Forchheim
Fußball

Jahn wird vom Phänomen neuer Trainer erwischt

Der abstiegsgefährdete FC Sand kam mit dem erst seit Mittwoch amtierenden Coach nach Forchheim und nahm nach zwölf sieglosen Spielen drei Punkte mit.
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Philipp Nagengast wurde kurz vor dem Ende der Partie gegen den FC Sand nach einem Zusammenprall mit Johannes Bechmann mit der Trage zum Krankenwagen gefahren. Fotos: Sebastian Baumann
Philipp Nagengast wurde kurz vor dem Ende der Partie gegen den FC Sand nach einem Zusammenprall mit Johannes Bechmann mit der Trage zum Krankenwagen gefahren. Fotos: Sebastian Baumann
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Mit dem Klassenerhalt in der Fußball-Bayernliga Nord praktisch in der Tasche hat die Sportvereinigung Jahn Forchheim die Zügel gegen den FC Sand etwas schleifen lassen und nach sieben Spielen ohne Niederlage wieder eine Pleite kassiert. Die Gäste, die unter der Woche Trainer Uwe Ernst entlassen und Matthias Bayer als Nachfolger installiert hatten, beendeten ihre Negativserie nach zwölf Partien ohne Sieg, haben aber nach wie vor vier Zähler Rückstand zum rettenden Ufer.

Vor allem nach Standards war Sand gefährlich und legte damit den Grundstein zum Erfolg. Überschattet wurde die Begegnung von der Verletzung von Philipp Nagengast, der nach einem Zweikampf im gegnerischen Strafraum zusammensackte und bewusstlos liegen blieb. Jahn-Coach Christian Springer hatte seine Schützlinge vor der robusten Spielweise des Kellerkinds gewarnt. Sein neuer Trainerkollege sagte vor dem Anstoß: "Ich hatte ja nicht viel Zeit und habe vor allem viel mit der Mannschaft gesprochen. Die Lage ist kritisch, aber noch lange nicht hoffnungslos. Wir wollen Spaß haben am Fußball und Forchheim den Spaß nehmen.”


SpVgg Jahn Forchheim - FC Sand 2:4

Das Spiel begann schwach. Beiden Teams fehlte das Tempo. Kein Wunder, dass der erste Treffer nach einer Ecke fiel. Kapitän Karmann stand sauber in der Luft und köpfte ins linke untere Eck ein (14.). Der Jahn hatte danach zwar mehr Ballbesitz, spielte aber viel zu langsam, so dass Springer seinem Angriff mit Jens Wartenfelser mehr Struktur und Geschwindigkeit verleihen wollte. Doch genau nach dem Personalwechsel fiel der zweite Treffer der Gäste: Sandro Gumbrecht hatte sich 20 Meter vor dem Tor etwas ungeschickt angestellt, den fälligen Freistoß verwandelte Wagner unhaltbar in den Winkel (28.). Vom Kombinationsspiel der vergangenen Wochen war bei der SpVgg wenig zu sehen. Sand konzentrierte sich auf die Defensive und setzte Nadelstiche. Ein Elfmeter brachte die Hausherren zurück in die Partie. Kurz vor Ende der ersten Halbzeit sprang ein Flankenball einem Sander an die Hand, Patrick Hagen verwandelte vom Punkt (42.).

Die zweite Hälfte war lebhafter. Gundelsheimer scheiterte an Jahn-Keeper Matthias Götz. Auf der anderen Seite verzeichnete Wartenfelser auf Zuspiel von Hagen eine Gelegenheit. Doch die Forchheimer Hintermannschaft schwächelte nicht nur bei Standards: Einen Flanke konnte Adrian Reith nahezu unbedrängt zum 1:3 einnicken (53.) Zehn Minuten später kombinierten sich die Gäste erneut vor Götz' Gehäuse, ehe erneut Reith einen Querpass unter die Latte nagelte. Die Partie war entschieden, doch Forchheim gab nicht auf, hatte aber auch Pech: Dragan Misic legte den Ball im Strafraum zurück auf Wartenfelser, der mit seinem abgefälschten Schuss den Querbalken traf.


Nagengast kam ins Krankenhaus

Ein Schlusspfiff zu diesem Zeitpunkt hätte allen Beteiligten gut getan, doch dann kam es zu einer eigentlich harmlosen Szene im Sander Sechzehner. Johannes Bechmann schirmte seinen Torwart ab, der eine Hereingabe abfing. Nagengast wollte dazwischensprinten und prallte gegen Bechmann. Der Schiedsrichter ließ weiterlaufen, unterbrach erst, als sich der Forchheimer nicht mehr rührte. Das Betreuungsteam der SpVgg leistete Erste Hilfe, ehe der 25-Jährige mit einer Gehirnerschütterung ins Krankenhaus kam.

Indes hatte sich der Referee mit seinen Assistenten beraten und Bechmann die Rote Karte gezeigt. Nach einer Viertelstunde Behandlungspause ging Hagen seiner Pflicht nach und verwertete mit dem Schlusspfiff seinen zweiten Strafstoß, was kaum mehr jemanden interessierte.
Springer äußerte sich hinterher - angesichts der Konsequenzen verständlich - aufgebracht: "Wir haben gewusst, dass uns der Bechmann kaputt macht. Jeder weiß, dass dieser Spieler auf die Gesundheit seiner Gegenspieler einen Scheißdreck gibt." Zum Sportlichen sagte der Coach, der hoffe, Nagengast bis zur Partie in Eltersdorf am Freitag wieder hinzubekommen: "Wir haben kein gutes Spiel gemacht und verdient verloren."
Jahn: Götz - Hagen, Müller, Adem Selmani, Gumbrecht (65. Misic), Schäferlein, Nagengast, Weiler, Mönius (72. Artan Selmani), Schwinn (26. Wartenfelser), Güngör


Kommentar von Sportredakteur Felix Mock, der vor Ort war:

Es war eine merkwürdige Szene in der Schlussphase einer Bayernligapartie, die längst entschieden war. Der FC Sand führte in Forchheim 4:1, der ersehnte Sieg nach zwölf sieglosen Spielen war sicher. Dann kam die 86. Minute: Torwart Simon Mai will einen hohen Querschläger in Richtung seines Kastens fangen, Joe Bechmann stellt seinen Körper entschieden in den Laufweg des anrennenden Forchheimers Philipp Nagengast. Der prallt unglücklich an der Schulter des Sander Verteidigers ab und bleibt bewusstlos liegen. Schiedsrichter Birkmeier zeigt an, dass Mai weiterspielen soll - bis er auf die Verletzung des Forchheimers aufmerksam wird und die Partie unterbricht.

Was sich vor Ort erahnen ließ, bestätigt sich, wenn man die Wiederholung der Szene im Internet sieht: Es war weder eine Tätlichkeit noch ein grobes Foul Bechmanns. Ja, der Sander Verteidiger macht den Schritt nach rechts energisch. Es war aber weder ein Ellbogen im Spiel, noch böse Absicht zu erkennen - was angesichts des Spielstands auch keinen Sinn ergeben würde. Trotzdem brachte diese Szene nur Verlierer hervor: Nagengast - an dieser Stelle beste Genesungswünsche - verletzte sich, Joe Bechmann bestätigt sein Image als Fußballrüpel und der FC Sand, der den so wichtigen Sieg nach dem Trainerwechsel eintütete und eigentlich bester Laune sein müsste, kann sich nicht so richtig über den absolut verdienten Sieg freuen.

Die strittige Szene ist bei Sportotal.tv hier ab Minute 1:57:12 zu sehen.
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