Herzogenaurach
Steilpass

Der, der schon immer da ist

In der A-Klasse gab Michael Thomann sein Debüt im Herrenbereich für den FC Herzogenaurach. Gut elf Jahre später ist der 30-Jährige immer noch ein "Puma" - in der Landesliga.
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Wenn der Zeitpunkt für einen Wechsel nie passt, dann steige ich eben mit meiner eigenen Mannschaft so lange auf, bis ich mit dem Liganiveau zufrieden bin. Nach diesem Motto kickt Michael Thomann (30) im Mittelfeld des FC Herzogenaurach.

Wer hat Sie angespielt?

Michael Thomann: Der beste Verteidiger, gegen den ich bis jetzt gespielt habe. Menschlich ist er mindestens genauso gut. Unser Treffen an der Bommibude auf der Erlanger Bergkirchweih ist Pflicht.

Bei Ihrem letzten Steilpass-Interview vor fast genau fünf Jahren haben Sie erklärt, warum es nie mit einem Wechsel zu einem höherklassigen Verein geklappt hatte. Auch heute spielen Sie immer noch bei Ihrem Heimatverein. Warum?

Inzwischen sind wir ja in der Landesliga angekommen und damit selbst ein höherklassiger Verein. Hier in Herzogenaurach passt einfach alles: die Infrastruktur, die Jugendarbeit, der Zusammenhalt innerhalb und zwischen den Mannschaften. Die Zweite trainiert zwar separat, aber nach den Einheiten und Spielen sitzen wir fast immer zusammen.

Seit dieser Saison hat der FCH sogar eine dritte Mannschaft im Rennen. Wie kam's?

Unsere Reserve hatte zuletzt immer 18 Mann, so dass einige am Wochenende nicht mal spielen durften. Auch die Erste hat einen großen Kader. Wir haben schon länger mit einer Dritten oder einer Spielgemeinschaft geliebäugelt, das Problem war weniger das Personal, sondern der Platz. Inzwischen bauen wir den zweiten Kunstrasen - wenn auch nur ein Kleinfeld. Er dürfte noch heuer fertig werden.

Was sind die Faktoren für den quantitativen und qualitativen Erfolg des Vereins?

Die Jugendarbeit ist vorbildlich. Wir haben diesen Sommer fast alle, die aus der A-Jugend kamen, beim FCH gehalten. Bei der Landesliga-Aufstiegsfeier vor zwei Jahren haben wir festgestellt, dass noch fünf Akteure in der Mannschaft waren, die damals schon in der Kreisklasse bei uns gespielt hatten. Die Fluktuation ist ziemlich gering, obwohl wir mit den großen Konzernen in Herzogenaurach ja ständig ambitionierte Gastspieler haben könnten. Da fällt mir aber nur Alexander Ronneburg aus Dortmund ein, der aber auch schon drei Jahre da ist. Schon die Bezirksliga hatte uns kaum einer zugetraut, 2019 wurden wir Fünfter in der Landesliga.

Ein weiterer Faktor ist sicher der Trainer. Jakob Karches ist in seiner fünften Saison bei uns, war also schon in der Kreisliga hier. Da er Lehrer ist, passt es perfekt. Inzwischen hat er sogar ein Haus in Herzogenaurach gekauft. Er will hier anscheinend nicht mehr weg (lacht).

In der neuen Saison läuft es nicht so rund? Was sind die Gründe?

Es darf zwar eigentlich keine Ausrede sein, aber wir haben momentan elf Verletzte. Womöglich haben wir es nach dem starken Vorjahr auch etwas auf die leichte Schulter genommen. In der Vorbereitung hat mir ein bisschen die Spannung gefehlt. Spätestens nach dem 7:1 in Vach sind wir aber auf einem guten Weg. Und am Sonntag wird es Zeit für den ersten Heimdreier. In Großschwarzenlohe haben wir 2018 unseren ersten Landesliga-Sieg eingefahren und auch das Rückspiel gegen den damaligen Mitaufsteiger gewonnen.

Wie hat sich Ihre Rolle im Laufe der Jahre gewandelt?

Ob bewusst oder nicht: Die eigene Rolle auf dem Platz und in der Kabine verändert sich. Man macht eher den Mund auf und die anderen hören eher auf einen. Ich glaube schon, dass ich einen Bonus habe, weil ich so lange hier bin. Inzwischen habe ich ein paar Teamkollegen, die ich einst als Jugendtrainer betreut habe.

An wen spielen Sie weiter?

An Roberto Preuss vom ASV Höchstadt, den ich von der Arbeit kenne. Zum Glück musste ich noch nicht gegen ihn spielen, denn ich habe gehört, das macht weniger Spaß, als mit ihm zu arbeiten.

Steilpass-Regeln: Das Spielfeld bilden die Landkreise Erlangen-Höchstadt und Forchheim. Verboten sind Kurzpässe, also Zuspiele innerhalb des eigenen Vereins, und Rückpässe zu bereits angespielten Aktiven.

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