Egloffstein
Sportler der Woche

Der kickende Pfarrer aus Bieberbach-Affalterthal

Erst predigen, dann kicken: Michael Maul ist Pfarrer in Bieberbach-Affalterthal und stürmt für den SV Wolfsberg II. Ein Widerspruch? Nein. Nur mit der Gerechtigkeit ist es manchmal schwierig.
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Michael Maul, evangelischer Pfarrer in Bieberbach-Affalterthal, kickt in der B-Klasse für den SV Wolfsberg II.
Michael Maul, evangelischer Pfarrer in Bieberbach-Affalterthal, kickt in der B-Klasse für den SV Wolfsberg II.
Genug pausiert, es langt. Michael Maul musste wieder raus auf den Rasen, ins Dribbling gehen und den Zweikampf suchen, vielleicht auch ein paar Tore schießen, kurzum: Einfach Fußballspielen. Endlich wieder. In einer Mannschaft. Mit Gleichaltrigen. Also suchte sich der technisch beschlagene Mittelfeld-Spieler im September einen neuen Verein, nach über einem Jahr Pause. Maul ist aber nicht nur ein talentierter Kicker. Der 28-Jährige ist auch evangelischer Pfarrer der Kirchengemeinde Affalterthal-Bieberbach, genau genommen Vikar, ein "Pfarrer in Ausbildung".

Und nun hält er für den SV Wolfsberg II in der B-Klasse sonntäglich die Knochen hin, manchmal nur kurz nach einem Gottesdienst. "Glaube und Fußball sind für mich kein Widerspruch, sondern etwas ganz Normales.
Mit beidem bin ich aufgewachsen", sagt Michael Maul, jetzt, ein halbes Jahr nach seinem Debüt, acht Spiele und vier Tore später: "In Wolfsberg fühle ich mich richtig wohl, die Jungs sind klasse."

Die staunten allerdings nicht schlecht, als Maul erstmals mit seinen lila Fußball-Schuhen, ganz in den Farben der evangelischen Kirche, auf den Platz lief, im katholischen Wolfsberg. Und wie es sich unter Team-Kameraden eben gehört, durften Frotzeleien auch nicht fehlen, gerade am Anfang. Ob jetzt vor jedem Spiel gebetet werde, etwa. Oder wie es mit dem Beistand von oben sei. Aber Michael Maul nimmt es mit Humor - und vor allem nicht persönlich. Ohnehin wird er im Team nicht als "der Pfarrer" angesehen, sondern als "der Michl" - spätestens wenn Trikots und Hosen angezogen sind, "ist man Fußballer und das Drumherum vergessen."

Abwehr, Mittelfeld, Sturm

Fragt man Marcus Egloffstein nach dem Neuzugang, gerät der Fußball-Abteilungsleiter ins Schwärmen, überschlägt sich fast ins Lobeshymnen. "Der Michl", sagt Egloffstein, "ist ein Glücksgriff für uns, menschlich wie sportlich, praktisch ein Geschenk des Himmels." Fußballerisch musste sich Maul, der beim SC Hummeltal in der Nähe von Bayreuth mit dem Kicken begann, aber prompt umstellen. Er wurde im Sturm benötigt, eine Position, die er zuvor noch nie gespielt hatte. Angefangen als Libero, agierte er zuletzt im Mittelfeld - aber Stürmer? Das war ungewohntes Neuland. "Aber ich spiele dort, wo ich gebraucht werde", sagt Maul, Typus: flinker Außenstürmer.

Brauchen könnte ihn auch die erste Mannschaft in der Kreisklasse, oftmals sei es aber nicht möglich, berufliche Verpflichtungen mit dem Training zu kombinieren. "Natürlich ist es schön, höherklassig zu spielen. Ich brauche das für's Ego aber nicht mehr", sagt Maul, einstiger Bezirksliga-Kicker. Trotzdem: Abteilungsleiter Egloffstein plant, Maul in der Rückrunde auch in der ersten Mannschaft einzusetzen.

Drei Tore im letzten Spiel

Dass er am Ball einiges kann, hat sich schnell gezeigt. "Ein richtig guter Kicker, das hat man im ersten Training gesehen", sagt Egloffstein. Und es schlägt sich auch in nackten Zahlen wieder: Acht Spiele, vier Tore - davon allein drei im letzten Spiel vor der Winterpause gegen den SV Achteltal II. Sogar ein Kopfball-Treffer war dabei: "Keine Ahnung, wie das passieren konnte. Zumal ich meine Kontaktlinsen vergessen hatte."

Wenn Michael Maul auf dem Platz steht, dann ist er Fußballer, ausschließlich. Uns als solcher will er gewinnen, am besten jedes Spiel. Zwar ist Michael Maul ein Gerechtigkeitsverfechter, manchmal entscheidet sich diese Frage aber auch am Spielstand. Die klassische Situation: Das eigene Team liegt vorne, der Gegner fährt einen Konter, dann ein Lauf-Duell an der Seitenlinie, es gibt Einwurf. "Sicherlich fällt es mir leichter, die Hand zu heben und zu sagen, dass ich noch dran war, wenn wir führen. Bei einem Rückstand ist das vielleicht etwas anders", sagt Maul, grinst und zieht die Augenbrauen hoch.

Fairness ist für Maul aber ein hohes Gut, oftmals greift er beschwichtigend ein, gilt als ausgeglichener Ruhepol. Vom Platz geflogen ist Maul in seiner Laufbahn noch nie, Gelbe Karten waren aber schon darunter, gerade in der Zeit als Libero: "Da hatte man manchmal keine andere Wahl, als den Gegenspieler umzunieten", sagt Maul.

Maul soll bleiben, irgendwie

Bis Februar 2014 wird Michael Maul noch beim SV Wolfsberg wirbeln, in der zweiten Mannschaft definitiv, hin und wieder vielleicht auch in der Ersten. Und dann? Dann ist das Vikariat beendet, Maul muss mit Frau und Sohn vermutlich wegziehen, in eine andere Gemeinde. "Wir wollen, dass er bleibt und suchen nach Lösungen, selbst wenn der Michl weiter weg muss. Wir möchten ihn unbedingt halten, irgendwie wird es hoffentlich funktionieren", sagt Egloffstein, er klingt fast flehend. Nur das Stoßgebet fehlt.
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