Kirchehrenbach
Kunstrad

Im Schnelldurchlauf zum EM-Ticket

Lukas Kohl meistert souverän die Quali zur EM in Wiesbaden. Weil aber weniger Sportler wie geplant antreten, verfehlt der neue Modus ein wenig den Sinn.
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Lukas Kohl erzielte in der Vorrunde der EM-Quali 199,88 Punkte und fährt im Juni zu den Wettkämpfen nach Wiesbaden. Wilfried Schwarz
Lukas Kohl erzielte in der Vorrunde der EM-Quali 199,88 Punkte und fährt im Juni zu den Wettkämpfen nach Wiesbaden. Wilfried Schwarz
Das neue Quali-Format zur 1. UEC-Europameisterschaft im Hallenradsport hat seinen Härtetest bestanden. Lukas Kohl wurde seiner Favoritenrolle im 1er Kunstrad der Männer vollauf gerecht. Mit 199,88 Punkten löste der Weltmeister des RMSV Concordia Kirchehrenbach das Ticket für die Wettkämpfe im Juni in Wiesbaden.

Die Qualifikation in Wendlingen zog viele Interessierte an, zu den Finals war die Halle mit rund 400 Zuschauern bis auf den letzten Platz besetzt. Beeindruckend waren die Leistungen der Sportler, bei der Weltmeister Lukas Kohl an der 200er Marke schnupperte und sich damit eines der beiden deutschen EM-Tickets sichern konnte. "Die Leistungen waren in Ordnung", lautete das Fazit von Bundestrainer Dieter Maute. "Es hat sich aber gezeigt, dass die Vorbereitungen nicht so akribisch erfolgen, wie für die Herbstsaison mit der Hallenrad-WM. Ich denke, das ist richtig so, zwei Mal den gesamten Ablauf zu betreiben, ist schwierig."


In fünf Minuten zur EM

Im 1er der Männer gingen verletzungsbedingt nur drei Sportler an den Start. Lukas Kohl entschied mit starken 199,88 Punkten die Vorrunde für sich. "Da im Finale der Erste gegen den Vierten fährt, hatte ich keinen Gegner mehr und war mit dem Vorrundensieg schon für die EM qualifiziert. Deswegen konnte ich den Modus nicht richtig austesten und bin beim Finale mehr oder weniger als Showauftritt an den Start gegangen", so Kohl.

194,98 Punkte fuhr er hier ein, "nur" möchte man meinen, beim Drehsprung musste er vom Rad und kassierte so eine größere Abwertung. "Mit dem neuen Modus hat man es geschafft, die sowieso immer spannende Entscheidung im 1er der Frauen fast noch spannender zu machen. Bei den anderen Disziplinen hat es zwar etwas mehr Druck aufgebaut, aber das war es auch schon", sagte Kohl: "Zusammenfassend konnte mich der Modus aus sportlicher Sicht nicht überzeugen." Marcel Jüngling (180,93) entschied das andere Duell gegen Jorit Mohr (171,62) und fährt neben Kohl als zweiter Deutscher zur EM.

Die spannendste Disziplin war sicherlich das 1er Kunstrad der Frauen. In der Vorrunde zeigte Weltmeisterin Milena Slupina die stärkste Kür. 180,14 Punkte, damit unterstrich sie ihre Ambitionen für die EM. Die deutsche Meisterin Viola Brand hatte 179,43 vorgelegt, während Maren Hasse mit 163,36 zurückblieb. Iris Schwarzhaupt, die die höchste Schwierigkeit (192,7) eingereicht hatte, musste den Lenkerhandstand abbrechen und kassierte Prozentabzüge. Weitere Unsicherheiten kosteten Punkte. Mit 162,81 Zählern konnte sie sich noch vor Lara Füller retten, die die letzte Übung und auch die Finalteilnahme versemmelte (161,64).

In den direkten Duellen gab es die Sensation schlechthin: Slupina fuhr am Anfang eine tatenlose Kür, musste aber in der Mitte ihres Vortrages vom Rad. Am Ende standen bei ihr 171,47 Punkte zu Buche, Schwarzhaupt musste das überbieten. Sie fuhr eine blitzsaubere Kür und war kurz vor Schluss noch über 180 Punkten. Die Sensation lag in der Luft. Dann die Schrecksekunden, kurz vor dem Ende. Auch sie musste vom Rad. Banges Warten. Die Punkte purzelten herunter und blieben bei 175,50 stehen. Somit setzte sich Schwarzhaupt gegen die Weltmeisterin durch. Das zweite Ticket sicherte sich Brand (178,98) gegen Haase (174,68).


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