Erlangen
Sportler der Woche

Jochen Heimpel freut sich auf Olympia in Rio 2016

Als Teammanager feierte Jochen Heimpel mit den deutschen Hockey-Herren den Olympia-Sieg in London. Auf die nächsten Spiele in Rio 2016 hat der Erlanger jetzt schon große Lust.
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Jochen Heimpel in seinem Hockey-Fachgeschäft in Erlangen  Foto: Max Kaltenhäuser
Jochen Heimpel in seinem Hockey-Fachgeschäft in Erlangen Foto: Max Kaltenhäuser
"Für mich war von Anfang an klar, dass wir das Finale gegen die Niederlande gewinnen werden," sagt Jochen Heimpel, Teammanager der deutschen Herren-Hockey-Nationalmannschaft. "Man hat es den Jungs einfach angemerkt, dass nur ein Sieg zählt." Acht Wochen lang verbrachte der 46-Jährige gemeinsam mit der Mannschaft und dem Betreuerstab - zuletzt im Olympischen Dorf in London.

Es folgten vier Tage pure Entspannung in seiner Heimatstadt Erlangen und anschließend zwei Wochen Urlaub. Zeit, die der Betreiber eines Hockey-Fachgeschäfts nach einem derartigen Großevent dringend benötigte, um abzuschalten. "Früher wollte ich gleich nach so einem Turnier nahtlos weiterarbeiten. Aber das ist einfach nicht möglich. Mittlerweile nehme ich mir einfach die paar Tage für mich und ordne mich neu. Das ist wichtig, um wieder neue Herausforderungen annehmen zu können", erzählt Heimpel.

Seit 2006 dabei


Seit 2006 gehört der gelernte Kaufmann dem Stab von Bundestrainer Markus Weise an. Als Teammanager kümmert er sich um sämtliche Belange rund um die Mannschaft. Von An- und Abreise, über die Hotelauswahl bis hin zur Zuteilung der passenden Outfits und dem Organisieren diverser Fototermine. Sich selbst bezeichnet der Erlanger als "Mutter Courage" der deutschen Nationalmannschaft.

Dabei legt er großen Wert darauf, einen vertraulichen Kontakt mit den Spielern zu pflegen. Bereits bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking war der 46-Jährige mit dabei. Damals holten die Hockeyherren mit dem Adler auf der Brust ebenfalls die Goldmedaille. Trotzdem könne laut Heimpel jener Erfolg nicht mit dem Triumph in London verglichen werden: "Die Mannschaft war im Vergleich zu Peking körperlich und spielerisch stärker. Was ich jedoch sehr beeindruckend finde, ist die Tatsache, dass die Kooperation zwischen Team und Betreuerstab derart erfolgreich funktioniert hat."

Nach der durchwachsenen Vorrunde wurde hinter den Kulissen vieles hinterfragt. Von der Arbeit des Physiotherapeuten bis hin zu den Ansprachen des Trainers stellten die Verantwortlichen des Deutschen Hockeybundes sämtliche Mechanismen auf den Prüfstand. Außerdem rückte die Taktik in den Hintergrund, der Fokus wurde auf Teamgeist und Siegeswillen gelegt. Die Maßnahmen fruchteten und letztlich sicherte sich die deutsche Truppe mit einem 2:1 gegen die Niederlande Olympisches Gold. Nur wenige Wochen später steht Heimpel wieder in seinem Hockeyfachgeschäft und plant die nächsten Trainingseinheiten - aber nicht für den DHB, sondern für den TB Erlangen. Seit Beginn seiner Hockeylaufbahn vor etwa 35 Jahren ist der gebürtige Erlanger für den Klub aktiv. Anfangs als Spieler - mit mäßigem Erfolg: "Ich war als Spieler nie besonders gut, sondern eher so der Breitensportler." Stattdessen konzentrierte er sich bereits mit 15 Jahren auf die Jugendarbeit und agierte bei seinem Heimatverein als Trainer.

Es liegen Welten dazwischen


Einige Jahre später übernahm Heimpel dann die Bayernauswahl, die er zehn Jahre lang betreute. Über den Landesverband kam dann auch der Kontakt zum Deutschen Hockeybund zustande. Ab 1985 hatte Jochen Heimpel bei diesem die Funktion als U18-Teammanager inne, ehe er ein Jahr danach dem Stab der U16 angehörte. Die Anfrage, 2006 in den Betreuerstab des A-Kaders aufzusteigen, kam für den Mittelfranken sehr überraschend: "Das war ein ziemlicher Hammer damals. Da liegen Welten dazwischen, obwohl ich nun sagen kann, dass die A-Mannschaft eigentlich auch nichts anderes als eine Jugendmannschaft ist. Da kommt es genauso vor, dass ein 25-Jähriger dann mal seine Schuhe daheim vergisst."

Derzeit trainiert Jochen Heimpel in Erlangen eine B-Jugend. Einen Wechsel zu einer höherklassigen Aufgabe bei einem anderen Verein lehnte der selbstständige Kaufmann allerdings immer wieder ab. Der Grund: "Erlangen ist meine Heimat, hier fühle ich mich wohl. Und außerdem schafft es der Verein, mich nach solchen Großereignissen wieder ganz gut zu erden. Hier bin ich kein wichtiger Manager und erfahre die Probleme am Grundstock des Hockeysports."

Zuletzt waren die deutschen Hockeyherren jedoch nicht wegen ihrem Goldmedaillengewinn in London verstärkt in den Medien. Stattdessen standen die Spieler des DHB in der Kritik, bei der anschließenden Siegesfeier die MS Deutschland verwüstet zu haben. Der Teammanager, der selbst bis kurz vor Ende der Feier mit auf dem Schiff war, kann über diese Kritik nur mit dem Kopf schütteln.

Einige Biergläser gingen zu Bruch


"Das Thema ist sehr schade, weil unsere eigentliche Leistung in den Hintergrund gerät. Seit Peking haben die Jungs den Ruf, dass sie ordentlich feiern können. Und das stimmt auch. Jedoch wird niemals mutwillig etwas zerstört", meint Heimpel. Zudem seien auch die Rahmenbedingungen auf dem Luxusschiff für eine öffentliche Feier mit Fans ungeeignet gewesen. Dass jedoch das eine oder andere Bierglas zu Bruch ging und ein gewisser Sachschaden entstand, bestätigt der Betreuer ehrlich. Lediglich die kursierende Schadenssumme sei komplett übertrieben und auch "größtenteils abzulehnen".

Trotzdem sind es genau solche Momente, für die Heimpel gerne beim DHB arbeitet. Wie lange er das noch tun wird, hängt von der Planung des Bundestrainers Weise ab: "Wäre ich bei Olympia in Rio noch dabei, dann hätte ich bereits zehn Jahre als Manager auf dem Buckel. Das ist vielleicht etwas viel. Lust habe ich momentan aber trotzdem, da es mir Spaß macht, Mannschaften zu entwickeln. Aber letztlich muss es dem Trainer passen."

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