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Ebermannstadt
Infranken-Kick

Kein Platz für Nostalgie in Ebermannstadt

Einst ein Bezirksliga-Duell, nun eine Partie zweier Kreisklassisten: Wenn Ebermannstadt auf Weilersbach trifft, brennt trotzdem immer die Luft - so auch am Sonntag. Und die Gloria weiß um die Gefährlichkeit der "neuen Ebser".
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Beim Saisonauftakt unterlag Ebermannstadt mit 2:4 gegen den TKV Forchheim. Max Wunder (l.) und der inzwischen entlassene Spielertrainer Birol Aksoy luchsten Ali Sakli das Leder ab.  Fotos: Leo Hühnlein
Beim Saisonauftakt unterlag Ebermannstadt mit 2:4 gegen den TKV Forchheim. Max Wunder (l.) und der inzwischen entlassene Spielertrainer Birol Aksoy luchsten Ali Sakli das Leder ab. Fotos: Leo Hühnlein
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Nun ist es endlich soweit, die Fußballer des Spielkreises Erlangen/Pegnitzgrund starten am Wochenende mit vollem Programm in die restliche Saison. Beim ersten Infranken-Kick des Jahres kreuzen in Ebermannstadt der heimische TSV und die Glorianer aus Weilersbach die Klingen. Anstoß ist am Sonntag um 15 Uhr, das Vorspiel der Reserven beider Vereine wird um 13.15 Uhr angepfiffen, auch da steht der Klassenerhalt der Heimelf in der A-Klasse 3 im Fokus.

Früher war vieles besser

Die Nostalgiker unter den Anhängern beider Lager, aber auch die neutralen Zuschauer, die dieses Derby schon immer magisch anzog, schwelgen bisweilen in wortreichen Erinnerungen, wenn an Stammtischen vergangene Duelle zur Sprache kommen. Vor allem die Begegnungen zu gemeinsamen Bezirksliga-Zeiten, als dieses Derby aus dem Umland bis zu 1000 Zuschauer anzog, sind unvergessen.


Doch das ist Schnee von gestern, denn für den heimischen TSV zählen vorerst keine schönen Erinnerungen, sondern nur das nackte Ergebnis. Und dieses sollte anders lauten, als in der Vorrunde beim Weilersbacher 3:1-Sieg, als die Luft im Waldstadion brannte wie in besten Zeiten. Nach früher Gästeführung lagen die Hausherren bis zur Pause mit zwei Foulelfmetern vorne. Acht Verwarnungen und ein Platzverweis sowie mehrere Rudelbildungen hielten den erfahrenen Referee Harald Kauschke auf Trab. Erst das 3:1 durch Dominic Amon kurz vor Abpfiff zwang die Gäste in die Knie.

Roland Beck gibt die Kommandos

Turbulenzen zum Ende der Hinrunde durch vier Niederlagen am Stück und magere 21 Punkte aus 18 Spielen brachten das Aus für Spielertrainer Birol Aksoy beim TSV, der samt Sohn Ali und Co-Trainer Christian Kress nach Trailsdorf wechselte. Komplettiert wurde das halbe Dutzend Abgänge zur Winterpause von René Schrettenbrunner (Röttenbach), Yusuf Öntürk (Jahn Forchheim) und Kevin Kießling (Wichsenstein), dem aber fünf Neuzugänge sowie fünf nachrückende Jugendspieler gegenüberstehen. Abteilungsleiter Stefan Nützel sprach Klartext ("Nicht nur der Trainer ist schuld") und handelte, nun ist wieder Ruhe eingekehrt.

Der Ebermannstadter Roland Beck, der früher selbst das TSV-Trikot trug und zuletzt zehn Jahre Chefcoach bei der SpVgg Dürrbrunn-Unterleinleiter war, steht nun gegen Weilersbach vor seiner Pflichtspiel-Premiere als neuer Trainer: " Die Mannschaft hat es mir sehr leicht gemacht und mich hervorragend aufgenommen. Mit der Vorbereitung war ich sehr zufrieden, wir hatten eine hohe Trainingsbeteiligung, sehr gute Stimmung und konzentrierte Arbeit, zudem gute Testspiele."

Die primären Ziele bis Saisonende werden Beck durch die Situation vorgegeben, in die sich die Mannschaft manövrierte: "Wir wollen schnellstmöglich punkten, so den Negativtrend stoppen und Konstanz reinbringen. Die Mannschaft hat mich von ihrer Art und Weise positiv überrascht und regelt viele Dinge selbstständig. Wenn diese Mentalität auch auf den Platz übertragen werden kann, dann steckt genügend Potenzial in ihr."

Der Kader sei vollzählig, alle Mann wären an Bord, erklärt der selbstständige Versicherungskaufmann beim Blick auf das Spiel: "Weilersbach ist ein schwerer Gegner, ich habe großen Respekt vor der bisherigen Leistung der Gloria, der Tabellenplatz spricht Bände." Im Schlusssatz ist die steigende Anspannung förmlich zu spüren: "Es ist im Kreis eines der interessantesten und intensivsten Derbys überhaupt", sagt der 38-Jährige und grinst vielsagend: "Das habe ich mehrfach am eigenen Leib erfahren."

Bergmann weiß um die Brisanz

Durch die Intensität des Hinspiels hat auch Gloria-Coach Christian Bergmann erkannt, wie wichtig diese Partie für beide Reihen ist: "Wer beim Derby in der Vorrunde in Weilersbach war, weiß, welchen Stellenwert dieses Derby für beide Teams hat. Es ging schon heiß her und das erwarte ich auch am Sonntag. Ebermannstadt will bestimmt Revanche für unseren Sieg, der aber verdient war."

Nach dem Weilersbacher Blitzstart mit fünf Siegen in Folge kam die erste Saisonniederlage Anfang Oktober beim 0:3 gegen den TKV Forchheim. Diese brachte die Gloria aus dem Rhythmus, denn bis Mitte November gelangen nur noch ein Sieg und vier Remis binnen acht Spielen, sodass wichtiger Boden verloren ging.

Stockende Vorbereitung

Mit der Wintervorbereitung war Bergmann alles andere als zufrieden: "Durch die Grippewelle und gesperrte Plätze sowie Urlauber bei uns war ein systematischer Ablauf kaum möglich. Ob unsere Alternativen ausreichende Fitness brachten, werden wir sehen. Zumindest sind außer Markus Nagengast, der mit Bänderriss ausfällt, alle dabei."

Die Zuschauer könnten sich auf ein packendes Derby freuen, orakelt der ehemalige Regionalliga-Keeper der Club-Amateure, Spannung sei garantiert: "Die Ebser werden ihrem neuen Trainer außerdem gleich zeigen wollen, was sie alles können. Aber wir wollen unseren dritten Platz behaupten so lange es geht, denn wenn einer der beiden Vorderen schwächelt, dann sind wir da. Auch wenn diese schon recht oft schwächeln müssten", zeigt sich auch der 32-Jährige als Meister des hintergründigen Humors.

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