darin wohlfühlen. Der Gegner hat es ja auch an."

Für jeden, der bei Meisterschaften antreten möchte, ist das Dress Pflicht. Es soll dafür sorgen, dass sich die Kontrahenten nicht an der Kleidung greifen - das ist beim Ringen verboten. "Beschwert hat sich über das Trikot noch niemand. Gewichtheber, Sprinter und Schwimmer haben zum Beispiel etwas Ähnliches an", so Nielges.


Eine Stunde austoben

Obwohl den Kids die Anstrengung der Trainingseinheit anzusehen ist, drehen sie zum Abschluss (es wird Fangen gespielt) nochmal auf. Danach sind die erwachsenen Ringer an der Reihe. Nielges ist zuversichtlich, dass der Verein mit genügend Sponsoren und guter Nachwuchsarbeit das Ringen in Forchheim wieder aufleben lassen kann.

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