Gößweinstein
Infranken-Kick

Gößweinsteins zweckloser Endspurt

Für Gößweinstein setzt sich der negative Trend fort: Gegen Weingarts verliert der Aufsteiger mit 2:3, warf aber alles in die Waagschale, was nötig war: An fehlender Leidenschaft und Einsatzwillen hat es zumindest nicht gelegen.
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Sebastian Friedl bringt seinen Ex-Trainer Jens Zweck (rotweiß) im Strafraum zu Fall. Es gibt folglich Elfmeter, den Gößweinstein jedoch vergibt.  Fotos: mgo
Sebastian Friedl bringt seinen Ex-Trainer Jens Zweck (rotweiß) im Strafraum zu Fall. Es gibt folglich Elfmeter, den Gößweinstein jedoch vergibt. Fotos: mgo
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Auch die Brechstange half am Ende nichts mehr, die von der DJK in der ersten Hälfte als Grundstock gelegte 2:0-Führung noch wettzumachen. Weingarts entführte in der Kreisliga 2 die drei Punkte nicht unverdient, da die Gastgeber im ersten Abschnitt zu wenig Gegenwehr leisteten. Pech hatte der SV mit einem vergebenen Elfmeter und einem Lattentreffer nach Freistoß in der Schlussphase. Spielertrainer Jens Zweck, der beide Treffer für Gößweinstein erzielte, sieht kommenden Sonntag in der Heimpartie gegen zuletzt verbesserte Troschenreuther einem richtungweisenden Spiel für die weitere Saison entgegen: "Da müssen drei Punkte her, sonst wird es langsam eng."

Bedingt durch das nasskalte Wetter mit Dauernieselregen pilgerten keine Heerscharen an Fußballfans in den Wallfahrtsort.
Dennoch sahen, begünstigt durch die Ausfälle auf den Nachbarplätzen, 130 Zuschauer ein bis zum Abpfiff spannendes und temporeiches Spiel, das technisch ansprechende Kost bot. Trotz der widrigen Umstände lieferten sich beide Mannschaften auf dem rutschigen Geläuf ein ansehnliches Spiel und hatten überraschend wenig Probleme mit Ballstafetten oder direktem Zuspiel.

Nur keinen Fehler machen

Etwas vorsichtig agierten beide Reihen am Anfang, um ja nicht den ersten Fehler zu machen. Tobias Grasser ging dafür etwas unvorsichtig in seinen ersten Zweikampf und holte sich mit zu viel Schwung auf dem schmierigen Untergrund prompt schon in der vierten Minute den gelben Karton ab, was ihn in der Folge zu mehr Zurückhaltung zwang.

Ein Seufzer der Erleichterung durchfuhr die Anhänger der Heimelf, als die Flanke von Sebastian Friedl an den Fäusten von Keeper Andreas Stenglein vorbeiflog, aber auch dahinter keinen Schaden anrichtete (13.). Bis dahin war das Spiel trostlos wie das Wetter.

Die erste Großchance hatten die Gäste. Michael Antes schlug die Kugel quer aus dem Halbfeld auf den Kopf von Matthias Werner, der direkt Florian Erlwein in der Mitte bediente. Den klugen Kopfball gegen die Laufrichtung parierte Torwart Stenglein mit prima Reflex auf der Linie, und den Nachschuss aus acht Metern verzog Manuel Oßmann über den Kasten (18.). Ein Freistoß aus gut 30 Metern zum SV-Tor brachte die Gästeführung. Friedl schnappte sich dir Murmel und zog ein Pfund ab, nachdem Gößweinstein weitestgehend auf eine breite Mauer verzichtete. Die Flugkurve driftete ausgerechnet Richtung Tormitte, als Andy Stenglein einen Schritt in die Ecke ging und mit den Fingerspitzen nicht mehr an den Ball kam (21.). Selbstkritisch nahm der Unglücksrabe den Treffer auf seine Kappe: "Den muss ich halten."

Eine ganz andere Partie

Endlich nahm das Spiel Fahrt auf. Antes versuchte es auch aus der Ferne (24.). Im Gegenzug warf sich Hannes Siebenhaar in einen Schuss von Mathias Händel und blieb benommen liegen. Eine weitere Flanke über Friedl brachte das 0:2, als der grätschende Thomas Helldörfer zu kurz kam und Erlwein die Kugel ins Netz bugsierte (32.). Kurz danach mutierte der SV-Kapitän vollends zum Pechvogel. Friedl hatte Jens Zweck gelegt, Helldörfer trat zum Elfmeter an und zielte nicht mal schlecht, aber DJK-Keeper Daniel Krause kratzte das Leder glänzend aus dem Eck (34.). Krause hatte in der Folge redlich zu tun und fischte einen Freistoß von Michael Stenglein aus dem Winkel (36.), und als Stenglein per Hacke Marcel Zweck einsetzte und dieser sofort abzog, parierte der DJK-Keeper den dritten Ball binnen weniger Minuten glänzend (39.). Gößweinstein drückte jetzt, aber ohne Fortune. Bei einer Rettungstat knallte Friedl samt M. Stenglein an den Pfosten, als beide versuchten einen knapp am Torgestänge passierenden Ball von Marcel Zweck zu erreichen (42.).

Schneller Anschluss

Die erste Chance nach der Pause hatte Weingarts, das Tor machte der SV. Jürgen Probst fasste eine zu kurze Abwehr der DJK direkt ab, aber diese blieb hängen. Geistesgegenwärtig staubte Jens Zweck aus sieben Metern zum 1:2-Anschlusstreffer ab (49.). Eine strittige Szene erregte die Gemüter der Heimelf auf dem Rasen und den Rängen, als Referee Christian Theisgen einen Zweikampf zwischen Antes und Kevin Brendel vom Strafraumrand nach innen legte und auf Elfmeter entschied. Erlwein ließ sich die Chance zum 1:3 nicht entgehen (56.).
Der SV steckte nicht auf, und die DJK hatte Glück, dass ein herrlich getimter Freistoß von Michael Stenglein in Reus-Manier denkbar knapp am Winkel vorbeizischte (65.). Zwei Minuten später wird Antes auf dem Weg zur Vorentscheidung gemeinsam von Grasser und Brendel sowie Keeper Andy Stenglein geblockt. Nachdem M. Zweck auf und davon stob und nur auf Kosten eines taktischen Fouls gebremst werden konnte, knallte der fällige Freistoß von M. Stenglein an die Querstange, jedoch war Patrick Thürmer vom Abpraller zu überrascht und vergab (71.). Die nächste strittige Szene, der nächste Elfer. Aber diesmal auf der anderen Seite. Jens Zweck fällt nach Gerangel und bekommt den Strafstoß, obwohl der am Trikot gezupfte Jonas Haller ein Stürmerfoul erwartete. Der SV-Spielertrainer verkürzt selbst auf 2:3 (72.) und läutete mit einem Drehschuss die Schlussphase ein (75.). Beim Konter über Antes, der auf Haller auflegte, konnte sich Andy Stenglein nochmals per Faustabwehr auszeichnen (78.). Zweimal Antes, sowie Erlwein in einem Angriff verpassten gegen die offene SV-Abwehr, den Sack zuzumachen (80).

Mit dem Mut der Verzweiflung setzte Gößweinstein die Brechstange aus hoch geschlagenen Bällen ein, und Keeper Stenglein, ein gelernter Angreifer, stürmte in den letzten Minuten mit nach vorne. Es half nichts.

Die Meinung der Trainer

Norbert Hofmann, der in den letzten Minuten seine Mannschaft energisch von außen dirigierte, war insgesamt zufrieden: "Wir haben die erste Halbzeit klar beherrscht und uns insgesamt den Sieg verdient. Für die Bodenverhältnisse war es eine klasse Kreisligapartie und beide Reihen gingen bis an ihre Grenzen." Der DJK-Trainer sah aber auch ein paar kritische Ansatzpunkte: "Wir brachten den SV selbst wieder ins Spiel, weil wir in der zweiten Hälfte zu viele einfache plumpe Fouls gemacht haben, obwohl ich vor den Standards gewarnt hatte. Außerdem haben wir nach dem 2:3 den vorzeitigen Sieg bei einigen Chancen leichtfertig liegen gelassen. Das kann sich in einem Kampfspiel rächen."

Jens Zweck gab nach dem Duschen erstmal Sebastian Friedl für dessen "Gastgeschenk" einen Klapps auf den Hinterkopf und analysierte die für ihn bittere Niederlage: "Wir haben den Anfang irgendwie verschlafen, waren danach aber klar die bessere Elf. Unseren Rückstand mit zwei Toren haben wir selbst verursacht, aber danach nicht aufgesteckt. Es zeigt, dass die Moral in der Mannschaft stimmt und wir einen guten Teamgeist haben." Für seinen Kapitän tut es Zweck mit dem vergebenen Elfer besonders leid, da er sonst ein sicherer Schütze ist und sich immer in den Dienst des Teams stellt: "Die zweite Halbzeit stimmt mich positiv. Hier haben wir gezeigt, dass wir mit Maigisch mehr als mithalten konnten, nur klebte uns das Pech an den Stiefeln."
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