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Fußball

Kehrt Weingarts nach einem Jahrzehnt zurück?

Schafft die DJK im zehnten Jahr Kreisliga - dem neunten in der Zweier-Staffel in Folge - den Wiederaufstieg? Und wer muss nach 30 Spieltagen runter? Ein Experte blickt voraus.
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Der TSV Brand um Christoph Zötzl (li.) ist dem Abstieg gerade so entkommen. Der SC Kühlenfels um Trainer Christopher Schraml spielte dagegen eine überraschend starke Saison in der Kreisliga 2.  Foto: Uwe Kellner, Archiv
Der TSV Brand um Christoph Zötzl (li.) ist dem Abstieg gerade so entkommen. Der SC Kühlenfels um Trainer Christopher Schraml spielte dagegen eine überraschend starke Saison in der Kreisliga 2. Foto: Uwe Kellner, Archiv
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Christian Martin, der mit dem TSV Kirchehrenbach vor zwei Jahren die Meisterschaft in der Fußball-Kreisliga 2 ER/PEG gefeiert hat, schätzt die 16 Teams der Spielklasse ein. Der 50-Jährige steht nach einem Jahr Trainer-Auszeit inzwischen bei der DJK Eggolsheim in der Nachbar-Liga an der Seitenlinie, hat die ehemaligen Rivalen aber nie aus dem Auge verloren. Los geht es am Freitag um 18.30 Uhr mit dem Eröffnungsspiel zwischen dem FC Reichenschwand und Neuling SV Henfenfeld.

Neunhof und Weingarts vorne?

Der TSV Neunhof hat den Aufstieg in die Bezirksliga in der Relegation gegen Tennenlohe verpasst. "So wie ich die Neunhofer einschätze, wird sie die Niederlage noch mehr motivieren. Der Kader ist größtenteils zusammengeblieben und wurde punktuell verstärkt", sagt Martin, der dem TSV Platz 1 bis 3 zutraut.

Den Verantwortlichen der DJK Weingarts sei mit der Verpflichtung des Trainerduos Bastian Lunz und Oliver Seybold ein echter Coup gelungen, da die beiden in den vergangenen Jahren zu den herausragenden Spielern der Bayernliga gehörten. "Auch wenn Lunz zum Auftakt wahrscheinlich verletzt ausfällt und trotz der Abgänge der Leistungsträger Noah und Ferdinand Drummer sowie Andreas Stenglein ist die Mannschaft stark genug, einen besseren Start als 2018 hinzulegen. Die schwere Verletzung des Neuzugangs Hubert Strobel trübt sicherlich etwas die Vorfreude, der Aufstieg führt trotzdem nur über Weingarts, wenn die DJK nicht zu viele Punkte bei den vermeintlich Kleinen liegen lässt."

"Was letzte Saison dem FC Ottensoos gelungen ist, traue ich heuer der SpVgg Diepersdorf zu", sagt Martin über den klaren Meister und den Absteiger. Mit Spielertrainer Patrick Schwesinger, der seine Qualität in Seligenporten, Eltersdorf und zuletzt Vach gezeigt hat, habe Diepersdorf "eine absolute Vollgranate" an Land gezogen. "Auch wenn es wieder eine große Fluktation im Kader gab, spielt die SpVgg um die Mannschaft."

Beim ehemaligen Landesligisten ASV Pegnitz sieht er den freien Fall nach Platz 3 in der Vorsaison trotz nur 49 Toren gestoppt. Diese Zahl zeige aber die defensive Qualität der Mannen um Spielertrainer Kevin Kühnlein, die mit 32 die zweitwenigsten Gegentreffer kassiert hatten. "Der Kader wurde sinnvoll ergänzt. Ob es bei dieser starken Konkurrenz für ganz oben reicht, weiß ich nicht."

Eine der spannendsten Fragen stellt sich für den Eggolsheimer Coach beim SV Ermreuth: "Wie bekommt der neue Trainer Jörg Kemmnitzer die Nachfolge von Maik Sprenger hin?" Sein Vorgänger hatte den Klub seit 2012 stets in die vorderen Ränge geschossen und nicht nur die Aufmerksamkeit der gegnerischen Abwehrreihen auf sich gezogen. "Eine überraschende Personalie haben die Verantwortlichen mit Dominik Fabricius als Co-Trainer getätigt, der es zusammen mit den Hammerand-Brüdern schaffen kann, die Lücke zu schließen."

Nach dem Abstieg aus der Bezirksliga mit einem desaströsen Torverhältnis von 31:113 Toren wird sich der TSV Neunkirchen schnell wieder an die Kreisliga gewöhnen müssen. "Dafür wird Trainer Armin Appelt in Zusammenarbeit mit einem der besten Spieler im Kreis Forchheim, Manuel Menges, sorgen", ist Martin überzeugt. Menges bilde mit dem jungen Kevin Hofmann ein Sturmduo, von dem manch höherklassiger Verein träume. "Die Brandbachkicker werden eine sorgenfreie Saison spielen, in der es noch nicht für ganz oben reicht."

Das fehlende Puzzlestück zu einer homogenen Mannschaft hat der TSC Pottenstein mit Spielertrainer Max Held gefunden. Dieser habe mit seiner Präsenz und seinen Toren dafür gesorgt, dass sich das Team nicht nur tabellarisch verbesserte. "Deshalb traue ich dem TSC eine ähnlich gute Platzierung zu."

"Sensationell" fand der 50-Jährige die Runde des SV Gößweinstein. "Schon der Auftakt mit dem 5:0 in Weingarts ließ erahnen, welch hohe Qualität in der Truppe steckt. Bekanntlich wird das zweite Jahr immer schwieriger, hinzu kommt der schmerzhafte Verlust von Torjäger Sven Wächter Richtung Baiersdorf." Trotzdem traut Martin dem Team um Spielertrainer Marcel Zweck wieder eine ordentliche Platzierung zu, wenn es gelingt, die Zahl der Gegentore zu minimieren.

"Vor einem Jahr wurde ich belächelt, weil ich den FC Schnaittach als eines der spielstärksten Teams der Liga bezeichnet hatte", erinnert sich Martin an seine damalige Prognose. "Leider wird das Mittelfeld-Duo Bosz/Burkard gesprengt, da Zweiterer zum TSV Lauf gegangen ist." Um nicht wieder gegen den Abstieg zu spielen, müsse das Team diesmal besser aus den Startlöchern kommen.

Der SC Kühlenfels könne seinen "hervorragenden siebten Platz" nur bestätigen, wenn er die Lücken der Abgänge Alexander Wölfel (ASV Pegnitz) und Jannik Bernt (SG Trockau) schließt.

"Einen klasse Job" attestiert der frühere Keeper Philipp Lämmermann in seinem ersten Jahr als Spielertrainer beim FC Reichenschwand. Der einstige Jahn-Akteur gehöre zu den auffälligsten Spielern der Kreisliga und besteche mit seiner Schussstärke und Torgefahr. "Bleibt er verletzungsfrei, wird Reichenschwand eine ähnlich sorgenfreie Saison spielen."

In Martins Einschätzung des SK Lauf II hat sich wenig geändert: "Die seit Jahren überragende Jugendarbeit begeistert. An guten Tagen kann die Reserve jeden Gegner vom Feld fegen. Trotzdem spielen bei einer zweiten Mannschaft so viele Faktoren rein, dass sie schwer auszurechnen ist."

Nur durch die während der Saison entschärfte Abstiegsregelung hat der TSV Brand die Klasse gehalten, obwohl Martin Platz 3 bis 7 vorausgesagt hatte. Viel hänge von der Frühform ab: "Brand hat in den ersten vier Spielen drei Aufsteiger und den Nachbarn Neunkirchen als Gegner. Meine Einschätzung: Platz 9 bis 14."

Wie groß der Sprung in die Kreisliga sein kann, hat man 2018/19 gesehen, als die Meister ASV Michelfeld und SG Oberes Pegnitztal mit 20 Punkten Rückstand ans rettende Ufer zurück in die Kreisklasse mussten. "Deshalb wird der TSV Rückersdorf ab dem ersten Spieltag versuchen, den Klassenerhalt zu realisieren", sagt Martin.

Dasselbe gelte für die weiteren Neulinge. Der über die Relegation aufgestiegene SV Henfenfeld hat in Christian Martins Augen den Vorteil, dass der Kader größtenteils zusammengeblieben ist und mit zwölf Zugängen eine Konkurrenzsituation geschaffen wurde.

"Mit Thomas Grüner, Jürgen Igl und Spielertrainer Florian Müller hat die SG Wolfsberg/Geschwand herausragende Spielerpersönlichkeiten in ihren Reihen. Trotzdem wird es auch beim Meister der KK3 nur um den Klassenerhalt gehen, da das Auftaktprogramm alles andere als leicht ist."

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