Egloffstein
Eishockey

Moritz Wirth lebt den Traum von der NHL

Der Egloffsteiner ist U20-Nationalspieler und auf dem Weg zum Profi. Seine Biografie zeigt aber auch: Nicht alles sollte dem Sport ungeordnet werden.
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1,87 Meter groß, 85 Kilo schwer, austrainiert: Mit seinen 19 Jahren bringt Moritz Wirth aus Egloffstein schon die körperlichen Voraussetzungen mit, die ein Eishockey-Profi braucht.  privat
1,87 Meter groß, 85 Kilo schwer, austrainiert: Mit seinen 19 Jahren bringt Moritz Wirth aus Egloffstein schon die körperlichen Voraussetzungen mit, die ein Eishockey-Profi braucht. privat
Der Markt Egloffstein ist nicht gerade für seine lange Eishockey-Tradition bekannt. Das könnte sich womöglich ändern, zwar nicht von heute auf morgen, aber in kleinen und wohlüberlegten Schritten: Mit Moritz Wirth ist ein Egloffsteiner auf einem gutem Weg zum Profi.

Der 19-Jährige spielt Eishockey seit zwölf Jahren, durchlief zunächst die bayerischen Auswahlmannschaften und ab der U16 sämtliche Jugendnationalteams des Deutschen-Eishockey-Bundes (DEB).

Mit der Nominierung für drei U20-Länderspiele ab diesem Donnerstag in der Schweiz ist Moritz Wirth seinem Traum vom Profi wieder ein Stück nähergekommen. Für die nötige Erdung sorgt das familiäre Umfeld. "Den Traum von der NHL haben alle in diesem Alter, den dürfen sie auch haben. Die Realität ist aber auch, dass es viele nicht schaffen", sagt Vater Hans Werner.


Ohne Spaß kein Erfolg

Von daher war es bei allem sportlichen Ehrgeiz des Juniors immer wichtig, die schulische und berufliche Ausbildung nicht zu vernachlässigen. "Moritz hatte von Anfang an enormen Spaß an dem Sport. Hätte er diesen nicht gehabt, wäre er nicht dort, wo er jetzt ist. Es war für ihn und uns sicher nicht leicht, das alles zu meistern. Nach der Schule in Erlangen haben wir ihn fünf Jahre lang mehrmals die Woche nach Nürnberg zum Training gefahren. Da blieb nicht mehr so viel Zeit für anderes übrig."


Erst Österreich, dann USA

Im Juni erst 19 geworden, bringt Moritz Wirth schon viele Elemente mit, die ein Verteidiger auf hohem Niveau braucht: 1,87 Meter groß, 85 Kilogramm schwer, beweglich und mit guter Stocktechnik ausgestattet, dazu ein starker Linksschütze. Schon in Nürnberg war offensichtlich, dass hier jemand mit großem Talent heranwächst. Über eine internationale Schule im österreichischen St. Pölten landete Moritz Wirth mittels eins Stipendiums in der Nachwuchsakademie von RB Salzburg, legte dort das Abitur ab und reifte weiter als Spieler.

Das machte sich spätestens in der U18 bemerkbar. Die RB-Akademie reiste in die USA zu einem großen Turnier mit 65 Mannschaften. Die Österreicher haben das K.o.-Turnier gewonnen, Moritz Wirth wurde als bester Verteidiger ausgezeichnet - und landete spätestens da auf den Notizzetteln der nordamerikanischen Scouts. Für ein Jahr schloss sich Moritz Wirth in der Saison 2017/18 den Boston Jr. Bandits in der National Collegiate Development Conference an, absolvierte alle 52 Saisonspiele und wurde mit 27 Scorerpunkten bester Verteidiger. "Aufgrund der hervorragenden Coaches hat er sich sehr gut weiterentwickelt", sagt sein Vater.

Während die NHL-Vereine im Entry-Draft die besten College-Spieler auswählen, findet eine Stufe darunter der U21-Draft statt - und dort mischte vor wenigen Wochen auch Moritz Wirth mit. In Runde 1 wurde er an Position 12 von den Minnesota Magicians gezogen, die in der North American Hockey League (NAHL) spielen - wieder eine Nachwuchsliga, aber von höherer Qualität. Moritz Wirth wird sich nun auf die Suche nach einem geeigneten College begeben, erste Angebote sind schon eingetroffen, das richtige war aber nicht dabei.

Vier Jahre hätte er auf dem College dann Zeit, den Sprung in die NHL zu schaffen - oder den beruflichen Weg weiter zu beschreiten. Ohnehin sei es wenig zielführend, mit 19 Jahren den Schritt zum Voll-Profi zu wagen. "Es kann klappen, muss es aber nicht. Man wird in diesem Alter zu früh verheizt. Mit 22 Jahren ist man so weit, körperlich und mental", sagt der Vater.

Bevor es im August wieder in die USA geht, stehen für Moritz Wirth die drei U20-Länderspiele gegen Schweiz (Donnerstag), Tschechien (Freitag) und Slowakei (Samstag) auf dem Programm. Teamkamerad ist unter anderem Dominik Bokk. Der 18-Jährige aus Schweinfurt gilt als größtes deutsches Talent, spielt als Profi in Schweden und wurde jüngst von St. Louis im NHL-Draft in der 1. Runde gezogen. "Er ist sicher der herausragende Akteur im Team", sagt Vater Wirth. Trotzdem wird Bokk kommende Saison noch nicht in der NHL spielen und vorerst in Schweden bleiben. Weil er dort bereits als Profi aktiv war, darf er den Weg über ein College aber nicht mehr gehen - diese Option hat Wirth dagegen noch.
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