Ebermannstadt
Querläufer unterwegs

"Der Kaiser" dankt ab

Jochen Brosig war beim 18. FS-Marathon nicht als Läufer, sondern neben der Strecke aktiv. Dort traf er Lorenz Kaiser, der nun anderen den Vortritt lässt.
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Ein Hoch auf den "Lenz": Zum letzten Mal hat Lorenz Kaiser (l.) den Fränkische-Schweiz-Marathon mitorganisiert. Nach dem Ende der Veranstaltung stieß er gemeinsam mit Moderator Michael Cipura (r.) an.  Fotos: Brosig
Ein Hoch auf den "Lenz": Zum letzten Mal hat Lorenz Kaiser (l.) den Fränkische-Schweiz-Marathon mitorganisiert. Nach dem Ende der Veranstaltung stieß er gemeinsam mit Moderator Michael Cipura (r.) an. Fotos: Brosig
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In Ebermannstadt am Sonntag beim 18. Fränkische-Schweiz-Marathon hat sich Querläufer Jochen Brosig mit Lorenz Kaiser getroffen. Die letzten 14 Jahre hat "der Lenz" hinter den Kulissen mitgewirkt. Jetzt verabschiedet er sich in den Ruhestand.

Startnervosität, es ist kurz vor 8 Uhr. Michael Cipura und der Querläufer richten sich am Sprecherturm ein. Da kommt Lorenz Kaiser vorbei und sieht noch einmal nach dem Rechten. Der "Lenz", wie ihn seine Freunde nennen, war die letzte Woche nur für den FSM aktiv. Die Gesundheitsbildung in der Volkshochschule Forchheim ist seine Herzensangelegenheit. 33 Jahre hat er dort gewirkt. Über 600 Kurse an der VHS sind zu betreuen.
Der FSM kam irgendwann dazu. Über das Jahr hat er mit dem FSM nur punktuell zu tun, aber in der Woche davor geht es bei ihm rund. Von der Kilometrierung und Streckenmarkierung zu Gesprächen mit THW und BRK, Startunterlagen, Start- und Zielbereich, das Sicherheitskonzept und, und, und. Nicht nur einmal höre ich im Vorbeigehen: "Frag mal den Lenz, der müsste das wissen." Pünktlich 8.30 Uhr. Countdown. Wir zählen von zehn auf eins und schicken die Handbiker auf die Strecke. Es geht los.

Wie bist Du zum Orga-Team vom FSM gekommen?
Lorenz Kaiser: Der damalige Forchheimer Landrat Glauber hat mich gebeten, diese Aufgabe zu übernehmen. Neu waren für mich die Besonderheiten des Skating-Wettbewerbs. Zusammen mit Marion Rossa-Schuster haben wir uns in Nürnberg ein Rennen angeschaut. Danach erfolgte die Umsetzung beim FSM. Es ist immer wieder faszinierend, wenn die Skater mit 50 Stundenkilometer durchsausen. Oder dann beim Zieleinlauf, da muss genügend Platz zum Auslaufen sein.

Bis 8.40 Uhr geht es Schlag auf Schlag. Nach den Handbikern starten die Inline-Skater, kurz danach gehen die Marathonis auf die Strecke. Kaum ist der letzte Läufer in Richtung Weilersbach verschwunden, rollt schon wieder der erste Handbiker vorbei. Mit unglaublicher Geschwindigkeit rasen auch die Inline-Skater in Richtung Streitberg. Dort werden sie von unseren Moderatorenkollegen Toni Eckert und Peter Lassner in Empfang genommen. Für die Samba-Tänzerinnen werden die Skater bei dieser Geschwindigkeit keinen Blick übrig haben. In Ebermannstadt fiebern derweil die Zehn-Kilometer-Läufer auf den Startschuss hin. Auch hier ist der Lenz an vorderster Front. Er überwacht die Streckenquerung. Es ist sonst zu gefährlich, wenn Zuschauer die Seite wechseln wollen. Und die Sicherheit hat bei ihm höchste Priorität.

Herr Eckert, ist Ihnen in den Jahren der Zusammenarbeit mit Lorenz Kaiser eine Begebenheit besonders in Erinnerung geblieben?
Toni Eckert: Beim Kollegen Kaiser fällt mir sofort ein, dass er stets akribisch vorbereitet war und ist. Das zeichnet ihn aus.

Ein Highlight jagt das nächste: Zehn-Kilometer-Start, Durchlauf erster Marathonläufer, Zieleinlauf Handbike und Zieleinlauf Inline-Skater. Das ist auch eine gefährliche Phase, weil auf beiden Seiten gelaufen und gefahren wird. Der Lenz hat alles im Griff. Die Zuschauer in Ebermannstadt sind sensationell. Jeder Teilnehmer wird begeistert empfangen. Michael Cipura macht sich auf den Weg, um den Halbmarathonstart vorzunehmen. Die Aufstellung erfolgt in der Ramstertalstraße.

Wie hast Du die Zusammenarbeit mit Lorenz Kaiser erlebt?
Michael Cipura: Es ist einfach eine Freude, mit ihm im Orga-Team tätig zu sein. Lenz strahlt so viel Ruhe und Erfahrung aus, das überträgt sich auf die Helfer und Beteiligten. Dabei hat er eine sehr genaue Sicht auf alle Abläufe und entdeckt immer wieder wertvolle Optimierungspotenziale.

Mittlerweile reißt die Wolkendecke auf, es wird warm. Hat es heute früh beim Start noch frische sechs Grad gehabt, wärmen die Sonnenstrahlen sofort. Immer noch optimale Bedingungen für die Läufer. Um 11 Uhr rollen wir den roten Teppich aus. Der Zieleinlauf im Marathon steht an. Die Cheerleader der "Lions" aus Litzendorf bilden die Zielgasse für Sieger Getachew Endisu (Quelle Fürth) und Markus-Kristan Siegler (2./LG Erlangen). Mario Wernsdörfer, der Halbmarathonsieger, leitet gegen 12 Uhr den Endspurt ein. Das Finisher-Fest geht noch zwei Stunden weiter, ein zufriedener Lorenz Kaiser schreitet die Zielgerade auf und ab. 15 Mal hat er in der Organisation mitgewirkt. Eine feste Größe im Team. Heute zum letzten Mal.

Was planst Du für die Zukunft?
Lorenz Kaiser: Der Sport hat mich mein Leben lang begleitet. Mir hat der Sport als Aktiver im Fußball und beim Tennis großen Spaß bereitet. Genauso viel Freude hatte ich dann bei der Planung. Ich werde jetzt mehr Zeit für meine Aktivitäten beim Tennis, Skifahren, Radfahren und Skilanglauf haben. Alles andere lasse ich auf mich zukommen.

Den Schlusspunkt setzt der Marathoni Günther Schönharting. Nach knapp fünfeinhalb Stunden beschließt er das Läuferfeld. Mit über 75 Jahren eine großartige Leistung. Dann fährt der Besenwagen ein. Hinterher der THW und gleich danach der Bauhof. Jetzt geht es ganz schnell. Die B470 wird frei gemacht für den autofreien Sonntag. Die ersten Radfahrer säumen die Straße. Michael und ich machen uns auf den Weg zum Marktplatz. Unsere Kollegen vom Team Sachsenmühle (Markus Schmidt, Christopher Fleith und Udo Prechtel) sowie die Streitberger Moderatoren (Toni Eckert und Peter Lassner) warten schon auf uns. Es wird gefeiert bis zum Abwinken. Wir lassen den Lenz hochleben. Marion Rossa-Schuster vom Marathon-Organisationsteam blickt auf eine 14-jährige Zusammenarbeit mit Lorenz Kaiser zurück.

Ihr ward ein gutes Team, oder?
Marion Rossa-Schuster: Ja, das stimmt. Wir waren sogar ein super Team. Jeder konnte sich stets blind auf den anderen verlassen. Das war mittlerweile unser 15. Marathon. Geeint hat uns dabei unser Perfektionismus. Es tut mir sehr leid, dass er jetzt in den Ruhestand geht.

Hoch die Gläser. Ein Prosit auf den Lenz. Doch der betont immer wieder, wie wichtig jeder einzelne Helfer beim Fränkische-Schweiz-Marathon ist: "Ohne die vielen ehrenamtlichen Helfer wäre der Marathon so gar nicht durchzuführen."
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