Forchheim
Leichtathletik

LG Forchheim: alter, schneller, Schindzielorz

Mit 41 Jahren zog Jan Schindzielorz ins Finale der deutschen Meisterschaft über 110 Meter Hürden ein. Eine Tausendstelsekunde entschied über den inoffiziellen Altersrekord.
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Jan Schindzielorz ließ bei den deutschen Meisterschaften 13 zum teil deutlich jüngere Konkurrenten hinter sich.  Fotos: Theo Kiefner
Jan Schindzielorz ließ bei den deutschen Meisterschaften 13 zum teil deutlich jüngere Konkurrenten hinter sich. Fotos: Theo Kiefner
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Jan Schindzielorz von der Leichtathletik-Gemeinschaft Forchheim hat bei den deutschen Meisterschaften in Berlin das Finale über 110 Meter Hürden erreicht. Als Dritter seine Vorlaufs schaffte er ganz knapp den Sprung ins Rennen der besten Acht und machte sich ein nachträgliches Geschenk zu seinem 41. Geburtstag. Mit seiner Saisonbestleistung von 14,314 Sekunden war er lediglich eine Tausendstel schneller als ein Konkurrent aus Mannheim im zweiten von drei Läufen mit je sieben Teilnehmern. Bei kompletter Zeitgleichheit hätte das Los entschieden.

Dortmunder Trauma bewältigt

"Ein Mitarbeiter, der für die Presseakkreditierung zuständig war, hat mir erzählt, dass es bei deutschen Meisterschaften nie einen älteren Teilnehmer in einem Finale einer Sprintdisziplin gegeben hat", berichtet Schnindzielorz. Dieser Erfolg half dem Sportler, mit der Hallen-DM von 2018 in Dortmund abzuschließen: "Damals wurde ich wegen einer Hundertstel nur Neunter. Im Endlauf kam der Dietzhofer nicht ganz an seinen Bestwert heran und beendete das Rennen in 14,40 Sekunden als Achter. Der zweitälteste Hürdensprinter im Olympiastadion war rund zehn Jahre jünger als Schindzielorz. In der Liste tauchte auch zwei Mal der Jahrgang 2000 auf.

Der LGler ist dagegen längst bei den Senioren startberechtigt. Als amtierender Europameister verzichtet er allerdings auf die Teilnahme an der Senioren-EM im September bei Venedig - obwohl er dort zehn Mal "nur" 99 statt 106 Zentimeter überspringen müsste. "Ich habe speziell für die höheren Hürden trainiert. Das hat sich zum Glück ausgezahlt. Ich habe mich im Vergleich zu 2018 sogar um zwei Zehntel verbessert. Nächstes Jahr bei der Senioren-WM in Toronto will ich aber dabei sein", sagt Schindzielorz.

Solide Leistung mit der Staffel

Am folgenden Tag war der 41-Jährige erneut im Einsatz. Mit der 4x100-Meter-Staffel erreichte er Platz 24 von 31 Teams. Der erst 17-jährige Jonas Saffer, Moritz Hecht, Dominik Eckner und Schindzielorz waren 42,09 Sekunden unterwegs und damit nah an ihrer Bestleistung von 2019. "Leider waren wir nicht schneller als die LG Erlangen, aber mit den einzelnen Läufen und den drei Wechseln waren wir zufrieden", erklärt Schindzielorz. Die Norm für die DM hatte bei 42,1 Sekunden gelegen.

Die Frauen der LG reihten sich unter 40 Staffeln auf Rang 34 ein. Katharina Eckner, Svenja Heidecke, Janina Buck und Christine Priegelmeir benötigten für die 4x100 Meter 48,54 Sekunden. Selbst mit persönlichem Rekord wären die Forchheimerinnen zwar nur wenige Positionen weiter vorne gelandet, doch das Quartett haderte mit der schwächsten Zeit der Saison, was vor allem an den nicht so gelungenen Stabübergaben lag. "Um nicht aus der 30-Meter-Wechselzone zu geraten, mussten sie zwei Mal etwas Tempo rausnehmen", berichtet Trainer Schindzielorz.

Die große Bühne nutzten die Forchheimer auch, um Stars wie Thomas Röhler (Speer), Malaika Mihambo (Weitsprung) und Gina Lückenkemper (100 m) beim Aufwärmen zu beobachten. Das Beruhigende laut Schindzielorz: "Die machen auch nichts anderes als wir. Und die sind genauso nervös."

Von den anderen Sportarten im Rahmen der "Finals" mit zehn parallel stattfindenden deutschen Meisterschaften bekamen sie zwar nicht viel mit, doch am Abend im Restaurant haben sie Athleten getroffen. Auf der Straße wurden sie als DM-Teilnehmer erkannt. Für Jan Schindzielorz steht deshalb fest: "Die Aufmerksamkeit war dadurch wesentlich größer. Das ist eine gute Sache. Ich hoffe, dass es eine Wiederholung gibt."

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