Wer "paddeln" will, muss sich nicht zwangsläufig aufs Wasser begeben. Aus Südamerika und Spanien ist eine Sportart nach Deutschland geschwappt, bei der man das "Padel" wie einen Schläger hält und die einer Mischung aus Tennis und Squash ähnelt. Vorreiter des Padel-Tennis' sind daher meist Vertreter einer dieser beiden Sportarten. Mit dem Forchheimer Tennistrainer Harry Payrleitner und Tim Jaeger aus der ersten Mannschaft des SC Uttenreuth gingen zwei Redakteure dieser Zeitung ins Duell, denn Padel wird ausschließlich im Doppel ausgetragen.

Was man für Padel-Tennis braucht - einen der Sportart ihren Namen gebenden Schläger und einen mit wenig Luft befüllten Tennisball -, bekamen wir vom Club am Marienberg, der sich im vergangenen Frühsommer eine Anlage für den Trend anschaffte. "Ich glaube nicht, dass das ein Trend ist, sondern dass sich die Sportart auch bei uns etabliert", sagt Payrleitner.

Als langjähriger Übungsleiter ist dieser gleich in seinem Element, erklärt den Reportern die Regeln, das Spielprinzip und wo man sich auf dem zehn Meter langen und fünf Meter breiten Feld am besten platziert. Mit seinem Sportler-Latein ist der gebürtige Österreicher aber schnell am Ende. "Padel ist viel einfacher als Tennis", behauptet der 42-Jährige und gibt schon nach wenigen Minuten Einweisung das Kommando für den ersten Aufschlag. Der erfolgt wie beim Tennis diagonal, allerdings wie beim Badminton von unten - der Schläger hüfthoch und maximal waagerecht. Zudem lässt der Servierende das Spielgerät vorher auftatzen und befindet sich nicht hinter der Grund-, sondern hinter der T-Linie, denn das Feld wird ja von Plexiglas begrenzt.


"Nicht schmettern!"

Wie beim späteren Ballwechsel zählen beim Aufschlag weniger Kraft und Geschwindigkeit als vielmehr Präzision und Schnitt. Der wichtigste und von ballaffinen Sportredakteuren kaum zu glaubende Tipp Payrleitners lautet deshalb: "Nicht schmettern! Es sei denn, du kannst so draufhauen, dass der Ball nach dem Auftatzen aus dem Käfig fliegt." Der Sinn dieser Worte leuchtet dem Neuling dennoch erst nach einem Gewaltschlag ein: Die Filzkugel wird dank der Bande nicht nur gebremst, sondern auch zur Steilvorlage für den Gegner, der in der Nähe des etwa 90 Zentimeter hohen Netzes nur auf diesen Anfängerfehler gewartet hat und ihn zu seinen Gunsten nutzt; mit Übersicht und Gefühl statt Muskelkraft.

Lektion gelernt. Die Reporter halten den Ball ab sofort flach, variieren zwischen Stopps, die den Gegenspieler zum Spurt über den mit Quarzsand befüllten blauen Kunstrasen zwingen, und Lobs, die - gerade noch regelkonform - kurz vor der Scheibe den Boden berühren. "Du kannst das Spiel nur mit der Bande gewinnen", ist daher Payrleitners zweiter Rat. Soll heißen: Zum einen versucht der fortgeschrittene "Padeler", den Ball so nah an die Wand zu platzieren, dass der Gegner beim Ausholen eingeschränkt ist. Zum anderen sollte man selbst die Ruhe bewahren und situativ entscheiden: "Kurze Bälle nimmt man besser direkt, also volley, zumindest aber gleich nach dem Auftatzen. Lange, schärfere Bälle lässt man lieber an die Bande prallen und spielt sie entsprechend entschärft weiter", erläutert Payrleitner.

Mit diesem Matchplan nehmen die Forchheimer am Sonntag an den fränkischen Padel Open an selber Stelle teil (siehe Artikel unten). "Wir haben vom Veranstalter eine Wild-Card erhalten, um den nördlicheren Teil Frankens zu vertreten", sagt der Österreicher, der einräumt, dass die Chance, sich Qualifikationspunkte für das Masters der acht Besten Ende des Jahres zu holen, eher gering ist.


Zwei nationale Verbände konkurrieren um Mitglieder

Nicht ganz so konfus wie im Boxen, wo sich vier bedeutende Weltverbände Konkurrenz machen, geht es im Padel-Tennis zu. Hierzulande erheben der Deutsche Padel-Verband (DPV) und der Deutsche Padel-Bund (DPB) den Anspruch, die Sportart auf nationaler Ebene zu vertreten, wobei nur Ersterer vom Weltverband FIP anerkannt ist und damit über das Recht verfügt, eine Nationalmannschaft zu bilden.

"Beide Verbände haben sich 2011 gegründet. Nachdem nur der DPV die Lizenz bekommen hatte, wurde der DPB wenige Wochen später wieder auf Eis gelegt. Vor zwei Jahren haben wir ihn mit neuen Leuten reaktiviert", berichtet Darek Nowicki, der im DPB kein offizielles Amt ausübt, aber als Turnierorganisator und Spitzenspieler in Erscheinung tritt. Als Grund nennt er die aufgekommene Diskrepanz zwischen dem, was der DPV anbot, und dem, was die Spieler wünschen.

Während der DPV mit der "German Padel Series" nach eigener Darstellung die "wichtigste Turnierserie Deutschlands" im Angebot hat, wartet der DPB mit der "German Padel Tour" (GPT) auf, der "sportlich stärksten Turnierreihe Deutschlands". Als Teil der GPT finden am kommenden Wochenende in Nürnberg zum zweiten Mal die Internationalen Fränkischen Padel Open statt. Beim Club am Marienberg (CaM), der seit Juni zwei Padel-Courts hat, treten Herren der Kategorien I und II sowie 40+ gegeneinander an. Dazu gibt es einen Mixed-Wettbewerb. Eine reine Frauen-Konkurrenz geht nicht an den Start.

"Wir haben nur zwei Spielfelder. Da die Nachfrage von männlichen Sportlern im Moment noch wesentlich größer ist, gibt es nur das Mixed und die Herren", erklärt Nowicki, der das Turnier organisiert und nebenbei seinen Titel aus dem Vorjahr in der Hauptkategorie verteidigen will. Damals stand der frühere polnische Tennis-Nationalspieler und zweimalige deutsche Doppelmeister im Finale seinem diesjährigen Partner Claudius Panske gegenüber, der hinter ihm die Position 2 in der Rangliste des DPB einnimmt.

Für eine Fusion der Verbände sieht Nowicki positive Signale: "Es gibt Gespräche. Ich fände es besser, wenn alle an einem Strang ziehen", sagt der 47-Jährige. "Und wenn nicht: Konkurrenz belebt das Geschäft." So oder so erhofft sich der in Warschau geborene und in Bochum aufgewachsene Nowicki einen Boom für die junge, in Deutschland noch recht unbekannte Sportart.

Zuschauer der Veranstaltung, die am Freitag gegen 18 Uhr mit den Wettkämpfen der Kategorie 2 beginnt und am Samstag sowie Sonntag jeweils ab 9 Uhr fortgesetzt wird, haben in den Pausen Gelegenheit, selbst einen Padel in die Hand zu nehmen. "Alles, was diese mitbringen müssen, sind Sportschuhe", sagt Klaus Rotter, der die beiden Courts für circa 300 000 Euro aufstellen ließ. Um die gut besuchte Anlage noch besser auszulasten, will der 2. Vorsitzende des CaM eine nordbayerische Liga ins Leben rufen. Interessierte können sich im Internet unter www.padel-n.deinformieren und per E-Mail an klaus.rotter@padel-n.de anmelden.

"Gespielt werden soll von Mai bis September. Die Termine können die Mannschaften selbst festlegen", erklärt das 61-jährige Mitglied des DPB, der sich zwei Ligen mit Auf- und Abstieg vorstellen kann. "Vor allem einige Spanier, die im Großraum Nürnberg arbeiten, haben schon ihre Fühler ausgestreckt", berichtet Rotter.


Was nicht passt, wird passend gemacht

Padel ist eine sehr junge Sportart, deren Wurzeln in Mexiko liegen. Dort entstand sie 1965 in Acapulco. Den Impuls gab Don Enrique Corcuera. Es wird die Anekdote überliefert, dass Corcueras Wunsch nach einem eigenen Tennisplatz auf seinem Grundstück aus Mangel an freier Fläche nicht zu erfüllen war. Daher ließ er einen Platz errichten, der nur etwas mehr als ein Drittel der Fläche eines Tenniscourts hatte. Die Betonmauern, die an einen Teil des Platzes grenzten, wurden nicht als Hindernisse gesehen, sondern von den Spielern raffiniert in den Ballwechsel integriert, so dass Corcuera kurzerhand den gesamten Platz ummauern ließ. Aufgrund des kleineren Felds nahm er zudem einige Modifikationen der (Tennis-) Spielregeln vor. DPV


Von Südamerika nach Spanien und zurück

Offiziell entstanden ist Padel-Tennis nicht in Südamerika, sondern in Europa. Ein spanischer Prinz und Freund Corcueras überzeugte sich bei einem Aufenthalt in Acapulco von den Vorzügen der neuen Sportart. Nach seiner Rückkehr nach Marbella 1974 ließ er in seinem Hotel zwei Plätze anhand der mexikanischen Vorlage errichten. Darauf spielten Gäste, Freunde und Geschäftsleute aus aller Welt. Ein argentinischer Millionär, der Padel dort ein Jahr später kennenlernte, brachte die Idee wiederum mit in seine Heimat. Binnen kürzester Zeit erfuhr die Sportart in der argentinischen Bevölkerung große Popularität. Mittlerweile haben sie viele weitere südamerikanische Länder adaptiert. DPV


Ruhrpott exportiert Padel nach Franken

In Europa ist neben Spanien vor allem Belgien eine eifrige Padel-Nation. Die Hochburg im Padel-Entwicklungsland Deutschland ist das Ruhrgebiet. Unter anderem dank Darek Nowicki gelangte die Sportart von Nordrhein-Westfalen nach Franken. "Mein Kumpel hat mich vor vier Jahren nach einem Spanien-Urlaub darauf aufmerksam gemacht. Nach der ersten Einheit war ich süchtig", berichtet der ehemalige Profi-Tennisspieler aus Bochum, der sich in der Nachbarstadt Herne auf dem ersten deutschen Padel-Court austobte. 2016 war Nowicki bei der Reaktivierung des Deutschen Padel-Bunds beteiligt und organisiert seit vergangenem Jahr das Turnier in Nürnberg. Beim Club am Marienberg stehen die einzigen beiden Padel-Plätze Nordbayerns. rup