Forchheim
Handball

Kulisse und blaue Karte beeindrucken Forchheim

Der SV Buckenhofen hat das erste Stadtduell seit fünf Jahren gegen den HC gewonnen. Kurz vor Schluss wurde es in der vollen Halle etwas hitzig.
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Der Buckenhofener Alexander Duckwitz scheitert kurz vor der Halbzeitpause mit einem Freiwurf über die Forchheimer Mauer an der Latte. Fotos: Andreas Klupp
Der Buckenhofener Alexander Duckwitz scheitert kurz vor der Halbzeitpause mit einem Freiwurf über die Forchheimer Mauer an der Latte. Fotos: Andreas Klupp
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Zum Stadtderby in der Handball-Bezirksoberliga zwischen dem SV Buckenhofen und dem HC Forchheim war die Halle des Ehrenbürg-Gymnasiums prall gefüllt. Mehr als 300 Zuschauer wollten das erste Spiel zwischen den beiden Rivalen nach fast fünf Jahren sehen. Darunter waren Menschen wie Klaus Obst, die weniger mit Handball zu tun haben: "Es ist immer gut, über den Tellerrand hinauszublicken", sagte der Trainer des Fußball-Kreisklassisten SG Mittelehrenbach/Leutenbach. Aber selbst einige Kenner der Sportart waren kurz vor Schluss der Begegnung überfordert, als Andreas Mückusch die rote und blaue Karte sah.

Mückusch prallt meistens ab

Der Forchheimer hatte sich immer wieder in den massiven Buckenhofener Abwehrblock gewühlt, wo er meistens stecken blieb und deshalb "nur" auf zwei Treffer kam. 14 Sekunden vor Schluss machte er erneut schmerzhafte Erfahrung mit der SVB-Verteidigung und ließ sich zu einer Tätlichkeit gegen Jonas Deittert hinreißen. Den erwartbaren Spielausschluss verbanden die Schiedsrichter mit einer blauen Karte, die seit 2016 signalisiert: Es gibt ein Disziplinarverfahren.

Beim Stand von 22:21 für die Gastgeber entschieden die Referees auf Siebenmeter auf der anderen Seite des Feldes. Doch ist das korrekt, wenn die Regelwidrigkeit während einer Unterbrechung begangen wurde? Dazu gab es in der Halle unterschiedliche Meinungen. Die vermeintliche Bestrafung des HC hätte bei einem Fehlwurf zudem zum Nachteil für die Buckis werden können, wenn Forchheim seinen Angriff danach zum Ausgleich abgeschlossen hätte. Doch so kam es nicht: Konstantin Winter behielt gegen Keeper Kai Roth die Nerven und versenkte zum achte Mal in dieser Partie.

Vor der emotionalen Schlussphase war Buckenhofen in einem spannenden und fairen Derby nur drei Mal - umgerechnet nicht ganz eine Minute - in Führung gelegen. Während die Hausherren ihre Angriffe langsam vortrugen, um Zeit von der Uhr zu nehmen, drückten die Gäste aufs Tempo. "Der HC hat seine Bälle teilweise zu schnell weggeworfen", analysierte der frühere Forchheimer Florian Ladwig.

Gegen seinen Ex-Klub wurde er beinahe zum tragischen Helden. Zwar avancierte der 23-Jährige mit fünf Treffern zum zweitbesten Schützen seines Teams, doch kurz nach der Pause vergab er zwei Strafwürfe. "Da gab es kein Gemoser", erklärte Ladwig eines der Buckenhofener Erfolgsgeheimnisse. Stattdessen strich Torwart Sebastian Weber dem Allrounder tröstend über den Kopf. "Und vorne hat Konsti die Sache in die Hand genommen."

Die Taktik des Aufsteigers ging auf: Die Verschnaufpausen bei Ballbesitz reichten, um dem Favoriten bis zum Schluss Paroli zu bieten. Der HC verpasste es davonzuziehen. Auch der Doppelpack des ehemaligen Buckis Christoph Mach zum 16:18 war nicht die Vorentscheidung. "Unsere Chancenverwertung war einfach zu schwach", bemängelte der Rechtsaußen.

Die Aktion seines Teamkollegen kurz vor Ende fand Mach unnötig, die Kulisse dagegen genial. Daher erneuerte der 31-Jährige seine im Vorfeld geäußerte Forderung nach einer Fusion der beiden Forchheimer Handballvereine. "Dann würden wir häufiger vor so vielen Zuschauern spielen."

Unter das Publikum hatte sich der ehemalige Forchheimer Stefan Bauer gemischt, der seit 2018 das Trikot des HC Erlangen trägt. Der 22-Jährige läuft meistens - so auch am Vortag - für die Reserve in der 3. Liga auf, schnupperte aber schon zwei Mal Bundesligaluft. Da er nicht für das fast gleichzeitig stattfindende Spiel des HCE nominiert war, sah er sich das Stadtduell an, dessen bis dahin letzte Auflage er noch als 17-Jähriger auf dem Feld erlebt hatte.

Die Derbysieger, die unter anderem von den Buckenhofener Fußballern, Kerwasburschen und der spielfreien Frauenmannschaft angefeuert wurden, stießen anschließend im Sportheim des SVB auf den überraschenden Erfolg an. SVB: S. Weber, Lengenfelder - K. Winter (8/2), Ladwig (5/2), Forstner (3), Sümmerer (2), Wirth (2), Flake (1), Deittert (1), J. Weber (1), Schwarz, Rusu, Neumann, Duckwitz HC: Roth, Farra - Optiz (6), Thiel (4/2), Mach (3), Klingert (3), Mückusch (2), Albrecht (1), Distler (1), Rost (1), Schulz, Engel, Stöckl

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