Eckental
Tennis

Der Turniersieg in Eckental geht an Jiri Vesely

Der Tscheche hat das ATP-Challenger gewonnen. Im Finale bezwang er Steve Darcis. Der letzte Deutsche hatte am Freitag im Viertelfinale die Segel streichen müssen.
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Vor viereinhalb Jahren stand Jiri Vesely auf Platz 35 der Tennis-Weltrangliste, aktuell ist er nur auf Position 106 gelistet. Mit dem Sieg in Eckental dürfte er wieder in die Top 100 vorstoßen. Fotos: Bertram Wagner
Vor viereinhalb Jahren stand Jiri Vesely auf Platz 35 der Tennis-Weltrangliste, aktuell ist er nur auf Position 106 gelistet. Mit dem Sieg in Eckental dürfte er wieder in die Top 100 vorstoßen. Fotos: Bertram Wagner
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Jiri Vesely hat das Challenger-Tennisturnier in Eckental mit 6:4, 4:6, 6:3 gewonnen. Angesichts der vielen Drei-Satz-Spiele in den vergangenen Tagen bei der 23. Auflage des Turniers passte das gestrige Finale ins Bild. Für seinen Erfolg erhielt der Tscheche 6190 Euro und 80 ATP-Punkte. Seinem Endspielgegner und Sieger von 2016, Steve Darcis, blieb bei seinem letzten Challenger-Aufritt zum Ende seiner Karriere ein Abschiedsgeschenk verwehrt. Zuvor hatte der belgische Daviscup-Spieler den blauen Teppichboden fünf Mal als Sieger verlassen.

Kurz vor 16 Uhr endeten im House of Sports mit dem Jubelschrei von Vesely die internationalen deutschen Hallenmeisterschaften, die in diesem Jahr mit dem 64er-Teilnehmerfeld an sieben Spieltagen in eine neue Dimension vorstießen und ab dem Viertelfinale am Freitag mit Spielern aus acht Nationen ihrem Namen voll gerecht wurden. Freie Plätze auf der Tribüne waren rar, das mit 46 600 Euro dotierte Turnier erlebte einen noch nie da gewesenen Zuschauerzuspruch.

Markus Giegold, der "Vater" dieser Großveranstaltung, brachte es bei der Siegerehrung auf den Punkt: "Das Wunder von Eckental geht weiter." Auch Turnierdirektor Marcus Slany war in bester Laune, obwohl er und seine Helfer in der Organisation teilweise an die Grenze gebracht worden waren. Einige der Spieler wurden derweil sportlich ziemlich gefordert. "Es war eine anstrengende Woche. Der Pokal hier in Deutschland bedeutet mir sehr viel zum Abschluss der Saison", bilanzierte Vesely in perfektem Deutsch, schließlich wuchs der aktuelle Weltranglisten-119. in Niedersachsen auf.

Der zweimalige Wimbledon-Achtelfinalist lebte im Endspiel erwartungsgemäß von seinem Service (19 Asse), hatte nur eine kurze Schwächephase am Ende des zweiten Satzes, als er seinen Aufschlag überraschenderweise"zu Null" abgab und so in den dritten Durchgang musste. Dieser lief fast identisch wie der erste: Aufbauend auf ein schnelles Break sicherte er sich den Abschnitt. Nach exakt 100 Minuten riss er die Arme in die Höhe und ließ sich zurecht feiern. Darcis brillierte mit seinem Slice, erspielte sich aber keine weiteren Breakmöglichkeiten. Für ihn geht es aus dem idyllischen fränkischen Tennis-"Mekka" zum großen Daviscup mit Belgien.

Am Viertelfinal-Feiertag hatte das House of Sports Geschichte geschrieben: Ausverkauftes Haus mit um die 1000 Besuchern. 100 Tennisfans wurden sogar abgewiesen. Für die, die es hineinschafften, gab es in den zehn Stunden einen einzigen Wermutstropfen: Der Münchner Peter Gojowczyk verlor im "Spiel des Tages" in drei Sätzen gegen den Russen Evgeny Karlovskiy, damit war der letzte von 13 deutschen Akteuren ausgeschieden.

Halbfinale

Zwei völlig unterschiedliche Halbfinalspiele erlebten die fränkischen Tennisfans am Samstag: Während der Belgier Darcis seine Siegesserie - fünf Erfolge in sechs Tagen - als Ungesetzter in nicht einmal einer Stunde gegen den Südafrikaner Lloyd Harris fortsetzte (6:2, 6:4), entwickelte sich das Duell der beiden Osteuropäer Evgeny Karlovskiy gegen Vesely als Kopf-an-Kopf-Rennen, das erst nach 160 Minuten entschieden wurde. Dritter Satz, Tiebreak, 6:6 - zweiter Seitenwechsel.

Karlovskiy servierte bis dahin 14 Asse und leistete sich keinen Doppelfehler. Den ersten des 25-Jährigen aus Moskau nahm Vesely dankend an, brachte seinen nächsten Aufschlag durch und ließ einen lauten Jubelschrei los. 27 Asse unterstrichen die Service-Stärke des Tschechen, der auf seiner zehnjährigen Profi-Tour fast vier Millionen an Preisgeld einspielte. Von zwölf Breakmöglichkeiten nutzte jeder der beiden Halbfinalisten nur eine einzige, was jeweils den Satzgewinn bedeutete.

Viertelfinale

Der Freitag war ein historischer Tag: Ausverkauftes Haus mit rund 1000 Besuchern. 100 Tennisfans wurden sogar abgewiesen, weil im House of Sports nicht genug Platz war. Einziger Wermutstropfen: Der Münchner Peter Gojowczyk verlor in drei Sätzen gegen den Russen Evgeny Karlovskiy.

Nach Satzgewinn (6:4 nach 36 Minuten) für den Deutschen, dessen Serve-and-Volley die Fans begeisterte, kassierte die Nummer 4 des Turniers ein Break zum 1:2. Nun stand die Partie auf des Messers Schneide: Zwei Breakchancen für Gojowczyk, doch zwei Mal segelten die Bälle ins Netz. Stattdessen stand es 3:1 und nach dem nächsten Breakgewinn für den Russen zum 4:1 brachen die Dämme. Der Außenseiter bekam immer mehr Oberwasser, servierte schnell und platziert und ließ sich nicht mehr aufhalten. Er hatte auf dem Eckentaler Teppichboden immer die passende Antwort.

Die Ergebnisse:

Viertelfinale: Harris (Südafrika) - Lacko (Slowakei) 6:7 (5), 6:3, 6:3; Karlovskiy (Russland) - Gojowczyk 4:6; 6:2; 6:2; Vesely (Tschechien) - Van de Zandschulp (Niederlande) 3:6, 6:3, 6:4; Darcis (Belgien) - Marchenko (Ukraine) 6:7 (4), 7:6 (3), 6:3 Halbfinale: Darcis (Belgien) - Harris (Südafrika) 6:2, 6:4; Vesely (Tschechien) - Karlovskiy (Russland) 4:6, 6:4, 7:6 (6) Finale: Jiri Vesely (CZ) - Steve Darcis (BEL) 6:4, 4:6, 6:3 Doppelfinale: Skupski/Smith (Großbritannien/Australien) - Arends/Jebavy (Niederlande/Tschechien) 7:6 (2), 6:4

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