Ebermannstadt
Infranken-Kick

Günther winkt bei Sturm und Wind

648 Tore in über 600 Spielen: Günther Sturm hält noch immer den Vereinsrekord beim TSV Ebermannstadt, seit vielen Jahren steht er unentwegt mit der Assistentenfahne an der Seitenlinie - und weiß genau, warum es wieder so gut läuft.
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Schiedsrichter Dominik Nögel (l.) begrüßt TSV-Ikone Günther Sturm per Handschlag vor dem Spiel an der Linie und reicht ihm sein Arbeitsgerät.  Foto: Leo Hühnlein
Schiedsrichter Dominik Nögel (l.) begrüßt TSV-Ikone Günther Sturm per Handschlag vor dem Spiel an der Linie und reicht ihm sein Arbeitsgerät. Foto: Leo Hühnlein
Der TSV Ebermannstadt triumphierte beim InFranken-Kick aus der Kreisklasse 2 mit 4:1 gegen den SV Poxdorf, trotz eines Durchhängers im ersten Abschnitt. Der TSV scheint, vor allem durch die Rückbesinnung auf die Nachwuchsarbeit, auf dem Weg zurück zu alten Pfaden.

Einer, der den Höhenflug fast bis in die Landesliga, aber auch den Absturz der Ebser bis in die Niederungen der A-Klasse binnen der vergangenen drei Jahrzehnte direkt miterlebte, ist Günther Sturm. Der 73-jährige pensionierte Polizeibeamte aus Ebermannstadt hält mit 648 Toren in über 600 Pflichtspielen noch immer den Vereinsrekord und stand in jungen Jahren einst für Viktoria Aschaffenburg auf dem Rasen. Seit dem Bau der Sportanlage Anfang der 70er Jahre und der Beendigung der eigenen Karriere steht die wahre Fußballer-Ikone aus der Fränkischen Schweiz bei den Heimspielen als Linienrichter auf der Gegengeraden.
TSV-Abteilungsleiter Stefan Nützel weiß: "Nichts ist sicherer, der Günther winkt seit über 40 Jahren, egal, ob Sturm oder Wind."

Herr Sturm, Ihre Mannschaft siegte vom Endergebnis her deutlich mit 4:1. Ist das Resultat in der Höhe gerecht?
Günther Sturm: Wir haben ein gutes Spiel gezeigt, wie ich finde. Ob es gerecht ist, ist eine andere Frage, zumindest siegten wir verdient. Sicher gibt es immer etwas, was man anders hätte machen können, aber wenn man letztendlich daheim vier Tore macht und einen sicheren Sieg holt, dann kann man auch mal zufrieden sein.

Zwischenzeitlich sah es aber nicht so deutlich aus, vor allem im ersten Abschnitt war die Partie relativ ausgeglichen. Woran lag das?
Vielleicht gingen wir zu früh in Führung. Das kann bei einem sehr jungen Team manchmal dazu führen, dass das Spiel dann zu leicht genommen wird. Die Spieler glauben, es laufe schon irgendwie. Die Gäste haben dies erkannt und verstrickten uns in Zweikämpfe. Mit ihren erfahrenen Leuten holten sie oft Freistöße heraus, unser Spielfluss ging dabei verloren. Poxdorf stand anfangs aber auch kompakt, Fußball ist ja bekanntlich kein Spaziergang.

In der zweiten Halbzeit lief es dann aber besser. Was war der Grund für den Umschwung?
Eine jüngere Mannschaft ist zwar klarerweise unerfahrener im Vergleich zu Spielern um die 30 Jahre, aber oft kann sie diese Routine durch körperliche Fitness im späteren Spielverlauf kompensieren. So ähnlich sah ich es auch in diesem Spiel. Als die Führung gelang, bekamen wir Oberwasser, unsere Jungs legten nach und spielten den Sieg sicher nach Hause. Da hat man ansatzweise schon gesehen, dass die Mannschaft wieder einen Schritt weiter auf dem richtigen Weg ist.

Das klingt fast so, als deuten Sie ein klares Ziel an: Wird intern denn über einen eventuellen Aufstieg gesprochen?
Was innerhalb der Mannschaft oder den Funktionären genau gesprochen wird, kann ich nicht sagen. Sicher ist aber, wenn man sich die Entwicklung ansieht und verfolgt, wie genau diese Schritte geplant sind, da steckt System dahinter. Mit der Rückkehr von Roland Beck wurde genau der richtige Trainer geholt, man erkennt bereits seine Handschrift und sieht schon jetzt, wie er die Leute nicht nur fußballerisch, sondern auch taktisch hat reifen lassen.

Welche Veränderungen erkennen Sie denn auf fußballerischer oder taktischer Ebene?
Die Räume, vor allem die Flügelzangen, werden besser genutzt. Immer dann, wenn unsere Angriffe über außen bis zur Grundlinie kamen und der Ball dann zurückgelegt wurde, waren wir am gefährlichsten. Die Leute für solche Tempovorstöße haben wir ja, sie sind auch körperlich gereift und können sich durchsetzen. Außerdem sind wir personell flexibel. Wie man heute gesehen hat, sind verschiedene Leute torgefährlich. Da werden es andere schwer haben.

Heißt das Motto zukünftig dann immer: nix zu holen bei den Ebser Fohlen?
Wenn Fußball so einfach auszurechnen wäre, dann wäre ja nichts dabei. Wir profitieren von den Veränderungen, die die sportliche Leitung vor Jahren angestrebt hat. Nicht mehr jeder Verein im Umkreis hat eine durchgängige Nachwuchsarbeit von der F- bis zur A-Jugend. Die Geduld, die Ruhe, die hier bewahrt wurden, haben sich gelohnt. Apropos Geduld: Dass die Jungs taktisch reifer sind, sieht man daran, dass sie über die Spielzeit nicht mehr so hektisch werden. Sie haben gelernt, dass sich Geduld oft noch auszahlt.


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