Weilersbach
Infranken-Kick

Tragik und Drama bei der Gloria

2:1 gewonnen, den Anschluss hergestellt: Weilersbach ist nach dem Sieg gegen Lonnerstadt punktgleich mit dem TSV und Großenseebach. Großen Anteil am Gloria-Sieg hatte aber ein "Unglücksrabe" aus Lonnerstadt.
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Lonnerstadts Andre Maikötter (grün) teilt zwar gegen David Schlenz kräftig aus, während Gloria-Spielführer Daniel Böhm das Leder sichert, aber am Ende wurde er als tragischer Held selbst "abgewatscht": Dem jungen Gästeakteur unterlief vor dem SV-Führungstreffer ein Stoppfehler und er verursachte den Elfmeter. Sein 1:2-Anschlusstor war dann auch kein Trost mehr für den Pechvogel.   Fotos: Leo Hühnlein
Lonnerstadts Andre Maikötter (grün) teilt zwar gegen David Schlenz kräftig aus, während Gloria-Spielführer Daniel Böhm das Leder sichert, aber am Ende wurde er als tragischer Held selbst "abgewatscht": Dem jungen Gästeakteur unterlief vor dem SV-Führungstreffer ein Stoppfehler und er verursachte den Elfmeter. Sein 1:2-Anschlusstor war dann auch kein Trost mehr für den Pechvogel. Fotos: Leo Hühnlein
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Der "InFranken-Kick" in der Kreisliga 1 zwischen Weilersbach und Lonnerstadt entwickelte sich zu einem wahren Abstiegskrimi mit glücklichem Ausgang für die Gloria. Mit dem 2:1-Heimsieg rangen die Weilersbacher ihre Gäste aus dem Aischgrund vor 310 Zuschauern nieder und schlossen dadurch zu Lonnerstadt sowie Großenseebach auf, die das punktgleiche Trio mit 27 Punkten nach 27 Spielen komplettieren. Während Lonnerstadt kommendes Wochenende spielfrei ist, trifft die Gloria nächsten Sonntag zum Showdown auf Ex-Trainer Udo Prell mit seinem wiedererstarkten FSV Großenseebach.

Die Partie begann mit einer Schrecksekunde für die Hausherren. Bereits in der ersten Minute zeigten die mit einem großen Bus angereisten Gäste, dass sie hier nicht mit leeren Taschen heimkehren wollen. Doch Gästetrainer Heinz Halmers Seitfallzieher, der an den Pfosten ging, wurde wegen Abseits abgepfiffen.

Schon in der Aufwärmphase vor dem Spiel war den Akteuren beider Reihen die große Anspannung bei Kurzsprints und Schussübungen anzusehen. Maskenhafte Gesichtszüge ohne jegliche Regungen und seltsame Stille auf dem Rasen verrieten den beidseitigen Druck.

TSV: Gefahr durch Kopfbälle

Die Gäste schienen sich davon zuerst zu fangen. Allerdings versuchte es der TSV zumeist mit dem einfachen Strickmuster hoher und weit geschlagener Bälle. Womit sie allerdings den Nerv der Gastgeber trafen, denn nicht nur die körperliche Lufthoheit einiger Gästespieler hätte in der Anfangsphase ausschlaggebend sein müssen. So köpften nacheinander Lettenmeier (7.), Maikötter (10.) und Halmer (17.) drüber. Zudem zeigte Torhüter Christian Krieg ebenfalls Nerven und boxte mit zu kurzer Faustabwehr die Kugel vor die Füße von Maikötter, der in letzter Sekunde abgeblockt wurde (12.).

Anthony Strasser prüfte auf der Gegenseite per Drehschuss erstmals Gästekeeper Holger Reif, der sich strecken musste (19.). Anschließend verriet das Tohuwabohu in der Gloria-Abwehr dem Letzten, dass hier Abstiegskampf pur herrschte: Nach einem furchtbaren Durcheinander traf Dominik Kammerer aus 15 Metern an die Latte von Kriegs Kasten (26.). Dominik Amon segelte an einer Flanke von Böhm vorbei, das Erfreuliche: Es war zur Abwechslung ein Angriff der Gloria (31.). Doch plötzlich stand es 1:0. Maikötter mutierte zur tragischen Figur, ihm rutschte ein an sich leicht zu stoppender Ball unter der Sohle durch. Anthony Strasser ließ sich das Geschenk nicht entgehen und tunnelte Torhüter Reif aus 12 Metern (37.). Zur Pause öffnete der Himmel alle Schleusen und Petrus weinte wohl vor dem Dargebotenen.

Gleiches Strickmuster

Wie im ersten Abschnitt schlug der TSV über Jochen Paulus einen weiten Ball nach vorne, aber Halmer, sowie Maikötter und Christian Höps verpassten (48.). Hier hatte SV-Keeper Krieg, der zu sehr auf der Linie kleben blieb, Glück. Zum richtigen Zeitpunkt setzte sich Strasser um einen Bruchteil vor dem herbeieilenden Maikötter in den Gästestrafraum ab und wurde beim Abwehrversuch am Fuß getroffen. Schiedsrichter Florian Leschke, der in beiden Lagern einen schweren Stand hatte, zeigte ohne zu zögern auf den ominösen Punkt (50.). Kevin Erlwein zielte nicht mal schlecht, aber Reif ahnte die Ecke und parierte. Gegen den Nachschuss von Erlwein war aber kein Kraut gewachsen - und so stand es plötzlich 2:0. In der Folge wurde die Partie ruppiger. Stefan Geyer lag der Anschlusstreffer auf dem Schuh, jedoch prallte der Ball vom Pfosten in die Arme von Krieg (53.). Maikötters Flanke über rechts versuchte Höps mit dem Kopf anstatt dem Fuß zu nehmen (57.), auch Geyer scheiterte zum wiederholten Mal an den eigenen Nerven (62.).

Krieg parierte kurz danach auf Kosten eines Eckballs einen Freistoß von Paulus.Und Maikötter versenkte den Standard per Kopf zum 1:2-Anschluss (64.), der den Gästen nochmals Auftrieb gab. Entlastung für die Gloria entstand lediglich bei seltenen Kontern über Strasser. Auf der anderen Seite brannte die Luft jedes Mal gegen die hochgewachsenen Gästespieler. Paulus versuchte es noch aus der Distanz, bevor ein Entlastungsangriff das Spiel zugunsten der Hausherren besiegelte. TSV-Torhüter Reif legte sich bei einer Rückgabe die Kugel zu weit nach links vor, übersah allerdings den mitgelaufenen Strasser, der im Zweikampf 20 Meter vor dem Tor zu Boden ging (84.). Der Referee wertete die Aktion als Notbremse und ließ sich trotz des Hinweises der Gäste, dass noch Abwehrspieler im Rückraum standen, nicht mehr vom Platzverweis abbringen. Damit war der nervenaufreibende Abstiegskrimi entschieden.

Die Meinung der Trainer

Gästespielertrainer Heinz Halmer war niedergeschlagen, zeigte sich jedoch kämpferisch: "Natürlich ist man nach so einem Spielverlauf tief enttäuscht, denn wir hätten keinesfalls verlieren müssen. Meinen Männern kann ich keinerlei Vorwurf machen, wir haben alles gegeben und am Ende hat es irgendwie nicht sein sollen. In der ersten Halbzeit haben wir es versäumt vorzulegen, denn die Chancen, wie beispielsweise der Lattentreffer, waren vorhanden." Mit dem Platzverweis für seinen Torhüter zeigte sich Halmer nicht einverstanden: "Es waren noch drei Abwehrspieler dahinter, also kann es keine Notbremse gewesen sein. Es passierte direkt vor der Weilersbacher Bank und der Schiri hat sich von der Reaktion verleiten lassen. Gelb hätte gereicht. Nun sind wir spielfrei, dann folgen drei Endspiele: Gegen Kirchehrenbach, Muggendorf und Langensendelbach müssen Siege her."

Interimstrainer Arno Amon redete nicht um den heißen Brei herum: "Es war ein glücklicher Sieg, aber das ist jetzt egal. Wichtig sind die Punkte. Wer hier einen Leckerbissen erwartet hatte, der kennt den Abstiegskampf nicht. Auf die Jungs bin ich stolz, denn ich hatte ihnen vor dem Spiel gesagt: Wir müssen 90 Minuten lang um jeden Zentimeter fighten. Und das haben sie mit jeder Faser gemacht, auch wenn das Glück in diesem Spiel auf unserer Seite war." Der Strafstoß habe seiner Mannschaft in die Karten gespielt: "Danach glaubten meine Spieler wieder an sich, aber wir haben uns das Glück mit einer tollen Moral auch redlich erarbeitet. Jetzt fahren wir nach Großenseebach und da muss ich, aus verständlichen Gründen, wohl niemanden zusätzlich motivieren. Die Botschaft aus dieser Partie für unsere Gegner lautet: Wir leben noch!"
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