Reuth
Fußball-Relegation

Nach Relegationsspiel brennen die Sicherungen durch: Massenkeilerei, Verletzte und Polizeieinsatz in Reuth

30 oder mehr Personen liefern sich nach dem Spiel zwischen der SpVgg Reuth und dem Türk SV Erlangen (1:3) eine Keilerei.
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Helle Aufregung nach dem Schlusspfiff: Zwischen der SpVgg Reuth und dem Türk SV Erlangen (1:3) entwickelte sich eine Massenkeilerei. Die herbeeilenden Ordner versuchten, für Ruhe zu sorgen.  Am Ende rückte die Polizei an, um das Chaos in den Griff zu bekommen. Hendrik Kowalsky
Helle Aufregung nach dem Schlusspfiff: Zwischen der SpVgg Reuth und dem Türk SV Erlangen (1:3) entwickelte sich eine Massenkeilerei. Die herbeeilenden Ordner versuchten, für Ruhe zu sorgen. Am Ende rückte die Polizei an, um das Chaos in den Griff zu bekommen. Hendrik Kowalsky
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Ein unrühmliches Ende eines sportlich dramatischen Spiels: Die SpVgg Reuth unterliegt in einem packenden und eigentlich fairen Relegations-Spiel zur Kreisklasse dem Türk SV Erlangen. Nach dem Schlusspfiff brannten aber etlichen Beteiligten die Sicherungen durch, die Fäuste flogen zwischen Spielern und Zuschauern. Auslöser soll ein Kopfstoß von Reuth-Coach Sinan Tosun gewesen sein.

Während der Türk SV gegen den FC Röthenbach nun den Aufstieg perfekt machen kann, muss sich die SpVgg Reuth mit einer weiteren Saison in der A-Klasse abfinden.

SpVgg Reuth - Türk SV Erlangen 1:3
Die Ordner des ASV Möhrendorf taten ihr Möglichstes, am Ende musste die Polizei anrücken, um das Chaos in den Griff zu bekommen. Etliche Menschen rannten auf das Spielfeld. Spieler, Zuschauer, wer auch immer. 30 oder mehr Personen waren beteiligt - trugen teils Platzwunden und blutige Nasen davon. So wie Markus Uyar. Wie der Kapitän des Türk SV dem Reporter vor Ort schilderte, wollte er nach dem Schlusspfiff dem Reuther Trainer Sinan Tosun die Hand reichen, bekam aber statt eines Händedrucks einen Kopfstoß auf die Nase verpasst. Womöglich hatte zuvor das ein oder andere unschöne Wort die Seiten gewechselt. Dann gab es kein Halten mehr.


Ein Spiel wie jedes andere

Der Frust der Reuther saß nach dem unnötigen 1:3 sicher tief, die SpVgg hatte ein leidenschaftliches Spiel abgeliefert und hätte das Weiterkommen verdient gehabt. So bleibt aber ein fader Beigeschmack bei einer Partie, die sportlich so viel zu bieten hatte.

Dabei begann alles so, wie man es erwarten konnte, Fehler vermeiden hatte zunächst Priorität. Die erste Chance gehörte dem Türk SV: Nach einem Steilpass tauchte Orhan Celik vor Tobias Dötzer auf, der SpVgg-Keeper verkürzte aber den Winkel und parierte per Fuß aus kurzer Distanz (13.). Danach meldete sich auch die Offensivabteilung der Reuther. Marcel Frankenstein behauptete den Ball gegen mehrere Gegner und sah den am Strafraumeck lauernden Kai Schwämmlein, dessen Schuss krachte aber nur an den Querbalken (23.).

Danach war auf beiden Seiten wieder Leerlauf angesagt, kurz vor dem Halbzeitpfiff schlug Erlangen aber zu: Hamza Alkhabour schwänzelte drei Reuther aus, behielt vor dem Tor die Nerven und chippte den Ball ins lange Eck zum 1:0 (43.), Dötzer war machtlos. Wie die erste Halbzeit endete, so begann auch der zweite Durchgang: mit einem wunderschönen Tor der Türken. Markus Uyar schnippelte einen 23-Meter-Freistoß aus halblinker Distanz in den Giebel und drehte bereits zum Jubeln ab, als der Ball gerade erst die Mauer passiert hatte - ein Traumtor.


Reuth macht Druck

Reuth musste nun kommen, die SpVgg erarbeitete sich mehrere Halbchancen in kurzer Folge, Schwämmlein scheiterte aus rund 12 Metern am Keeper, als der Winkel immer spitzer wurde (55.). Noch größer war die Chance von Frankenstein, der alleine durch war, aber nicht mehr als einen Rückpass zum Keeper zustande brachte - das hätte das 1:2 sein müssen.

Der Türk SV schwamm nun, Reuth drückte und nahm das Tor unter Dauerbeschuss. Einen zentralen 23-Meter-Freistoß von Johannes Bauer kratzte der Keeper noch aus der linken Ecke (68.). Eine Minute später fiel er aber, der überfällige Anschlusstreffer: Einen harmlosen Kullerball hielt der Keeper nicht fest, Frankenstein staubte zum 1:2 ab (68.) und läutete damit die offensive Schlussphase ein: Nach einer Ecke zog Bernd Kilcher aus 20 Metern ab, sein Schuss klatschte aber an die Unterkante der Latte (72.). Die SpVgg hätte sich den Ausgleich zu dieser Zeit absolut verdient gehabt.

Zehn Minuten blieben noch, als Rene Sturany im Gewühl zu Fall kam und der Schiedsrichter auf den Elfmeterpunkt zeigte. Robert Schmitt legte sich den Ball zurecht, doch Resul Kocak parierte den halbhoch in die rechte Ecke geschossenen Strafstoß (81.). Nein, das Glück war sicher nicht auf Reuther Seite. Dafür drehte Kocak auf, der in der 86. Minute eine Doppelchance von Frankenstein zunichte machte. Als Reuth die Defensive komplett auflöste, legte Alkhabour in der Nachspielzeit noch das 3:1 nach. Deckel drauf, Abpfiff. Dann setzten jene Szenen ein, die auf einem Fußballplatz nichts verloren haben: Statt Umarmungen und Jubelgesänge gab es Schwinger und Beleidigungen.


Tosun: aus Angst geflüchtet

Am Tag nach dem Spiel stellt Cindy Schütz, Vorsitzende der SpVgg, die Dinge aus ihrer Sicht dar. "Sinan ist sicherlich ein Hitzkopf", sagt Schütz. Andererseits soll es zuvor zu Beleidigungen der übelsten Sorte gekommen sein - gegen Tosun und seine Familie. "Das war unter aller Kanone und für uns unerklärlich. Das Spiel verlief zuvor völlig normal, ohne böse Fouls, ohne böse Worte", sagt Schütz.
Tosun habe sich in die Kabine gerettet, während sich Personen aus dem Umfeld des Türk SV vor dem Sportheim mit Holzbrettern bewaffnet und ihm aufgelauert hätten. Als die Polizei eintraf und den Sachverhalt aufnehmen wollte, war Tosun nicht mehr da. Aber nicht, weil er sich der Verantwortung entziehen wollte, wie Schütz sagt: "Er hatte sich bedroht gefühlt. Unser oberstes Anliegen war, ihn in Sicherheit zu bringen. Deswegen haben wir ihn nach Hause geschickt. Dies war der Grund, wieso die Polizei ihn nicht vor Ort befragen konnte."


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