Weilersbach
Infranken-Kick

Alles oder nichts: Siegen oder Kreisklasse

18 Jahre Kreisliga stehen auf dem Spiel: Gloria Weilersbach ist über Pfingsten zum Siegen verdammt, um den Abstieg doch noch zu verhindern. Heute geht es gegen Tennenlohe, am Montag wartet der Abstiegs-Kracher gegen den TSV Lonnerstadt.
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Im Spiel gegen Langensendelbach strauchelt Weilersbachs Dominic Amon (rot) nach einer undurchsichtigen Aktion, für die es auch Elfmeter hätte geben können.  Foto: Leo Hühnlein
Im Spiel gegen Langensendelbach strauchelt Weilersbachs Dominic Amon (rot) nach einer undurchsichtigen Aktion, für die es auch Elfmeter hätte geben können. Foto: Leo Hühnlein
Der Abstiegskampf in der Kreisliga 1 spitzt sich zu. In den Nachholpartien am Pfingstwochenende kommt es gleich zu vier direkten Duellen potenzieller Kandidaten, die noch mehr oder minder um den Klassenerhalt bangen. Der "InFranken-Kick" gastiert im Kellerduell beim SV Gloria Weilersbach, der am Pfingstmontag um 17 Uhr den TSV Lonnerstadt zu seiner vielleicht bereits letzten Chance um den Verbleib in der Kreisliga erwartet. Ab Platz acht mit dem SV Poxdorf (35 Punkte), der allerdings ein Spiel mehr auf dem Buckel hat als das Gros der Mitkonkurrenz, kann sich noch niemand sicher fühlen.

Die Glorianer tauschten durch den überraschend klaren 3:0-Auswärtssieg des FC Großenseebach am Mittwoch in Poxdorf mit dem vom Ex-Spielertrainer Udo Prell trainierten Erlanger Vorortverein die Plätze - und finden sich nun zwei Zähler dahinter mit 24 Punkten auf dem vorletzten Tabellenrang, lediglich vor Muggendorf (19 Punkte), wieder.
Nachdem der Befreiungsschlag des SV mit der 2:3-Heimniederlage in der Vorwoche gegen die Uttenreuther misslang, stehen die Weilersbacher in den beiden Wochenendspielen mit dem Rücken zur Wand. Wie auch der TSV Lonnerstadt, der seit Jahresbeginn Dauergast auf dem Relegationsplatz mit 27 Zählern ist und in der Vorwoche nicht über ein 1:1-Remis gegen den wiedererstarkten FSV Großenseebach hinauskam.

Gloria gastiert in Tennenlohe

Doch auch bereits am heutigen Samstag sind beide Kellerkinder schon gefordert und haben gute Chancen, ihre missliche Ausgangslage bis zum Montag zu verbessern. Die Gloria tritt bei den schwächelnden Tennenlohern (Platz 9, 34 Punkte) an, die bei einer Heimniederlage plötzlich auch mitten im Abstiegsstrudel schwimmen würden. Lonnerstadt hat die launischen Poxdorfer zu Gast, die seit Jahresanfang das Motto pflegen: Einmal hui, einmal pfui.

Interimstrainer und Weilersbacher Urgestein Arno Amon, eigentlich Abteilungsleiter, führt derzeit zusammen mit Spielleiter Detlef Schneider und Wolfgang Amon, der das Training leitet, das Team. Dieser Schritt war nötig geworden, nachdem der auf Udo Prell nach der Winterpause folgende Martin Vogler die Kurve nach oben nicht hat fortsetzen können.

Der 39-jährige Amon ist sich über die Situation im Klaren und drückt dies unmissverständlich aus: "Für die zwei Spiele an Pfingsten zählt nur alles oder nichts: Siegen oder Kreisklasse." Dabei klopfte die Gloria noch vor zwei Jahren über die Relegation gegen den ATSV Erlangen an die Tür zur Bezirksliga an, in der der SV in den 90er-Jahren lange weilte. Und nun könnte es nach genau 30 Jahren nach dem Aufstieg 1983 aus der Kreisklasse (damals noch "B-Klasse") der Exodus aus dem eigentlichen Wohnzimmer der Gloria, nach weiteren insgesamt 18 Jahren Kreisliga kommen.

Dies wäre nicht nur für Amon ein bitteres Finale einer zur Saisonmitte eigentlich schon überwunden geglaubten Krise des SV: "Da hatten wir uns mit einer Serie von sechs Spielen ohne Niederlage nach anfänglichen Schwierigkeiten gefangen. Aber auf einmal standen wir nach der Vorrunde ohne Trainer da, als Udo Prell trotz Zusage bis zum Saisonende völlig überraschend für uns seinen Abschied verkündete. Der folgende Abgang von Schrettenbrunner war aus der Sicht des Spielers vielleicht nachvollziehbar, aber hat uns natürlich durch den Verlust unseres besten Stürmers doppelt getroffen."

Zehn Tore in zehn Spielen

Seitdem haben die Weilersbacher in zehn Spielen nur zehn Mal getroffen, was nur zu einem Sieg reichte: "Wir haben damals schon geahnt, dass die Mannschaft völlig auseinandergerissen werden könnte und unser Offensivspiel wesentlich durchschaubarer vom Gegner ist. Dass es so drastisch wird, allerdings gepaart mit den leidlichen Ausfällen in dieser verflixten Saison, haben wir jedoch nicht erwartet." Man müsse derzeit sogar froh sein, dass andere Akteure, die zuvor durch den Trainer zur Gloria kamen, zumindest bis Saisonende zu ihrem Wort stehen: "Es gibt einige Spieler, die sind genauso enttäuscht wie wir von der Vereinsführung. So sind dreieinhalb Jahre gute Aufbauarbeit auseinandergebrochen. Wir haben ab sofort fast nur noch Sechs-Punkte-Spiele, darunter auch noch gegen Seebach, und uns helfen nur Erfolgserlebnisse, vielleicht doch noch das Unmögliche zu schaffen."

Verletzt ausfallen wird Dominik Hendrych (Kreuzbandanriss), sowie der urlaubende Marcel Heinemann. Fragezeichen stehen hinter den Kapitänen Daniel Böhm und Jens Kügel, sowie bei Florian Kießling. Felix Hüttners Sperre läuft erst nach dem Lonnerstadt-Spiel ab.

Etliche Lonnerstadter fehlen

Heinz Halmers Miene verdunkelt sich ebenso beim Blick auf die lange Liste seiner Verletzten. Der Spielertrainer aus Lonnerstadt spricht gar von einem "Seuchenjahr". Die Vorrunde sei schon mit einer Achterbahnfahrt vergleichbar gewesen, seit Jahresbeginn stagniert die Kurve der Aischgrunder im unteren Drittel: "Wenn zu den eh schmerzlich vermissten Langzeitverletzten Dominik Schwandner, Patrick Beck, sowie Pascal Leissner und Alexander Schulze noch gleichzeitig mehrere Leistungsträger wie Jens Leuner, Steffen Kaiser und Andreas Übler ausfallen, dann ist es kein Wunder, wenn Vereine mit kleinem Kader wie wir ihn haben, nicht von der Stelle kommen." Ein Dorn im Auge sind dem 37-jährigen Übungsleiter die für ihn als mitverantwortlich für die Überbelastung der Akteure gesehene Häufung von Nachholspielen: "Die ständigen Zwischenspieltage durch die englischen Wochen, die es früher in dieser Masse durch eine andere Saisonaufteilung auch nicht gegeben hat, geben uns momentan den Rest. Sie lassen keine Erholungsphasen zu, die dringend nötig wären. Manche Vereine gehen in die siebte oder achte Woche mit Doppelbelastung. Das ist im Amateurbereich allenfalls zwei oder drei Wochen überbrückbar, aber jeder von uns geht ja noch zur Arbeit. Wir krebsen auf dem Zahnfleisch daher und hoffen, dass wir für unsere Anstrengungen belohnt werden."

Durch den Ausfall seiner Ecksäulen ("Von der Viererkette blieb nur ein Spieler übrig") wäre der direkte Klassenerhalt für Halmer mehr wert als ein Aufstieg.

Den Grundstein könnte er heute gegen seine alten Kameraden vom SV Poxdorf legen, die Halmer vier Spielzeiten trainierte: "Poxdorf ist trotz des Heimspiels gleich schwer wie Weilersbach und wir haben uns vier Punkte als Minimalziel vorgenommen. Eigentlich müssten wir zwei Mal gewinnen, aber wenn die anderen sich gegenseitig Punkte abknöpfen, kann ein Remis daheim reichen. Wenn wir in Weilersbach gewinnen, lassen wir sie auf jeden Fall hinter uns. Ich tippe auf ein 2:0."
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