Großenseebach
Querläufer (111)

Querläufer wird zum XXL-Mann

Wer bei Läufen in der Region startet, erlebt einiges - auch abseits der Strecke. Jochen Brosig vom FSV Großenseebach erzählt davon in seiner FT-Kolumne. Diesmal: Zwischen Speckwürsten und heißgeräuchertem Schinken.
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Querläufer Jochen Brosig  Foto: privat
Querläufer Jochen Brosig Foto: privat
Gestern bei meinem Lieblingsmetzger Dürrbeck in Dechsendorf. Vor mir gibt eine Kundin ihre Bestellung auf: "Ham´s noch a weng an fettn Bauch?" Mit dem Essen ist das so eine Sache - was schmeckt, ist meistens nicht gesund. Und obwohl es Diäten an jeder Ecke gibt, gab es noch nie so viele Essgestörte, Übergewichtige und Falschernährte. Doch die guten alten Zeiten lassen auch den Querläufer noch schwärmen, als es bei der Oma noch den fetten Schweinebraten gab, die Torte mit guter Butter gebacken wurde und die Sahne im Kaffee alles andere als "light" war. Könnt ihr Euch noch daran erinnern?

Letztes Wochenende beim Winterwaldlauf ging der Querläufer mit vier Kilogramm Mehrbelastung an den Start. Verletzung hin oder her. Es ist einfach Mist. "Und an Markknochen zum Auskochen", holt mich eine Stimme aus meinen Gedanken. Die Verkäuferin ist freundlich und flink.
Wie sieht es heutzutage aus? Bist Du jung, männlich und isst eher unregelmäßig? Single? Deine tägliche Nahrungsaufnahme findet bevorzugt an Orten statt, die mit "M" anfangen: Mama, Mensa, Metzger, McD...? Deine Ernährungsberatung fing im Kindergarten an. Nein, eigentlich schon früher - in der Schwangerschaft. Wir lernen von Ernährungswissenschaftlern, wie ein gesundes Frühstück auszusehen hat: Körnerbrot, Salatblatt, eventuell Gurke und dann gesunde Wurst oder Käse. Ein absolutes No-Go ist ein Toastbrot mit Nutella oder eine Dampfnudel mit Vanillesauce. Und vom Schinken schneiden wir den Speckrand ab.

Das Mehrgewicht des Querläufers drückte zusätzlich zum Trainingsrückstand auf die Zielzeit. Es ist doch einfach so: Aktuell verbrenne ich zu wenig. "A weng a Speckwurst wär ned schlechd. Gibt´s heit Blut- und Leberwürst?" Aha, die Klassiker, denke ich mir. Das dauert wohl noch etwas. Zurück zum Haselnussbrotaufstrich. Dummerweise schmeckt der aber so gut. Boris Becker hat es uns im Fernsehen erklärt. Immerhin war er jahrelang die Nummer 1 in der Tennis-Weltrangliste. Der Schoko-Nuss-Brotaufstrich ist gesund und bei regelmäßigem Verzehr kommst Du damit ganz nach oben. Natürlich wissen wir alle, dass man nicht alles glauben darf, was im Fernsehen kommt. Denn es steckt weder in der Milchschnitte die Extraportion Milch, noch in den Fruchtgummis die wichtigen Vitamine - blöd nur, dass diese Dinge uns schmecken. Und der Hunger ist bei mir wie ein wilder Tiger: Wenn er mich packt, lässt er mich nicht mehr los. Mir knurrt der Magen, und das Verlangen nach Nahrung wühlt in meinen Eingeweiden. "Darf's noch etwas sein?" "Ja, dann nehm´ ich noch a paar Schweinsfüß und zwa Schweinsohren mit." Klingt nicht gerade nach der Atkins-Diät.

Kommen wir jetzt noch mal zurück zur Ernährungsberatung. Nach jahrelanger Beschulung durch die Medien müsste sich doch der Erfolg zeigen. Genau das Gegenteil ist der Fall. Noch nie gab es so viele übergewichtige Kinder, noch nie gab es so viele junge Menschen mit Essstörungen. Der gebetsmühlenartig durch die Medien wabernde Spruch "Think global, eat local" wurde bislang zwar als T-Shirt-Aufdruck gern gekauft, aber im Einkaufskorb der meisten Leute ist er nicht angekommen. Wen wundert's, wenn man Meldungen liest, dass in England immer mehr Appartements ohne Küchen gebaut werden. Kinder haben keine Ahnung, ob sie gerade in einen Kohlrabi oder in einen Apfel beißen. Sie glauben, dass Bären Milch und lila Kühe gefleckte Schokolade produzieren. Wo soll der Bezug zu heimischen Lebensmitteln denn herkommen?

Ich bin dran. Die Verkäuferin wartet auf meine Bestellung: "150 Gramm vom heißgeräucherten Schinken." Oder nehme ich doch lieber von der Oberschale? Mein Lieblingsmetzger hat den besten Schinken. Der Querläufer weiß genau, was gesund für ihn ist und er weiß, was ihm schmeckt. Viele gesunde Gerichte esse ich richtig gerne, andere jedoch absolut nicht. Wenn dann ab und zu einmal etwas Ungesundes dabei ist, eine Schwarzwälder Kirschtorte etwa, dann habe ich keine sündigen Gedanken. Der hat leicht reden, werdet Ihr denken. Na klar. Es kommt immer auf die Menge an. Man muss es ja nicht übertreiben. Und die Bewegung steht an vorderster Stelle. Darauf ein Leberkäs-Weckla vom Metzger. Das schmeckt! Und die Waage kommt in den Keller.

Run happy and smile!

Euer Querläufer

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