Kersbach
Fußball

Die Glückseligkeit der Bayernfans

Im Audi-Dome ausgebuht, in Kersbach gefeiert: Uli Hoeneß macht örtlichen Fanclub des FC Bayern zur Einweihung des neuen Vereinsheims eine große Freude.
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Bayern-Präsident Uli Hoeneß präsentierte sich beim Besuch in Kersbach, gut gelaunt, offen und menschennah.  Foto: privat
Bayern-Präsident Uli Hoeneß präsentierte sich beim Besuch in Kersbach, gut gelaunt, offen und menschennah. Foto: privat

Als der schwarze Audi auf die Zufahrt biegt, die hinter das Sportheim der DJK Kersbach führt, werden die Köpfe gereckt, die neugierigen Blicke werden durch Smartphone-Einsatz unterstützt. "Der soll doch bis rinter fahren", sagt einer der Wartenden, als der Wagen 30 Meter vor der Eingangstür zum Stehen kommt. Vielleicht ist es der Respekt vor den Kersbacher Böllerschützen, die sich zu einem Salut formiert haben, der dem Protagonisten Abstand abnötigt, vielleicht die sich bildende Menschentraube.

Doch dann ist er da. Uli Hoeneß, wortgewaltiger und streitbarer Präsident des FC Bayern München, ist der Einladung des Kersbacher Fanclubs gefolgt: Zur Einweihung des neuen Vereinsheims, die allerdings in der mehr Platz bietenden DJK-Turnhalle gefeiert wird, wird er als Gastredner Einblicke ins Innere des sportlich aktuell unbeständigen Rekordmeisters geben. Vorher jedoch genießt der mächtige Mann das Bad in der Anhängerschaft, erfüllt bereitwillig alle Autogrammwünsche, dirigiert die Buckenhofener Blasmusik und nimmt sich eine halbe Stunde mehr Zeit als ursprünglich geplant.

Vielleicht ist das auch dem großen medialen Auflauf geschuldet, der den Kersbachern unverhältnismäßig anmutet. "Sie hätten ihn doch einfach mal in Ruhe lassen und ihn einen schönen Tag verbringen lassen können", sagtt Fanclub-Mitglied Thomas Müller, der dem 66-jährigen Hoeneß einen "menschlich überragenden" Auftritt attestiert, der glückliche Bayernfans zurücklässt.

Doch die Reporter sind hartnäckig, löchern den Präsidenten zu den jüngsten Vorkommnissen auf der FCB-Hauptversammlung. "Dieser Abend geht nicht spurlos an einem vorüber", sagt Hoeneß zur teils harschen Kritik, Buhrufen und Pfiffen, die ihm am Freitagabend im Audi-Dome entgegengeschlagen sind. Er könne nicht einfach zur Tagesordnung übergehen, er sei schockiert und auch überrascht gewesen. Der Bayern-Macher kündigt auch den Abschied von Franck Ribéry und Arjen Robben an, die seit 2007 beziehungsweise 2009 an der Säbener Straße zu Hause sind und als "Robbéry" betitelte Flügelzange großen Anteil am Erfolg er vergangenen Jahre haben: Die beiden "machen sehr wahrscheinlich ihr letztes Jahr".

Bauern, Biker, Bayernfans

Dann geht es mit einer kleinen Abordnung des Fanclubs einen Kilometer weiter zum alten Milchhäuschen gegenüber der Feuerwehr, das zuletzt ein Biker-Treff war und jetzt das Zuhause der Kersbacher Bayern-Anhänger wird. Hoeneß zerschneidet feierlich das Band an der Eingangstür, verewigt sich neben einem großen FCB-Vereinslogo, das eine der Wände im liebevoll gestalteten Vereinsheim ziert. Bis zu 25 Personen können die Bayern künftig am Fernseher im Klubhaus verfolgen, wenn es einmal nichts wird mit einem Stadionbesuch.

"Früher haben wir uns privat in einem Partyraum oder in einem umgebauten Schweinestall getroffen. Zwei Jahre mussten wir jetzt ohne auskommen, aber dass zur Einweihung ausgerechnet Uli Hoeneß kommt, ist natürlich ein Glücksfall", erzählt Müller.

Der Fanclub habe schon vor längerer Zeit beim FC Bayern angefragt, ob nicht ein Spieler oder ein Verantwortlicher zu einem Besuch vorbeikommen könnte. Dabei hatte man eigentlich die 1000-Jahr-Feier des Ortes im Sinn gehabt. Doch erst jetzt klappt es mit einem Treffen - und dass der Präsident höchstselbst den Weg nach Kersbach findet, ist dem Umstand geschuldet, dass er tags zuvor bei einer privaten Weihnachtsfeier im nahen Lauf bereits fränkische Luft geschnuppert hat.

Hält er sein Versprechen?

Den rund 200 Fans in der festlich rot-weiß geschmückten Turnhalle ist's egal. Sie erleben einen erfrischend menschennahen, offenen Präsidenten, der sich viel Zeit nimmt. Und sogar Fragen aus dem Borussia-Dortmund-Lager beantwortet, das wegen des prominenten Besuchs die Aversion gegen den nach dem 2:1-Erfolg gegen Bremen wieder etwas gefestigteren Branchenprimus wegsperrt und ebenfalls einen Blick riskieren will. Ein Versprechen gibt Hoeneß den Kersbachern zum Schluss auch noch: Bis zum Jahresende will er im Stadion jetzt jedes Mal den Schal des Fanclubs tragen. Wird er es halten können?

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