Hausen
Triathlon

Heilmann greift in die Trickkiste

In der Slowakei gewinnt Manuel Heilmann seine Altersklasse über die Halbdistanz - und spielt den Konkurrenten auf der Schlussetappe etwas vor.
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Die pure Freude, gepaart mit einer enormen Erleichterung: Manuel Heilmann beim Zieleinlauf im slowakischen Samorin. Der Triathlet des SSV Forchheim hat seine Altersklassenwertung über die Halbdistanz gewonnen. Nun hofft er, sich im Juli in Zürich für den Ironman auf Hawaii zu qualifizieren. Heilmann
Die pure Freude, gepaart mit einer enormen Erleichterung: Manuel Heilmann beim Zieleinlauf im slowakischen Samorin. Der Triathlet des SSV Forchheim hat seine Altersklassenwertung über die Halbdistanz gewonnen. Nun hofft er, sich im Juli in Zürich für den Ironman auf Hawaii zu qualifizieren. Heilmann
Triathleten sind keine Schauspieler, Manuel Heilmann schlüpfte für kurze Zeit aber in genau diese Rolle. Er befand sich auf dem abschließenden Halbmarathon, die Beine waren schon schwer, die Hitze enorm. Auf Rang 2 in seiner Altersklasse liegend, wurde der Hausener überholt und fürchtete, vom Siegerpodest zu fallen. Heilmann beschleunigte, schloss auf und zog an den beiden Erstplatzierten in hohem Tempo vorbei. Eigentlich zu schnell, viel zu schnell.

Der Lauf ist seine Wackeldisziplin, besonders durch die Knieprobleme, die ihn Anfang des Jahres stark eingeschränkt hatten. Aber er wollte Eindruck hinterlassen bei seinen Konkurrenten. Und das tat er. "Als ich die beiden überholt hatte, habe ich danach das Tempo kurzzeitig stark erhöht, damit sie denken, dass es mir noch super gehen würde , und nicht mehr versuchen, an mir dranzubleiben." Dabei ging es Heilmann in diesem Moment hundeelend, er dachte zur Eigenmotivation an Freundin und Schwester im Zielbereich. "Mental hat mir das extrem gut getan, einfach zu wissen, dass sie da sind und mich unterstützen", sagt er und zog das Rennen bis zum Ende durch.

Die Belohnung: Platz 1 in der Altersklasse der 18- bis 24-Jährigen in einer Gesamtzeit von 4:24 Stunden und Rang 36 aller Nicht-Profis. Der Griff in die mentale Trickkiste erwies sich als goldrichtig, da der Zweitplatzierte im Ziel wieder auf einer Minute an ihm dran war. "Ich glaube, da alles richtig gemacht zu haben", sagt Heilmann.


Nur ein erstes Highlight

An der Veranstaltung im slowakischen Samorin, ausgerichtet von der Challenge Family, hatte der Hausener bereits im Vorjahr teilgenommen, die Erfahrungen aus 2017 haben ihm geholfen, den Kurs und die eigene Kraft richtig einschätzen zu können. Nach dem 1,9 Kilometer langen Schwimmen (28:13 Minuten) in der breiten und diesmal unruhigen Donau lag er sogar vor dem späteren Gesamtsieger, danach folgte ein 90 Kilometer langer Rad-Flachkurs auf dem riesigen Gelände vor den Toren Bratislavas. Weil es keine Steigungen gab und dies einem groß gewachsenen Athleten wie Heilmann entgegenkommt, machte er ordentlich Dampf. "Es lief extrem gut, ich konnte meine volle Leistung abrufen. Durchschnittlich habe ich 330 Watt auf den 90 Kilometern getreten."

Der Halbmarathon sei bei großer Hitze mörderisch gewesen, an den alle 2,5 Kilometer aufgestellten Verpflegungsstationen kühlte er Kopf und Körper mit Wasser. "Wären die Stationen einen Kilometer weiter auseinander gewesen, ich weiß nicht, ob ich es dann geschafft hätte."

Die Halbdistanz in Samorin war für den Athleten des SSV Forchheim das erste große Saisonhighlight, ein weiteres soll Ende Juli beim Ironman Zürich folgen. Heilmann hofft, sich dort für das große Ziel eines jeden Triathleten zu qualifizieren: den Ironman Hawaii. Um hier aber mitmachen zu können, muss er in der Schweiz in seiner Altersklasse mindestens Zweiter werden. Womöglich schafft es aber sogar nur der Erstplatzierte nach Hawaii. Der Druck ist groß.


Eine Frage der Finanzierung

Der Traum von der Vulkaninsel lebt, aber Heilmann weiß auch, dass er sich finanziell einiges aufbürden würde. Startgebühr von 1000 Dollar, dazu Flug, Reise und Unterkunft. 5000 Euro sind da schnell weg. Und das für jemand, der seinen Sport nebenher betreibt. Er hat kürzlich seinen Zwei-Tages-Job gekündigt, arbeitet nun ausschließlich im eigenen Fahrradladen. "Dadurch fällt es mir leichter, Freiräume für den Sport zu schaffen", sagt Heilmann. Trotzdem ist er von den Möglichkeiten eines Profis weit entfernt. Das wird wohl auch so bleiben. Durch den Beruf fehle Zeit für Training und Regeneration. "Den Übergang zu schaffen, ist extrem schwer. Auf dem Level, auf dem ich mich bewege, ist es schwierig, noch viel mehr herauszuholen. Man kommt irgendwann zu dem Punkt, wo es nicht mehr weitergeht, die Leistungen recht konstant bleiben."

Drei kleinere Sponsoren unterstützen ihn bereits mit Ausrüstung, das Fahrrad sponsort er sich selbst - und macht damit zugleich Werbung für sein eigenes Geschäft. Für die Kosten kommt er aber selbst auf. "Ich bin froh und dankbar für jede Form der Unterstützung", sagt Heilmann.
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