Ebermannstadt
Frauenfußball

Ein Gruß von Ebert nach Ebermannstadt

Im Augenblick eines ihrer größten Erfolgsmomente dachte Lisa Ebert an ihren ehemaligen Jugendtrainer beim Heimatverein, der im November gestorben war.
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Lisa Ebert (re.) freut sich mit Teamkollegin Greta Stegemann über ihren Treffer zum 5:0 für die deutsche U19 gegen Belgien, vergisst in diesem Moment aber nicht, wo ihre fußballerischen Wurzeln liegen: beim TSV Ebermannstadt.  Foto: getty images/DFB
Lisa Ebert (re.) freut sich mit Teamkollegin Greta Stegemann über ihren Treffer zum 5:0 für die deutsche U19 gegen Belgien, vergisst in diesem Moment aber nicht, wo ihre fußballerischen Wurzeln liegen: beim TSV Ebermannstadt. Foto: getty images/DFB

Als Lisa Ebert im zweiten Gruppenspiel der Fußball-Europameisterschaft der U19-Juniorinnen in der 81. Minute das 5:0 gegen Belgien erzielt, macht sie nicht den Cristiano Ronaldo, der sich selbst für das unbedeutendste Tor feiern lässt, als wäre es der Siegtreffer in letzter Minute gewesen. Die 19-Jährige zeigt kurz in den Himmel - eine Geste an Josef Nützel, ihren langjährigen Jugendtrainer beim TSV Ebermannstadt, der 2018 verstorben ist. "Ich habe vorher beschlossen, dass ich es ihm widme, wenn ich ein Tor schieße bzw. köpfe", berichtet Ebert, die einen Eckball aus kurzer Distanz wuchtig über die Linie nickte.

Wegen gelber Karte nicht dabei

Im dritten und letzten Gruppenspiel gegen Titelverteidiger Spanien kam Ebert, die bis dahin zwei Mal durchgespielt hatte, nicht zum Einsatz. Grund war aber nicht ihre Leistung, sondern die Vermeidung einer Gelb-Sperre für die bereits ein Mal verwarnte Innenverteidigerin. Der Einzug Deutschlands ins Halbfinale stand da bereits fest. Mit einem 0:0 gegen Spanien sicherten sich Eberts Teamkolleginnen auch noch Platz 1 in Gruppe B.

"Unser Ziel war das Halbfinale, weil wir damit die Qualifikation zur U20-WM im kommenden Jahr sicher hatten", erzählt die Ebermannstadterin. Dennoch waren die DFB-Mädels heiß aufs Finale, das sie - wieder mit Ebert in der Startelf - mit einem 3:1 gegen die Niederlande erreichten.

"Leider hat das Turnier für uns ein unglückliches Ende gehabt", sagt die 19-Jährige mit Blick auf das 1:2 im Endspiel gegen Frankreich. "Wir hatten mehrere gute Chancen, es war eine knappe Partie." Dennoch zieht Ebert ein positives Fazit: "Wir haben uns als Mannschaft weiterentwickelt. Die Erfahrung kann uns keiner mehr nehmen. Und ich persönlich hatte gar nicht mit so viel Einsatzzeit gerechnet."

Von Frakfurt nach Nürnberg

Mehr davon erhofft sie sich auch bei ihrer neuen Station. Nach drei Jahren beim FFC Frankfurt, wo sie hauptsächlich für die Reserve in der 2. Liga auflief, aber auch elf Mal Bundesligaluft im Team des siebenmaligen deutschen Meisters schnupperte, kickt sie wieder beim Club, von dem sie 2016 nach Hessen gewechselt war. Angefangen hatte sie mit vier Jahren beim Heimatverein, ehe sie mit 13 zum FCN wechselte, wo sie zunächst mit Zweitspielrecht ausgerüstet war und zusätzlich zum Spielbetrieb mit den TSV-Jungs bei den B-Juniorinnen des FCN agierte.

Den vermeintlichen Rückschritt in die Regionalliga (3. Liga) sieht sie pragmatisch. Zum einen tritt sie in Nürnberg eine Stelle als Erzieherin an. "Wenn ich dieses Praktikum im Kindergarten absolviert habe, bekomme ich in Hessen das Fach-Abitur", erklärt Ebert. Zum anderen will sie sich in Nürnberg - näher bei Familie und Freunden - für höhere Aufgaben empfehlen. "Wir peilen den Aufstieg in die 2. Liga an. Danach würde ich es gerne wieder in der Bundesliga versuchen. Auch das Ausland ist eine Option für mich."

Von der "IV" auf die "Zehn"?

Während sie bei der EM in Schottland mit Ausnahme ihres Ausflugs in den gegnerischen Strafraum die Abwehr zusammenhielt, ist sie beim Club als Offensivkraft vorgesehen. "Wahrscheinlich werde ich als Zehnerin spielen", sagt Ebert, die sich eine gute Übersicht und Ruhe am Ball attestiert. Im Einzeltraining will sie vor allem an ihren Schwächen arbeiten: "Ich bin manchmal zu emotional und möchte meinen linken Fuß verbessern."

Ernst wird es am 18. August mit dem Gastspiel beim SV Alberweiler (Baden-Württemberg). Eine Woche später empfängt der FCN zum ersten Heimspiel den FC Forstern aus Oberbayern. Die Generalprobe für die neue Saison ist am vergangenen Sonntag mit dem 4:0 beim SV Holzbach aus der viertklassigen Rheinland-Liga in der ersten Runde des DFB-Pokals gelungen.

Ein weiteres Ziel für 2020 ist die U20-EM, wobei Lisa Ebert trotz ihrer Hauptrolle beim Turnier in Schottland realistisch ist: "Wir bekommen einen neuen Trainer, weil Maren Meinert aufhört. Es steht noch nicht einmal fest, wo und wann genau die WM stattfindet."

U19-EM in Schottland

Gruppe B Deutschland - England 2:1 Deutschland - Belgien 5:0 Deutschland - Spanien 0:0 Halbfinale Deutschland - Niederlande 3:1 Frankreich - Spanien n.V. 3:1 Finale Deutschland - Frankreich 1:2

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