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Ebermannstadt
Leichtathletik

Nürnberg war nur der Anfang

Für Babinja Wirth war die DM in Nürnberg trotz Rang 17 ein voller Erfolg. Von dieser Erfahrung wird die 20-Jährige künftig noch sehr viel profitieren - sportlich wie persönlich.
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Die pure Freude: Babinja Wirth vom TSV Ebermannstadt beendete den 3000-Meter-Hindernislauf bei der Deutschen Meisterschaft in Nürnberg auf Platz 17, für die erst 20-Jährige war es die Premiere im Feld der nationalen Frauen-Elite.  Foto: Bernd Schindzielorz
Die pure Freude: Babinja Wirth vom TSV Ebermannstadt beendete den 3000-Meter-Hindernislauf bei der Deutschen Meisterschaft in Nürnberg auf Platz 17, für die erst 20-Jährige war es die Premiere im Feld der nationalen Frauen-Elite. Foto: Bernd Schindzielorz
Bei ihrer Premiere auf einer deutschen Leichtathletik-Meisterschaft der Erwachsenen landete Babinja Wirth auf dem 17. Platz. Dieses Ergebnis ist für die Athletin des TSV Ebermannstadt aber überhaupt kein Grund, um Trübsal zu blasen. Ganz im Gegenteil. "Ich habe hier so viele wertvolle Erfahrungen mitgenommen, die mir für meine zukünftigen Läufe helfen werden", sagt die 20-Jährige im Interview. Sie spricht auch über laute Anfeuerungsrufe, extra angefertigte Fan-Plakate - und über die Tatsache, dass bei einer so "großen" DM doch noch vieles anders ist als bei den Wettkämpfen auf Landesebene.

Frau Wirth, Sie haben zwar Ihre persönliche Bestzeit verpasst und sind "nur" als 17. ins Ziel gekommen.
Waren Sie deshalb ein wenig enttäuscht?

Babinja Wirth: Überhaupt nicht, ich bin so überglücklich, dort dabei gewesen zu sein, dass mir auch jetzt, einen Tag später, noch die richtigen Worte fehlen, um das Erlebte zu beschreiben. Dass ich mit meinen 11:13,52 Minuten es nicht geschafft habe, meine Bestzeit zu knacken, ist nicht schlimm. Ich habe hier so viele positive Erfahrungen mitgenommen, die mich für meine zukünftige Laufbahn sicher weiterbringen.

Vieles dürfte in Nürnberg vor über 20 000 Zuschauern sowieso anders gewesen sein, als Sie es bei Ihren bisherigen Rennen gewöhnt sind...
Auf jeden Fall, das fängt ja schon ganz am Anfang an. Bis spätestens zwei Stunden vor dem Start müssen die Startunterlagen und die Stellplatzkarte abgeholt sein. Die Stellplatzkarte ist ein Kärtchen, das vor dem Lauf abgeben werden muss - ansonsten darf man nicht starten. Schon hier merkt man: Es läuft vieles anders ab. Und vor allem sehr strikter, alles ist zeitlich penibel geplant. Um 14.25 Uhr hatte unser Lauf begonnen. Warm gemacht hatte ich mich ab 13 Uhr, auf dem sogenannten Aufwärmplatz außerhalb des Stadions. Zwischen 13.50 Uhr und 14 Uhr wurden alle Teilnehmerinnen zum Lauf aufgerufen. Um 14.10 Uhr sind wir dann ins Stadion geführt worden, was vor tausenden Zuschauern ein beeindruckender Augenblick mit Gänsehaut-Feeling war.

Freunde und Familie hatten sich ja auch angekündigt. Die dürften von der Bahn aus aber schwer auszumachen gewesen sein?
Doch, ich wusste ja genau, wo meine Familie sitzt, auch während des Rennens habe ich immer wieder meinen Namen von der Tribüne hören rufen. Man glaubt vielleicht, dass es nicht unten ankommt. Aber das täuscht. Kurz vor dem Start haben meine Freunde noch in die kurzzeitige Stille lautstark im Chor 'Auf geht's, Babsi' gerufen. Bevor es auf die 7,5 Runden ging, musste ich deshalb kurz lachen. Sich während eines Hindernis-Rennens aber nochmal auf der Tribüne umzusehen, ist natürlich nicht ratsam. Es kommt ja alle 80 Meter ein Hindernis. Trotzdem saugt man die Atmosphäre auf, es ist einfach ein großartiges Gefühl, vor so einer Kulisse laufen zu dürfen.

Worauf führen Sie zurück, dass Sie am Ende rund acht Sekunden langsamer waren als bei der bestandenen Norm?
Zum einen sind viel mehr Teilnehmerinnen am Start, gerade am Anfang ist das Feld noch dicht beieinander. Das führt dazu, dass man nicht immer komplett auf der Innenbahn laufen kann, sondern eine Bahn ausweichen muss und die Läuferinnen davor auch die Hindernisse ein wenig verdecken. Das ist schon eine Umstellung. Und dann kommt natürlich dazu, dass man sich nicht abhängen lassen will und versucht, dran zu bleiben. Bei so einer fantastischen Stimmung ist das auch nicht schwer, da man förmlich von den tosenden Zuschauern mitgetragen wird. Von außen hatte ich ja diesmal keine Zeitansage, so dass ich nicht genau abschätzen konnte, ob ich das Rennen zu schnell angehe. Letztlich war es wohl so: Ich bin zu Beginn etwas zu forsch gestartet, am Ende ging die Kraft ein wenig aus. In so einem Moment denkt man sich: 'Jetzt einfach die Atmosphäre aufsaugen'. Auch das sind Erfahrungswerte, die mir noch helfen werden.

Apropos Zukunft: Mit 20 Jahren waren Sie mit großem Abstand die jüngste Teilnehmerin. Was darf man von Ihnen in den nächsten Jahren erwarten? Den Angriff auf die nationale Spitze?
Nein, sicher erstmal nicht. Gesa Felicitas Krause, die Siegerin, ist 9:32,20 Minuten gelaufen. Das sind Welten, die zwischen ihr und mir liegen. Sie ist mit dieser Zeit sogar die WM-Norm gelaufen. Ich kann aktuell nicht sagen, wie sich meine sportliche Karriere entwickelt - es gibt eben Faktoren, die schwer beeinflussbar sind, sei es durch die Uni, gesundheitlich oder später beruflich. Außerdem ist es ja mein erstes Jahr bei den Frauen und auf der 3000-Meter-Distanz. Ich stecke meine Ziele bewusst nicht so hoch und möchte lieber einen Schritt nach dem anderen gehen. Irgendwann 10:30 Minuten über diese Strecke zu laufen, wäre ein sehr großer Erfolg.

Und jetzt, nach dem großen Saisonhöhepunkt, steht erstmal Urlaub und Erholung an?
Nein, noch nicht. In Neustadt an der Waldnaab starte ich in zwei Wochen, diesmal über die flachen Strecke ohne Hindernisse. Vielleicht sogar mit zwei Starts, aber das ist mit meiner Trainerin noch nicht entschieden. Das ist der letzte Lauf in der Bahn-Saison. Danach geht es in eine dreiwöchige Sommerpause, ehe die Cross-Läufe beginnen und die Vorbereitung auf die Hallensaison einläuten. Von großen Ruhepausen kann keine Rede sein. Andererseits liebe ich das Laufen so sehr, dass mir eine lange Pause sowieso nicht gut tun würden. Es fehlt eben etwas.

Das Gespräch führte
Tobias Schneider

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