Kirchehrenbach
Kunstrad

Lukas Kohl dreht schon wieder am Rekordrad

Acht Jahre lang blieb der Weltrekord im Einer der Männer unangetastet. Jetzt unterbot ihn der dreifache Weltmeister aus Ebermannstadt innerhalb einer Woche gleich drei Mal.
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Stolz? Glücklich? Fassungslos? Lukas Kohl wusste nach seinem dritten Weltrekord innerhalb von einer Woche nicht so richtig, wie er sich fühlen sollte, fand später aber seine Worte wieder.  Foto: Oliver Stoll
Stolz? Glücklich? Fassungslos? Lukas Kohl wusste nach seinem dritten Weltrekord innerhalb von einer Woche nicht so richtig, wie er sich fühlen sollte, fand später aber seine Worte wieder. Foto: Oliver Stoll

Drei fränkische Weltrekorde an einem Tag: Beim ersten Wettkampf der dreiteiligen German-Masters-Serie im Kunstrad hat Einer-Fahrer Ebermannstadter Lukas Kohl seine erst eine Woche zuvor aufgestellte Bestmarke sowohl in der Vorrunde als auch im Finale nochmal gesteigert. Auch Milena Slupina aus dem Landkreis Roth verbesserte im baden-württembergischen Murg ihren selbst aufgestellten Höchstwert von 194,31 auf 195,35 Punkte.

"Hervorragender Saisonauftakt"

In der badischen Gemeinde direkt an der Schweizer Grenze geizten vor allem die deutschen Kunstradsportler nicht mit Topleistungen. "Das war eine hervorragende Veranstaltung. Es war ein guter Auftakt in die Saison, in der die Leistungen sicherlich noch steigen werden. Es wird eine spannende WM-Qualifikation", sagte Bundestrainer Dieter Maute. Auch Athleten aus der Schweiz und Österreich nutzen die Nähe zu einem Start.

Die ersten Favoriten für die Tickets zur Hallenrad-WM Anfang Dezember in Basel haben sich herauskristallisiert. Der Überflieger war der dreifache Weltmeister Kohl vom RMSV Kirchehrenbach. Hatte er den Weltrekord gerade erst auf 209,22 Punkte erhöht, schraubte er diesen mit dem achtfachen Drehsprung in der Vorrunde auf 211,15.

Angestachelt von knapp 300 Zuschauern und Moderator David Schnabel - seines Zeichens achtmaliger Weltmeister - zeigte Kohl im Finale sogar den zehnfachen Drehsprung und steigerte sich auf 213,05 Zähler. "Das bedeutet, dass ich mehr ausgefahren habe, als ich aufgestellt hatte", erklärte der 23-Jährige, der zu seiner "Hammer-Performance" vom "genialen Publikum" getragen worden sei. Stehende Ovationen und minutenlanger Applaus waren sein Lohn.

Die Voraussetzung für die Rekordflut war ein Hallenboden. "Das Einfahren lief vielversprechend, am Wettkampftag war ich morgens um 6.30 Uhr der Erste auf dem Rad", berichtet der Ebermannstadter. Ernst wurde es schon zur ungewohnten Mittagszeit, denn in der Regel ist er der letzte Starter des Tages. Während Kohl 211,60 Zähler eingereicht hatte, standen bei den schärfsten der 13 Konkurrenten, Max Maute (Baden-Württemberg) und Marcel Jüngling (Hessen), nur 188,57 und 181,77 auf der Tafel. Vize-Weltmeister Moritz Herbst (BW) sagte seine Teilnahme verletzungsbedingt ab.

Mehr Risiko zahlt sich aus

Für den "Lukinator" aus Wohlmuthshüll war es das Signal, mehr Risiko einzugehen. Dennoch klappte schon im ersten Durchgang alles: "Es war gefühlt eine tolle Kür. Schön auf den Punkt konzentriert und fokussiert." Die Lenkerstanddrehung erweiterte er von zwei- auf dreieinhalbfach. "Die Zeit hat dennoch super gereicht", erzählte Kohl, dem angesichts der erneuten Bestmarke zunächst die Worte fehlten. Mit diesem Auftritt hatte er sein Tagesziel schon erreicht: Die Qualifikation zur deutschen Meisterschaft in Moers (NRW) Ende Oktober.

Perfekte Kür von Jüngling

Maute ging aufgrund eines Absteigers nur mit 174,17 Punkten von der Fläche, Jüngling meldete mit einer nahezu perfekten Kür (191,69) dagegen seine Ansprüche auf das WM-Ticket an. Dann folgte die Krönung des Wettbewerbs. Mit der Ansage von Schnabel "Ihr dürft Lukas beim Drehsprung gerne pushen" betrat Kohl zum zweiten Mal die Fläche. Übung für Übung spulte er wie ein Schweizer Uhrwerk ab. "Ich konnte mehr als befreit auftreten", sagte er hinterher.

Dann der Drehsprung. Das Publikum zählte laut mit: 1-2-3-4-5-6-7-8-9-10. Zehn Mal manövrierte sich der 23-Jährige über den Lenker. Lauter Beifall. "Den Drehsprung hatte ich in diesem Jahr fünffach neu aufgenommen", erklärte Kohl. "Das Publikum hat mich aber immer weiter getragen. Quasi bis zum absoluten Maximum." Mit der 3,5-fachen Lenkerstanddrehung holte er sich zudem fünf Bonuspunkte. Der Rest der Kür passte ebenfalls, 213,05 leuchtete auf der Anzeige.

Zwei Wochen zum Verarbeiten

"Ich kann es kaum in Worte fassen. Mega, mega cool", sagte Kohl euphorisch. "Um das Ganze etwas sacken zu lassen, wird es bestimmt noch ein paar Tage dauern." Bis zum zweiten German-Masters am 21. September in Biberach an der Riß (BW) wird er es sicher realisiert haben. Ob dann die nächste Bestmarke fällig ist?

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