Weingarts
Fußball

Neues Kapitel für Oliver Seybold

Nach dem Abstieg mit dem FSV Erlangen-Bruck hat sich Oliver Seybold für den Posten als spielender Co-Trainer bei der DJK Weingarts entschieden.
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Zu Besuch in Weingarts: Zum Ende der Vorsaison sah sich Oliver Seybold schon mal an der künftigen Wirkungsstätte um.  Foto: Leo Hühnlein
Zu Besuch in Weingarts: Zum Ende der Vorsaison sah sich Oliver Seybold schon mal an der künftigen Wirkungsstätte um. Foto: Leo Hühnlein
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Nach 14 Jahren als Torgarant in Fußball-Mannschaften der Landes-, Bayern- und Regionalliga endete diese Ära für Oliver Seybold nicht mit dem erhofften Happy-End. Durch die beiden 1:5-Pleiten in den Relegationsspielen zum Klassenerhalt zog der FSV Erlangen-Bruck gegen den FC Sand den Kürzeren und stieg in die Landesliga ab. Die Gesamtbilanz dieser Spielzeiten wird jedoch kaum getrübt: In 411 Spielen traf er 156 Mal ins Schwarze und erlebte viele persönliche Höhepunkte. Immer wieder kreuzten namhafte Fußballer und Trainer seinen Weg. Künftig schnürt der 32-Jährige aus Kleingesee seine Stiefel als spielender Co-Trainer der DJK Weingarts an der Seite eines bisherigen Weggefährten.

Aufgewachsen in dem kleinen 550-Seelenort in der Gemeinde Gößweinstein war schon bald klar: Der Bub wird ein Fußballer. Jedenfalls war dies der Wunsch beider Opas, die ihm im Garten den Ball zuspielten. Im Alter von fünf Jahren begann Seybold unter Christian Habermann im E-Jugendteam des Heimatvereins TSC Bärnfels zu kicken. Sein Talent blieb nicht lange verborgen. In der D-Jugend wechselte der Schüler zum SV Baiersdorf und wurde von Wolfgang Auer und Gerhard Achtzehn erstmals richtig gefordert. Von dort ging es in die C-Jugend zur SpVgg Greuther Fürth bei Heinz Krapf. Der frühere Profi und Lizenz-Fußballlehrer Heinz Höher nahm den zwölfjährigen Dribbler bis Ende der B-Jugendzeit unter seine Fittiche. Er beeindruckt Seybold noch heute: "Heinz hat nicht nur extrem an meiner Ballsicherheit gefeilt, sondern mir neben technischen Tricks auch beigebracht, wie ich per Körpertäuschung am Gegner vorbeiziehen kann. Diese Phase hat mich am weitesten nach vorne gebracht." In der A-Jugend der SpVgg Bayreuth maß sich Seybold erstmals mit Rivalen in der Bayernliga und lernte von Sebastian Fischer und Armin Eck, kehrte aber ein Jahr später nach Baiersdorf zurück.

Die Eltern Raphaela und Norbert waren für ihren Sohn in all den Ausbildungsjahren nicht nur seelischer Rückhalt, sondern vor allem auch als Taxifahrer unabdingbar. "Durch den Besuch der Realschule Ebermannstadt hat sich mein Tagesablauf nochmals zugespitzt: Schlafen, Schulbus, Pauken, Hausaufgaben, Training, Abendessen, wieder Schlafen." Am Wochenende kamen die Spiele hinzu: "Meine Eltern haben sogar ihr Berufsleben für mich eingeschränkt. Meine Mama arbeitete nur noch halbtags, um mich fahren zu können, mein Papa verschob manchen erfolgversprechenden Termin. Ich bin ihnen unglaublich dankbar", sagt Seybold.

Mit 17 für die Landesliga entdeckt

In Baiersdorf wurde Seybold mit 17 Jahren für die erste Mannschaft freigemacht und stach den Eltersdorfer Spähern ins Auge, die ihn zum damaligen Landesligisten holten. Für sieben Spielzeiten schnürte er beim SCE ab der Saison 2007/08 die Schuhe. Mit den Quecken stieg er 2011 in die Bayern- und ein Jahr später in die Regionalliga auf. Das halbjährige Gastspiel in Seligenporten, zu dem ihn zwischendurch Uwe Neunsinger lotste, hat nur statistischen Wert.

Als größter Erfolg der Eltersdorfer Vereinsgeschichte datiert der Einzug ins Toto-Pokal-Finale am 9. Mai 2012: Der 3:2-Führungstreffer des Kleingeseers machte als Traumtor noch wochenlang Schlagzeilen, obwohl die historische Partie gegen die SpVgg Unterhaching mit 3:4 verloren ging. Die ARD-Sportredaktion nominierte den spektakulären Winkeltreffer prompt für das "Tor des Monats" Mai. Seybold landete hinter dem Münchner Thomas Müller auf dem zweiten Rang. Seybold erinnert sich schmunzelnd: "Wäre es kein Tor eines Bayern-Spielers gewesen, hätte ich wohl etwas mehr Chancen gehabt." Beide trafen sich fünf Jahre später noch einmal als Rivalen - diesmal auf dem Rasen: Als Kapitäne tauschten Seybold - zu diesem Zeitpunkt beim FSV Erlangen-Bruck - und Müller bei der Platzwahl vor dem Benefizspiel der Münchner Bayern in Erlangen die Vereinswimpel aus.

Die beiden Jahre bei der SpVgg Jahn Forchheim von 2013 bis 2015 hat Seybold in bester Erinnerung: "Da habe ich mich im Kreis der Mannschaft sehr wohl gefühlt und auch meine Familie und Freunde waren gerne bei den Heimspielen. Vielleicht lag das auch an der räumlichen Nähe, aber ich habe bis heute noch Kontakt zu vielen Jahnlern." Es folgte die turbulente Saison beim FC Eintracht Bamberg, mit den Kapriolen zum Insolvenzverfahren, der sportlichen Talfahrt unter den Trainern Norbert Schlegel und Petr Škarabela und dem Abstieg.

Erst beim FSV Erlangen-Bruck fand Seybold den Spaß am Fußball wieder und spielte von 2016 bis zum Ende der abgelaufenen Saison unter Coach Normann Wagner, mit dem er auch beruflich zusammenarbeitet: Seit zwei Jahren leiten die beiden mit einem weiteren Kompagnon ein Dentallabor in Röttenbach. Die zweite Brucker Saison verlief für den 32-Jährigen mit 23 Toren und als drittbester Torschütze der Bayernliga sportlich sehr erfolgreich.

Das neue Kapitel

Zeitgleich wie Seybold heuerte Bastian Lunz beim FSV an. Für Seybold war er bis dahin ein unangenehmer Gegenspieler: "Vielleicht konnten wir uns damals wegen der Rivalität nicht ausstehen. Nach kurzer Zeit beim FSV haben wir einander anders kennengelernt und wurden beide Kapitäne. Basti hat mich dann voriges Jahr zu seiner Hochzeit in seine Heimat eingeladen." Nun schlägt Seybold an der Seite von Trainer Bastian Lunz bei der DJK Weingarts ein neues Kapitel auf - und wird direkt mit der jüngeren Vergangenheit konfrontiert: Am Sonntag trifft die DJK an der Sportlerkerwa in Wolfsberg auf Seybolds Ex-Verein FSV Erlangen-Bruck. Anpfiff ist um 17.30 Uhr.

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