Ebermannstadt
Frauenfußball

Lisa Ebert aus Ebermannstadt ist wieder im EM-Kader des DFB

Wenn am Dienstag um 20.30 Uhr der Anpfiff ertönt, wird es für Lisa Ebert aus Ebermannstadt und ihre Mannschaftskameradinnen vom DFB ernst.
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Heimatbesuch in Ebermannstadt am Marktplatz: Lisa Ebert (rechts) freut sich auf die seltenen Momente, wenn sie sich mit Schulfreundin Lorena Mauser auf ein Eis treffen kann. Foto: Leo Hühnlein
Heimatbesuch in Ebermannstadt am Marktplatz: Lisa Ebert (rechts) freut sich auf die seltenen Momente, wenn sie sich mit Schulfreundin Lorena Mauser auf ein Eis treffen kann. Foto: Leo Hühnlein

Der Stein, der Lisa Ebert am Donnerstag in Duisburg vom Herzen kullerte, war bis in die fränkische Heimat nach Ebermannstadt zu hören. Letztlich gab DFB-Trainerin Maren Meinert der Jung-Nationalspielerin im finalen Gespräch grünes Licht für die Europameisterschaft in Schottland, die am Dienstag für Deutschland beginnt. Nach einem Fehltritt im Aufbautraining begann das Zittern.

Der zweitägige Lehrgang in Duisburg wäre für Ebert fast zum traurigsten Kapitel ihrer DFB-Karriere geworden. Eigentlich sollten sie und die anderen U19-Spielerinnen nur noch den letzten Feinschliff bekommen. Denn das Aufgebot für den EM-Kader wurde schon Mitte Juni von der Bundestrainerin offiziell nominiert. Mit 17 weiteren Feldspielerinnen und zwei Torhüterinnen plante Ebert seither und bereitete sich nach dem Saisonende der Frauenbundesliga auch in der Freizeit auf das Abenteuer Schottland vor. Diszipliniert spulte sie ihr privates Aufbauprogramm ab. Neben Besuchen eines Forchheimer Fitnessstudios gehörten auch Ausdauerläufe und andere Trainingseinheiten dazu. Und ausgerechnet da passierte es - Ebert knickte Anfang Juli um, der Knöchel schwoll sofort dick an. Bange Tage und Stunden in der Sportschule folgten, aber nach dem positiven Signal der Physiotherapeuten hob auch DFB-Trainerin Meinert den Daumen. Nun sitzt Lisa Ebert am Samstagvormittag im Flieger, der die deutschen Nachwuchsfußballerinnen von Köln-Bonn in die schottische Hauptstadt Edinburgh bringt.

Ein Weg mit vielen Entbehrungen

Vor drei Jahren wechselte Ebert von den Frauen des 1. FC Nürnberg zum 1. FFC Frankfurt und lebte seither auch in der Bankenmetropole: "Für mich sind mehrtägige Besuche in der Heimat eigentlich nur zu den Familienfesten an Weihnachten und Ostern möglich, oder nach Ende der Spielzeit. Daher freue ich mich lange zuvor schon darauf, endlich mal wieder bei meinen Eltern zu sein oder mit Freunden abzuhängen." Für die 19-Jährige sind die Fahrten ins heimatliche Wiesenttal durch den eigenen Führerschein inzwischen etwas einfacher, aber immer noch etwas Besonderes: "Daheim sammele ich Kraft."

Beim Treffen mit Schulfreundin Lorena Mauser kamen auch ältere Geschichten auf den Tisch, die die beiden Mädels lauthals lachen ließen. Die 20-Jährige, mit der Ebert gerne das EbserMare besucht und die ihr in Frankfurt schon Gegenbesuche abstattete, erinnert sich: "Egal zu welcher Jahreszeit ich daheim aus dem Fenster geguckt habe, ob Sonne, Regen oder Schnee. Lisa hat immer gebolzt. Sie traf einmal sogar rückwärts über die Schulter in den Basketballkorb."

Zuletzt feuerte Ebert in Weingarts einige ihrer männlichen Teamkollegen an, mit denen sie einst gemeinsam in den gemischten Jugendmannschaften des TSV Ebermannschaft kickte: "Passenderweise kam ich zeitig aus den USA heim, als die Relegation zum Kreisligaaufstieg anstand. Meine früheren Mitspieler Philipp Hölzel, Jannik Vogler, Johannes Jablonski und Jonas Adelhardt haben den SV Hiltpoltstein mit 4:0 und den seit 2005 dauernden Fluch bezwungen. Besonders freut mich das für Abteilungsleiter Stefan Nützel, der seit vielen Jahren all seine Kraft in die Nachwuchsarbeit des TSV steckt. Sein Zwillingsbruder Josef war mein erster Trainer und Entdecker, er verstarb leider im Dezember überraschend." Ihm würde Ebert ein Tor im Nationaltrikot widmen, sollte es mit einem Treffer im EM-Einsatz klappen.

Am Dienstag wartet England

Im Auftaktspiel trifft die deutsche U19 am Dienstag um 20.30 Uhr auf England, es folgt Belgien und zuletzt Titelverteidiger Spanien. An das Vorjahres-Finale erinnert sich Ebert noch sehr lebhaft: "Wir verloren knapp 0:1 gegen die Spanierinnen, sie spielten bärenstark. Aber es geht jetzt wieder von vorne los und wir gehören auch wieder zum Kreis der Favoriten. Wir müssen uns vor keinem verstecken." Alle Gruppenspiele werden live von "Sport1" gezeigt, auch die Halbfinals und das Endspiel - ein Weiterkommen der DFB-Elf vorausgesetzt.

Trotz des unerwarteten Ausscheidens der DFB-Frauen im Viertelfinale der kürzlich zu Ende gegangenen Weltmeisterschaft sieht Ebert das Turnier positiv: "Vielleicht waren zu viele Leute davon überzeugt, die Schwedinnen zu besiegen, so was kann sich auf die Mannschaft verlagern. Auf jeden Fall hat unsere Elf guten Fußball gezeigt, der Frauenfußball ist allgemein attraktiver geworden und die USA wurden würdige Weltmeister. Übrigens mit meinem exakten Tipp." Im Gesamteindruck bleibt auch das medial viel beachtete Video hängen, ist Ebert überzeugt: "Es sollte sicherlich provozieren und war bewusst so inszeniert, um auf das noch immer krasse Gefälle der Bezüge zu Männern hinzuweisen. Als Frau und normale Spielerin in der Bundesliga kann man vom Fußball eigentlich nicht leben. Aber man muss es."

Abbruch der Zelte in Frankfurt

Darin begründet liegt auch die während der Woche bekannt gewordene Rückkehr zum 1. FC Nürnberg. Um sich für die Zukunft ein zweites Standbein zu schaffen, beginnt Lisa in der fränkischen Metropole ein berufliches Praktikum, um für die Zeit nach dem Fußball nicht in ein Loch zu fallen: "Wenn man sich nicht zweigleisig orientiert, kann es ein böses Erwachen geben. Sportlich ist die Regionalliga zwar kein Fortschritt, aber ich bin erst 19 und kann mir neuen Schwung holen, wenn ich meine Ausbildung absolviert und dadurch mehr Sicherheiten habe." Ob das Konsequenzen für ihre Nationalmannschaftskarriere haben wird, kann Lisa derzeit nicht einschätzen und hält sich - ganz zum Medienprofi gereift - eher bedeckt.

Zumindest der Status von Lisas Whatsapp-Profil verrät mehr, als sie wohl bereit ist zuzugeben. Er belegt die Verbundenheit zu ihrer Familie: "Das Schönste auf dieser Welt ist, deine Eltern lächeln zu sehen, und zu wissen, dass Du der Grund für das Lächeln bist."

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