Als Max Streit von der SpVgg Jahn Forchheim II sich für René Heid als Neuzugang stark machte, stieß er zunächst auf skeptische Blicke. "Der Besnik kannte mich nicht", sagt der Neue über seinen Trainer Besnik Avdiji, was aber vielleicht auch etwas damit zu tun hatte, dass er nach einer Übersiedlung nach Lauf direkt vom TV Leinburg kam. Doch mittlerweile hat sich diese Unkenntnis gelegt: Denn René Heid hat die Abwehr des Aufsteigers der letzten Fußballsaison deutlich stärken können. Die Jahn-Reserve überwintert auf Platz 1 der Kreisklasse 2 Erlangen/Pegnitzgrund. Nun kennt ihn Besnik - und er weiß die Leistung des 29-Jährigen zu schätzen.
Dabei war lange Zeit nicht klar, wie es nach der glanzvollen Saison 2010/2011 weitergehen solle. Denn wenn man 30 Spiele bestreitet und davon alle 30 gewinnt, besteht die Gefahr, dass man sorglos wird. Das Verlieren ist man nicht mehr gewohnt, auch nicht, dass man einmal nicht die Tabelle anführt - und genau das ließ in der Kreisklasse 2 auf sich warten.
Die Platzhirsche hießen hier TSV Vestenbergsgreuth oder DJK/TSV Pinzberg, und auch gegen die DJK/TSV Kersbach und den SC Adelsdorf musste der Aufsteiger anfangs Punkte lassen. Zuletzt Ende November bezogen die Jahnler in Pinzberg eine 3:4-Niederlage, doch zu diesem Zeitpunkt lag Forchheim II bereits mit fünf Punkten Vorsprung vorn. Am letzten Oktober-Spieltag hatte sich die Jahn-Reserve mit einem 10:0 über den VfB Forchheim an die Tabellenspitze gesetzt.

"Papa" Milke in Egloffstein


René Heid war nicht immer Leinburger gewesen. Sein Stammverein ist der SC Egloffstein, wo er in der Jugend mit Leuten wie Hayri Kurt oder Walter Reidinger zusammenspielte. In dieser Zeit entwickelte sich ein starkes Band zwischen den Spielern, vornehmlich von René Heid und dem Trainer Kurt Milke, der beim SC Egloffstein die Jugend organisierte. Es war fast so etwas wie der "FC Milke", ein Mann, mit dem die jungen Leute fast ständig unterwegs waren, nicht nur beim Training oder bei den Spielen, sondern auch bei Ausflügen, Zeltlagern und anderen Unternehmungen. "Kurt Milke, das war fast wie ein zweiter Papa für mich", gerät René Heid heute noch ins Schwärmen von der "One Man Show" seines Trainers, der alles unter seinen Fittichen hatte, so dass sich der Verein eigentlich um nichts zu kümmern brauchte. Von der E- bis zur A-Jugend begleitete Milke René und die anderen durch die Jahre und feierte in dieser Zeit auch Erfolge, vor allem in der E- und D-Jugend.
Das änderte sich nach der Jugend, als René zunächst in der Männermannschaft des SC Egloffstein spielte. Als sich Kurt Milke vereinsmäßig veränderte, sagte René Heid ihm zum Abschied: "Wenn du nach Egloffstein zurückkommst, bin ich als Spieler wieder dabei - egal, wo ich dann gerade bin." René wechselte zum SV Bieberbach, blieb also in der gleichen Gemeinde. "Auch das war eine gute Zeit", sagt er, "aber es war eben anders."

Umzug nach Lauf


Es gab aus familiären Gründen den Umzug nach Lauf, wo die erste Adresse eigentlich der SK Lauf gewesen wäre. Aber persönliche Kontakte führten René zum TV Leinburg, wo er zweimal vergeblich Anläufe zum Aufstieg unternahm, beide Male unter Umständen, die für ihn enttäuschend verliefen. Seine Mannschaft war gespickt mit Kräften, die Bezirksoberliga- oder Landesliga-Erfahrung hatten, was dazu führte, dass der TV jeweils als Meisterschafts-Aspirant in die Runde startete, beim zweiten Mal sogar nicht auf-, sondern abstieg. René kehrte in den Raum Forchheim zurück.
Kurt Milke war mittlerweile beim ATSV Forchheim gelandet, wo er dem Verein zu lange nicht gekannten Zwischenhochs verhalf. Als er dann zum SC Egloffstein zurückkehrte, hielt René Heid Wort und schloss sich wieder seinem Heimatverein an. Drei Spielzeiten blieb René in Egloffstein - so lange wie auch Kurt Milke. Es war wohl die Qualität der Mannschaft, die beide, Milke und René Heid, zum Aufhören bewog.
Beim Jahn hatte René schon seit längerem Freunde, darunter Tobias Ulbricht, Senad Bajric oder Max Streit. Es war Max Streit, der die Kontakte knüpfte und Renés Schritt von Egloffstein nach Forchheim in die Wege leitete. So kam es, dass Besnik Avdiji den jungen Mann aus Egloffstein ebenfalls kennen lernte.
René Heid spielt nun seine erste Saison für den Jahn. Obwohl er in der Mannschaft wenig bekannt war, wurde er schnell voll integriert, "weil ich ein paar der Leute ja schon vorher gekannt hatte", sagt er.

Vom rechten Flügel in die Mitte


Seit neuestem ist er in der Innenverteidigung eingesetzt, "zum ersten Mal im Leben", denn er war stets auf dem rechten Flügel in der Defensive eingesetzt. Das geschah, weil die beiden etatmäßigen Innenverteidiger Andreas Körfgen und Max Kummer ausgefallen waren - Körfgen wegen einer Verletzung, Kummer (der als Weltmeister im Bankdrücken auch schon "Sportler der Woche" war), weil er seine Polizeiausbildung beenden wollte. Inzwischen ist Körfgens Verletzung überwunden, Kummer ist als Polizeibeamter wieder in Forchheim, und nun hat Trainer Besnik Avdiji ein kleines Luxusproblem: ein Überangebot an guten Innenverteidigern. Wie er das löst, ist aber eine Frage, um die nicht nur innerhalb der Kreisklasse 2 so mancher den Trainer des Tabellenführers beneiden dürfte.
Für René Heid steht fest, dass die Jahn-Reserve weiter aufsteigen muss. "Die Erste in der Landesliga, die Zweite in der A-Klasse - das ging überhaupt nicht", sagt er, "ist die Zweite in der Kreisklasse, ist das zumindest etwas besser. Erst ab der Kreisliga beginnt das Verhältnis aber, akzeptabel zu werden." Und an diesem Ziel arbeitet René Heid eifrig mit: "Hoffentlich stehen wir am Ende der Saison auch noch dort oben", wünscht er sich.