Langensendelbach
Infranken-Kick

Die Luft fehlte nicht nur im Spiel

So richtig in Fahrt sind der SV Langensendelbach und der SV Poxdorf noch nicht, beide teilten die Punkte. Kurios geht es am Rande zu, im Mittelpunkt: Fehlende Luft und ein Schiri, der unfreiwillig für Stimmung auf dem Balkon sorgt.
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Langensendelbachs Spielertrainer David Wägner segelt an einer Flanke vorbei, beobachtet von Gegenspieler Maximilian Neuner.  Fotos: Hühnlein
Langensendelbachs Spielertrainer David Wägner segelt an einer Flanke vorbei, beobachtet von Gegenspieler Maximilian Neuner. Fotos: Hühnlein
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Das Kreisliga-Derby zum Saisonauftakt zwischen Langensendelbach und Poxdorf kam nur mühsam in die Gänge. Beide Mannschaften boten den 280 Zuschauern in der ersten halben Stunde fußballerische Schonkost. Erst nach der Gästeführung durch Alexander Tully, die David Wägner noch kurz vor dem Halbzeitpfiff ausglich, kam Leben in die Bude. Zwar hatten die leicht favorisiert ins Spiel gegangenen Poxdorfer am Ende auch ein leichtes Chancenplus, aber auch die Hausherren hätten die Partie für sich entscheiden können - und fühlten sich aufgrund der personellen Misere mit mehreren Ausfällen zumindest nach Abpfiff als die moralischen Sieger.

Die Luft war wiederholt raus

Aber auch Gästetrainer Peter Kellner musste vor Spielbeginn seine Startelf nach einem kniffligen Anruf ändern.
Mittelfeldspieler Frederik Kahle war aufgrund eines Reifenplatzers auf der Anfahrt liegengeblieben, weshalb er zunächst aus der Anfangsformation rutschte. Das Problem mit der fehlenden Luft setzte sich im Spiel fort. Die kreisrunde Handbewegung von Schiedsrichter Robert Heiß, mit der er nach zwei Minuten in Richtung der Auswechselbänke ein neues Spielgerät forderte, weil dem Anstoßball die Luft ausgegangen war, war einer der Höhepunkte der Auftaktphase.

Beiden Mannschaften war anzumerken, dass sie sich noch auf der Suche nach ihrer endgültigen Form befanden und so war es nicht verwunderlich, dass plötzlich ein anderes Thema, wohl aus Langeweile, in den Mittelpunkt rückte: Die Einteilung von Referee Heiß sorgte auf Seiten des Gastgeber-Anhangs für Gesprächsstoff. Denn Heiß pfeift zwar für Germania Nürnberg, kommt aber aus Hagenau, einem Ort zwischen den beiden Gemeinden Poxdorf und Langensendelbach. Zudem habe er einen Schwiegersohn im Gästekader, wie ein früherer Funktionär der Hausherren wähnte. Pfiffe gegen das eigene Team quittierten die Anhänger daher mit "Hagenauer Schieber"-Rufen, was zumindest auf dem Balkon für Stimmung sorgte.

Aber zurück zum Spiel. Während die Gastgeber durch Spielertrainer Wägner zu zwei Halbchancen kamen (6./17.), fand Poxdorf im Sturm nahezu überhaupt nicht statt. Bis zur 1:0-Führung in der 28. Minute nach einer Freistoßflanke von Thomas Kießling, als Tully einen Kollektivschlaf der Abwehr am zweiten Pfosten nutzte, hatten die Gäste keine einzige erwähnenswerte Torraumszene erreicht. Dem Freistoß vorangegangen war ein Foulspiel von Andreas Schmitt an Tobias Eichinger, beide hatten in der anschließenden Rangelei am Boden Glück, dass Referee Heiß - wie kurz danach in ähnlicher Situation zwischen Wägner und Tully - beide Augen zudrückte.

Das in der Folge bemühtere Spiel der Gastgeber wurde zwei Zeigerumdrehungen vor dem Pausenpfiff belohnt. Wie mehrfach zuvor wurde Langensendelbachs quirliger und lauffreudiger Spielertrainer Wägner mit einem langen Ball aus dem Mittelfeld gesucht - und dieses Mal auch von Lukas Kral gefunden. Dessen Pass in die Gasse erlief Wägner vor Nüssel, umkurvte ihn und schob locker zum Ausgleich ein.

Poxdorf mit Dampf aus der Kabine

Ein vermutetes Donnerwetter von Kellner in der Pause rüttelte wohl die Gäste wach, die sofort nach Wiederanpfiff den direkten Weg aufs Tor von Felix Obenauf suchten. Der gebürtige Poxdorfer konnte sich in der Folge über Arbeit seiner ehemaligen Kollegen nicht beklagen und parierte Eichingers Volley-Abnahme mit den Fäusten aus dem Eck (49.). Nachdem Eichinger kurz danach Thomas Marsching bediente, der aus kurzer Distanz verzog (53.), hatte Keeper Obenauf nach einer Ecke das Glück des Tüchtigen, als nacheinander Eichinger und Florian Huppmann im Gewühl die Kugel nicht im Tor unterbringen können (58.).

Als Huppmann gegen Sven Rauh Sieger blieb, aber nur ans Außennetz traf (62.) war die Gästeoffensive zunächst vorüber und die Hausherren kamen ihrerseits bei Kontern zu kleineren Möglichkeiten. Die größte Chance bot sich Marsching eine Viertelstunde vor Abpfiff, als dieser das Kunststück fertigbrachte, das Spielgerät aus kürzester Entfernung innerhalb des Fünfers über die Latte hoch in die Wolken zu jagen. Trainer Kellner raufte sich die nicht vorhandenen Haare. Zwei Minuten vor Abpfiff hätte beinahe der bemühte Hannes Messingschlager die Gäste für den Leichtsinn bestraft, doch auch er bugsierte das Leder nach Vorlage von Wägner über den Kasten .

Die Meinung der Trainer

Langensendelbachs Spielertrainer David Wägner war durch die große Laufarbeit sichtbar geschlaucht und analysierte die Partie mit objektiver Selbstkritik: "Das Spiel von uns war sicherlich kein fußballerisches Highlight und Poxdorf hatte vielleicht ein paar Chancen mehr. Aber insgesamt ist das Unentschieden absolut gerecht. In der zweiten Hälfte hat uns etwas die Ordnung gefehlt, weil sich zusätzlich zu unseren Ausfällen auch noch Florian Singer im Spiel verletzte, aber durchgebissen hat. Beiden Mannschaften war die Angst vor dem ersten entscheidenden Fehler anfangs anzumerken. Wenn wir in Führung gehen, läuft das Spiel anders." Auf die Kritik zum Referee angesprochen bricht Wägner eine Lanze pro Heiß: "Der Schiedsrichter pfiff ordentlich, ich fühle mich nicht benachteiligt."

Kellner ist unzufrieden

Gästetrainer Peter Kellner machte kein Hehl aus seiner Enttäuschung über das Unentschieden: "Mein Fazit ist sehr unzufrieden. Unser Spiel war zu wenig druckvoll und häufig planlos, wir hatten keine Durchschlagskraft. Wenn es blöd läuft, können wir sogar noch verlieren. Dass wir etwas mehr Ballbesitz oder optisch insgesamt mehr Spielanteile hatten, darf nicht darüber hinweg täuschen, dass wir daraus einfach nichts Produktives machten. Wir haben es zwar versucht, aber das entscheidende Tor hat einfach gefehlt, obwohl die Chancen dafür eigentlich hätten reichen können. Unter dem Strich müssen wir zufrieden sein, denn von uns kam einfach zu wenig."

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