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Kirchehrenbach
InFranken-Kick

Aufsteiger als Durchmarschierer

Mitleid für den Gegner: Selbst Wilhelm Satzinger, Trainer in Adelsdorf, fühlt mit den Kirchehrenbachern mit - so bitter war der Spielverlauf in der Vorrunde. Jetzt kommt es zum Rückspiel. Wer der Favorit ist, steht außer Frage.
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Der Kirchehrenbacher Marco Brendel (blau) wird an der Außenlinie von Eggolsheims Alexander Gross gestellt und versucht es auf eigene Faust. Vergeblich, denn nach Rene Müllers Führungstor zur Pause kassierte der TSV noch den 1:1-Ausgleich und blieb 2014 bislang sieglos.
Der Kirchehrenbacher Marco Brendel (blau) wird an der Außenlinie von Eggolsheims Alexander Gross gestellt und versucht es auf eigene Faust. Vergeblich, denn nach Rene Müllers Führungstor zur Pause kassierte der TSV noch den 1:1-Ausgleich und blieb 2014 bislang sieglos.
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Diesmal steigt der Infranken-Kick am Fuße des Walberla. Der SC Adelsdorf, frisch gebackener Tabellenführer der Kreisliga 1, spielt als Aufsteiger eine bärenstarke Runde und gastiert beim TSV Kirchehrenbach, der nach der Winterpause noch nicht richtig in Schwung gekommen ist, aber zu Hause in dieser Saison auch noch nicht bezwungen wurde. Das Hinspiel, das die Adelsdorfer trotz Unterzahl mit 2:1 gewannen, ist vor allem Trainer Wilhelm Satzinger noch in bester Erinnerung, denn damals machte der TSV das Spiel, der SC holte aber die Punkte. Der Trainerfuchs wird aus diesem Grund die Kirchehrenbacher wegen des stotternden Rückrundenauftaktes keinesfalls unterschätzen.

Adelsdorf ohne fünf

Satzinger geht selbstbewusst an diesen Prüfstein heran, obwohl mit dem Ausfall von fünf Spielern, die zum Stammgerüst zählen, ein herber Aderlass den Kader der Gelb-Schwarzen
schröpft: "Man darf nicht jammern, die anderen Vereine haben auch Verletzte und Ausfälle. Mal trifft es einen härter und mal weniger. Das Entscheidende dabei ist, was man daraus macht. Bei meinem in der Breite sehr dicht gestaffelten Kader kann ich die Fehlenden kompensieren, wir haben fast schon den Luxus, auf beinahe allen Positionen gleichwertige Leute nachschieben zu können." Natürlich hinkt der Vergleich mit dem FC Bayern, aber im Kleinen könne man so am verständlichsten ausdrücken, so Satzinger, was er damit beschreiben will: "Das ist vor allem der tollen Nachwuchsarbeit hier beim SC geschuldet, dass neben dem enormen Zulauf an Jungspielern ständig welche nachrücken und sich ehrgeizig versuchen aufzudrängen. Von solchen Bedingungen kann man als Trainer nur träumen."

Dies sagt ein Mann, der binnen drei Jahrzehnten als Übungsleiter zahlreiche Aufstiege mit verschiedenen Mannschaften erreichte, die keineswegs schlechter aufgestellt waren. Dennoch würde Satzinger, der inzwischen im 60. Lebensjahr steht und somit doppelt so alt ist wie der Kirchehrenbacher Amtskollege Christoph Schneider, gerne auf die ausfallenden Akteure zurückgreifen können: "Es sind halt absolute Leistungsträger. Bei Tim Lausen, der in der Innenverteidigung ausfällt, sowie bei Mittelstürmer Florian Weller, sind auch gleich Systemteile betroffen, die umgebaut werden müssen. Für Keeper Lukas Heinsch, der wegen einer Schultereckgelenksprengung lange ausfallen wird, steht Christian Blum im Kasten, der in der Winterpause aus Buckenhofen gekommen ist. Im Tor darf nichts mehr passieren, sonst kriegen wir ein Torwartproblem." Zudem fehlt Alexander Triebel mit seinem Kreuzbandriss sowie Daniel Nastvogel, der zwar an einem Muskelfaserriss laboriert, aber von dem Satzinger schwärmt: "Er ist ein Riesentalent, das erst im Vorjahr aus der Jugend kam."

Trotz des Umstands, dass der Gesamtkader 47 Spieler umfasst, von denen 27 zwischen 18 und 23 Jahren sind, warnt Satzinger vor der Aufgabe und hebt den Zeigefinger: "Wir könnten uns mit einem Sieg in eine fantastische Ausgangsposition bringen, denn Herzogenaurach pausiert und würde psychologisch unter Druck kommen. Wir stehen momentan auf Platz 1s und das auch zurecht, das muss ich schon einmal klar sagen. Aber wir hatten auch einige Male das Glück, wie im Vorspiel. Für Kirchehrenbach war das brutal bitter, ich möchte niemals ein Spiel so ungerecht verlieren, wie es meinem Kollegen vom TSV ergangen ist. Aber das ist eben Fußball."

Spitze für den TSV unerreichbar

Genauso sieht es auch Christoph Schneider, der Kirchehrenbacher Übungsleiter, der die Situation sachlich analysiert: "So wie ich es einschätze, sind die beiden ersten Plätze weg. Weder Burk, trotz zwei Partien weniger, noch Röttenbach, Tennenlohe oder wir werden da noch rankommen. Am Ende wird sich die konstanteste Mannschaft durchsetzen und da deutet es momentan ein wenig in Richtung Adelsdorf." Natürlich sei der SC klarer Favorit, so Schneider, aber der TSV habe auf eigenem Gelände noch keine Partie verloren, "und das soll auch so bleiben". Zwar sei man nicht gerade gut aus der Winterpause gekommen, der Rhythmus fehle noch. Zudem haben viele Spieler in der Vorbereitung nicht trainieren können. Inzwischen sieht der 30-jährige, der vor knapp sechs Wochen seinen Abschied zusammen mit Co-Trainer Christoph Nagengast nach Saisonende am Walberla ankündigte, das Team langsam wieder in die Spur zurückkehren.

Neue Station: Buttenheim

In dieser Woche wurde außerdem bekannt, dass Schneider das Ruder bei seinem Heimatverein in Buttenheim übernimmt. Nichtsdestotrotz will der scheidende Trainer zumindest das anvisierte Ziel, einen Platz unter den ersten Fünf und 46 Punkte, erreichen, muss aber im Spiel gegen den Spitzenreiter auf einigen Positionen umbauen: "Marco Brendel hat sich den Muskel gezerrt, vielleicht sogar gerissen. Das muss erst eine genaue Untersuchung ergeben. Mein Co-Trainer kann nicht spielen, Simon Postler ist noch gesperrt. Michael Meier spielt beruflich bedingt allenfalls noch in der Reserve, Pascal Grün fehlt ebenso. Unser Kader hat sich während des Jahres stark dezimiert." Die Aufgabe während der Woche war, die deutliche 0:4-Niederlage gegen Niederndorf aufzuarbeiten, obwohl diese in den Augen Schneiders vom Ergebnis her zwar klar, aber vom Leistungsniveau wesentlich enger war als vermutet: "Das war ein Spiel mit offenem Visier, wobei das 0:1 ein kurioses Tor war, als der Spieler den Ball in der eigenen Hälfte absolut genau getroffen hat und er aus 60 bis 70 Metern einschlug. Als es kurz danach zum zweiten mal schepperte, war es vorbei. Das müssen wir gegen Adelsdorf deutlich cleverer machen, sonst werden wir wahrscheinlich große Schmerzen bekommen."

Abschied hat keinen Einfluss

Dass das frühzeitig bekanntgewordene Ende seiner Tätigkeit eine Rolle spielen könnte bei der Motivation, bezweifelt der Trainer: "Für die Spieler ändert sich nichts, sie sind motiviert und haben genug Anreiz, gewinnen zu wollen. An einem guten Tag können wir auch jeden bezwingen, wir geben uns auf keinen Fall schon vorher geschlagen." Im Hinblick auf die nachfolgenden Spiele gegen Röttenbach und Burk unterstreicht Schneider das Ziel: "Punktlos gegen Adelsdorf wäre schlecht."

Schiedsrichter: Sebastian Linz (SV Pettstadt) / Assistenten: Pascal Kraus, Felix Hartmann