Gräfenberg
InFranken-Kick

Spitzenspiel in Kreisklasse 3 endet torlos

Das Spitzenspiel der Fußball-Kreisklasse 3 Erlangen/Pegnitzgrund zwischen dem TSV Gräfenberg und der SpVgg Weißenohe endet mit 11:9 - nach der Anzahl der auf dem Feld verbliebenen Spieler. Die rund 200 Zuschauer wurden trotz fehlender Tore bestens unterhalten.
Artikel drucken Artikel einbetten
Trotz unbändigen Einsatzes des Gräfenbergers Kapitän Tobias Friedrich (gelbes Trikot) brach der quirlige Gästestürmer Patrick Müller öfters durch, vergab jedoch  wie in dieser Szene. Fotos: Leo Hühnlein
Trotz unbändigen Einsatzes des Gräfenbergers Kapitän Tobias Friedrich (gelbes Trikot) brach der quirlige Gästestürmer Patrick Müller öfters durch, vergab jedoch wie in dieser Szene. Fotos: Leo Hühnlein
+22 Bilder
Rund 200 Zuschauer verfolgten das prestigeträchtige Derby in Gräfenberg, darunter die Konkurrenz aus Hiltpoltstein, Wolfsberg und einiger anderer Nachbarvereine. Die Spitzenpartie der Fußball-Kreisklasse 3 ER/PEG zwischen dem Tabellendritten TSV Gräfenberg und dem Spitzenreiter SpVgg Weißenohe begann mit einer Schweigeminute für beide Lager, die unter der Woche je ein verstorbenes Mitglied zu beklagen hatten.
Weißenohe trauerte um Josef Spiel und der Gräfenberger Abteilungsleiter Karlheinz Peschta würdigte die Verdienste des ehemaligen Vorsitzenden, Spielleiters sowie Spielers Alfred Kellner. Dann begann die Partie, die wegen der Unbespielbarkeit des Hauptplatzes auf dem Ausweichgeläuf vor dem Sportheim ausgetragen wurde. Fehlender Niederschlag und Düngemittel hatten aus dem A-Platz eine Insellandschaft werden lassen.


Stürmischer Auftakt


Mit einer stürmischen Anfangsphase attackierten die Gäste und drängten die verdutzten Gräfenberger während der ersten 20 Minuten sehr weit in die eigene Hälfte. Vor allem Adrian Bayerlein und der quirlige Patrick Müller stellten die verunsichert wirkende Defensive Gräfenbergs unter Druck. Letzterer hatte nach Doppelpass (13.) und einer Einzelaktion gegen TSV-Spielführer Tobias Friedrich (20.), der doch mitwirken konnte, beste Möglichkeiten, fand allerdings im glänzend aufgelegten TSV-Torhüter Markus Dörres seinen Meister. Dörres hielt sein Team mit einigen Paraden im Spiel.

Nach 25 Minuten fingen sich die Gastgeber und beendeten ihr unsortiertes Spiel. Der Elan der SpVgg erlahmte und das Geschehen verlegte sich zwischen die beiden Strafräume. Die Zweikämpfe begannen ruppiger, aber nicht unfair zu werden. Dennoch stieg das Arbeitsaufkommen des Referees an. Bastian Hagers Blackout zwei Minuten vor der Pause brachte den TSV, in Person von Kai Vonau, erstmals gefährlich vor das Weißenoher Tor. Nur wenig später zirkelte der Gräfenberger Spielertrainer Norman Matschke eine Freistoßflanke auf Christian Hohe, der per Kopf in die Mitte auflegte, jedoch verpassten Friedrich und Vonau abermals.

Ein Donnerwetter


Mit Beginn der zweiten Hälfte drehte sich das Spiel komplett, das Donnerwetter auf Seiten der Hausherren schien zu wirken. Stefan Rubner fasste sich nach Zuspiel Matschkes aus 25 Metern ein Herz und sein Fernschuss knallte an die Querlatte (52.).

Die Gäste lauerten auf Konter, meist über Spielertrainer Matthias Senftner, jedoch gaben sie das Mittelfeld kampflos her. Es schien, als habe der erste Durchgang viel Substanz gekostet. Trotzdem schaffte es Müller mit einem selten gewordenen Flankenlauf auf Oliver Schwarz zu legen, der die Kugel jedoch ohne Substanz in die Arme von Dörres hob (57.).

Nach einer Stunde verlor die Partie an Klasse. Nickligkeiten sowie laut von außen hereingebrachte Stimmung peitschte das Geschehen auf. Spielzüge oder Chancen fanden auf keiner Seite mehr statt. Weißenohe schien mit dem Punkt mehr zufrieden zu sein, Gräfenberg hatte bis auf Standardsituationen nichts in der Schublade.
Allerdings hätte Matschke fast mit dem Abpfiff den Siegtreffer erzielt: Aber der Weißenoher Torwart Michael Hauenstein lenkte den Freistoß mit den Fingerspitzen über das Tordreieck.
Unrühmlicher Höhepunkt waren zwei Minuten vor Ende die Gelb-Rote Karte für Schwarz, der wiederholt meckerte, und der Platzverweis (Rot) für Bastian Hager, der nach Ansicht des Unparteiischen von hinten Rubner in die Beine trat.

Der Weißenoher Spielertrainer Matthias Senftner war mit dem Punkt im Großen und Ganzen zufrieden, wie er sagte, konnte aber die Gedanken an die mögliche frühe Führung nicht verhehlen: "Wenn wir hier das 1:0 machen, was wir ja öfters auf dem Schlappen hatten, dann läuft das Spiel sicher anders. Aber hätte uns wer vor der Saison 16 Punkte nach sechs Spielen prophezeit, der wäre wohl für verrückt erklärt worden." Die beiden Situationen, die zu den Platzverweisen führten, habe er nicht sehen können. Jedenfalls kommentierte er diese vorsichtig und diplomatisch: "Ja, meine Gedanken mache ich mir da schon. Hier schlägt vielleicht bei dem einen oder anderen noch die zu große Unerfahrenheit durch, wenn das Spiel mal aus den Fugen läuft. Fußball lebt von Emotionen."
Der TSV-Spielertrainer Norman Matschke war nach Abpfiff hin- und hergerissen, ob er nun einen Punkt gewonnen oder deren zwei verloren hat: "Weißenohe hat uns kalt erwischt und uns mit dem sehr weit in unsere Hälfte verlagerten Pressing auch zugegebenermaßen überrascht. Aber so ganz zwingend war das nach meiner Meinung auch nicht, denn die Möglichkeiten hielten sich in Grenzen. Da hatten wir selbst mit dem Lattentreffer von Stefan Rubner oder dem Freistoß, den der Gästetorwart aus dem Winkel kratzte, die hochkarätigeren Chancen."
Über die am Ende aufkeimende Hektik mit den beiden Platzverweisen wunderte sich Gräfenbergs Coach: "An sich ein faires Spiel mit Derbycharakter halt. Wir haben uns auf dem Rasen öfters miteinander unterhalten. Das kam mehr von außen."


Die Statistik


TSV Gräfenberg -
SpVgg Weißenohe 0:0
TSV Gräfenberg Dörres - Zipko, Simon König, Matschke, Kraus, Friedrich, Hohe, Rubner, Vonau, Leibinger, Leikam, (Bastian Klenner)
SpVgg Weißenohe Hauenstein - Mausner, Stefan Hager, Hibbeln, Bastian Hager, Senftner, Benjamin Bayerlein, Schwarz, Adrian Bayerlein, Spörler, Müller, (Quenzler, Biermaier)

SR Dieter Wolfsberger (Nürnberg)
Zuschauer 200
Gelb-Rote Karte - / Oliver Schwarz (87.)
Rote Karte - / Bastian Hager (87.)


Stimmen zum Spiel



Roland Stang (48)
Der ehemalige Spielleiter des TSV Gräfenberg bilanzierte ohne um den Brei zu reden die Leistung beider Mannschaften: "Am Ende war es eine gerechte Punkteteilung, denn anfangs wurden wir regelrecht von Weißenohe überrannt. Dieses junge Team wird in dieser Form sicherlich bis zum Saisonschluss vorne mitmischen. Wir hatten sogar Glück bei Entscheidungen des Referees, der bei uns öfters mal ein Auge zugedrückt hat."

Raimund Schwarz (47)
Der Vorsitzende der SpVgg Weißenohe ist der Vater von Oliver Schwarz, der kurz vor dem Ende vorzeitig zum Duschen ging: "Wenn man den Spielbeginn und die erste Halbzeit betrachtet, hätten wir in Führung gehen können, ja müssen. Beinahe hätte sich das Auslassen klarster Chancen noch gerächt, denn wir waren danach zu passiv. Die hektische Schlussphase wurde durch unverständliche Entscheidungen hervorgerufen."

Markus Dörres (22)

Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren