LKR Forchheim
Mädchenfußball

Girlpower aus dem Landkreis

Lisa Ebert hat sich in der U16-Nationalelf etabliert. Dass dieser Weg schwer wird, wissen auch die Wagner-Schwestern oder die Freundinnen Sissy und Lea.
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Das Nationaltrikot tragen zu dürfen, bedeutet für Lisa Ebert eine große Ehre. Das Bild zeigt die 15-Jährige in einem Länderspiel für Deutschland.  Foto: privat
Das Nationaltrikot tragen zu dürfen, bedeutet für Lisa Ebert eine große Ehre. Das Bild zeigt die 15-Jährige in einem Länderspiel für Deutschland. Foto: privat
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Immer wieder schaffen es Jugendliche aus der Region ins sportliche Rampenlicht. Doch der Ruhm ist nur eine Seite der Medaille: Welch organisatorischer Aufwand sich oft hinter dem Erfolg verbirgt - für Kinder und Eltern gleichermaßen - ahnen die Wenigsten.

Im Landkreis Forchheim schlummern viele Fußball-Talente, deren Fähigkeiten zunehmend von den Scouts höherklassiger Vereine wahrgenommen werden. Schon vor Roberto Hilbert - der Forchheimer Profi schaffte es 2007 bis in die Nationalelf - galt der einstige Fußballkreis Erlangen-Forchheim (heute Erlangen-Pegnitzgrund) als lohnendes Revier der Sichter. Diese schätzen neben der soliden Basisarbeit der Jugendtrainer innerhalb der hiesigen Vereine auch die oft qualitativ hohe Ausbildung vor Ort.


Lisa Ebert: Den Adler im Herzen

Aber nicht nur die männlichen Jungkicker erregen die Aufmerksamkeit der Späher, zuletzt standen immer
mehr fußballspielende Mädchen in deren Fokus. Über Talentscouts und die Sichtungslehrgänge scheint das Forchheimer Umland und die Fränkische Schweiz zunehmend zur Schmiede der Mädchen- und Frauenmannschaften beim 1.FC Nürnberg zu werden - und selbst dort muss der Weg noch lange nicht zu Ende sein, wie Lisa Ebert inzwischen weiß.

Die erst 15-jährige Ebermannstädterin kickt in dritter Saison in den Nachwuchsmannschaften beim Club und führt derzeit die interne Torschützenliste der Nürnberger B-Juniorinnen in der Bundesliga-Süd mit acht Treffern an. Seit vergangenem Herbst hat sich Lisa, die im Juli 16 Jahre alt wird, nun auch im DFB-Kader der U16-Nationalelf und bei Bundestrainerin Ulrike Ballweg etabliert. Seither bestritt sie schon fünf Länderspiele und erzielte im November im englischen Burton-upon-Trent, im erst zweiten Match mit dem Adler auf der Brust, ihr erstes Länderspieltor für Deutschland beim 7:0-Erfolg gegen die Britinnen: "In dem Moment war ich irgendwie baff, es fühlte sich so unwirklich an, aber es war ein super Gefühl." Im Februar siegten die deutschen U16-Juniorinnen erstmals beim "UEFA Development Tournament", einem Vier-Länderturnier in Portugal. Mittendrin: Wieder Lisa. Auch dort spielte sie eine wichtige Rolle auf dem Weg zum Turniersieg. Denn gegen die Niederlande verwandelte sie nach dem regulären 1:1 den entscheidenden Strafstoß zum 4:2-Sieg im Elfmeterschießen: "Keine wollte so wirklich zum Punkt. Da fragte mich die Bundestrainerin, ob ich mich gut fühle und treffe und ich sagte einfach: Ja." Es folgten ein souveräner 5:0-Erfolg gegen Schottland und der 2:0-Sieg im dritten und entscheidenden Spiel gegen die favorisierten Französinnen. Mama Kerstin ist meist dabei und hat ein wachsames Auge auf die Karriere ihrer Tochter.

Josef Nützel, einer der ersten Trainer Lisas beim Heimatverein TSV Ebermannstadt, ist davon überzeugt, dass ihr Erfolgsweg noch weiter geht: "Lisa war schon im frühen Schulalter mit sieben oder acht Jahren mit Begeisterung dabei. Sie jonglierte da schon besser als die gleichaltrigen Jungs und maß sich meist auch in der Halbzeitpause der Herrenmannschaft vor dem Tor mit ihnen. Lisa ist eine wirkliche Vollblut-Fußballerin und hatte immer ihren eigenen Ball am Sportplatz dabei. Inzwischen pfeift sie sogar als Schiedsrichterin, wir beim TSV Ebermannstadt sind sehr stolz auf sie."



Wagner-Schwestern: der Papa als Chauffeur

Gleich drei Fußballerinnen in der Familie hat Rainer Wagner, der 1. Vorsitzende des SV Hetzles. Die Töchter Lisa, Marie und Julia jagen dem Leder nach. Lisa (21) und Marie (18), beides Mittelfeldspielerinnen, sind im Vorjahr mit der Frauenmannschaft des Heimatvereins Meister geworden und in die Kreisliga aufgestiegen, zudem holten sie mit den Hetzleserinnen den Kreispokal und fingen bereits 2004 gleichzeitig im Mädchen-Team beim SV an, wie Papa Rainer berichtet: "Lisa holte zwei Mal den KJR-Pokal. Marie glänzte als Torschützenkönigin und schoss als Mittelfeldspielerin in einer Saison 27 Tore."

Julia, mit 15 Jahren die jüngste des Trios, fing zunächst bei den Jungs zum Kicken an. Es folgte ein Jahr in der Mädchenmannschaft in Hetzles, bevor sie danach in die U13 des 1. FC Nürnberg wechselte und dort gleich richtig gefordert wurde: "Wir spielten ausschließlich gegen Teams mit Jungs, schafften aber trotzdem gleich als Vizemeister den Aufstieg." Auch in der Folge heimste sie weitere Titel ein: Als Spielerin der Regionalauswahl Nordbayern gewann Julia die bayerische Meisterschaft in der Halle und im Feld, mit der U15 des Club holte sie neben der bayerischen Hallenmeisterschaft noch zwei Mal die Bezirksmeisterschaft.

Dass Papa Rainer mächtig stolz auf seine drei kickenden Mädels ist, versteht sich von selbst, obwohl er den eigenen Tagesablauf - vor allem als Chauffeur - häufig dem seiner Töchter unterordnen musste und noch muss. Gerade war er wieder in dieser Mission unterwegs, er fuhr mit Julia nach Würzburg zum Bayernligaspiel der U17-Juniorinnen: "Ihr wohl größter Erfolg bislang war sicher der Titelgewinn beim 6. Internationalen Cordial Girls Cup 2015 in Österreich. Das ist ein sehr bedeutendes internationales Turnier, eines der größten Nachwuchsturniere in Europa mit namhaftem Teilnehmerfeld, das Endspiel verfolgten 6000 Zuschauer." Der Club bezwang die Mädels des MSG Bad Vilbel mit 3:2 im Elfmeterschießen. Weitere Turniergegner waren der weibliche Nachwuchs vom 1.FC Köln, des VfL Wolfsburg und der TSG Hoffenheim. Auch aus den USA war mit dem FC South Coast Strikers ein Team vertreten.

Der Tagesablauf von Julia, die Anfang Mai 16 Jahre alt wird, klingt stressig. In der Berthold- Brecht-Schule in Nürnberg beginnt der Tag drei Mal die Woche mit Fußballtraining. In dieser Schule für Leistungssport endet der allgemeine Unterricht deshalb erst um 15.30 Uhr, gleichzeitig findet aber auch das Training der U17 des FCN unter Coach Osman Cankaya dort statt - ebenfalls dreimal wöchentlich. Aktuell wurde Julia mit der U17 II Herbstmeister in der Bayernliga und hatte in der ersten U17-Garnitur auch bereits einen Bundesligaeinsatz. Dort spielte sie auf der klassischen "Sechser-Position" vor der Abwehr.



Sissy & Lea: Mit 13 Jahren schon gescoutet

Noch ganz am Anfang ihrer sportlichen Laufbahn stehen die zwei 13-jährigen Freundinnen Sissy Mück aus Langensendelbach und Lea Kuhler aus Igensdorf. Immerhin sind beide aber trotz ihrer sehr jungen Jahre schon in den Fokus der Talentscouts gerückt und haben bereits überregionale Sichtungslehrgänge hinter sich. Derzeit sind sie zudem die einzigen beiden Mädels bei den abwechselnd in Höchstadt und auf der Forchheimer Sportinsel ablaufenden Stützpunkttrainings.

Das Interesse am Fußball kam bei Lea Kuhler als Zuschauerin: Ihr zwei Jahre älterer Bruder Max spielt beim ASV Forth, Lea schloss sich zeitnah der Mädchenmannschaft beim FC Stöckach an. Doch sie wollte mehr gefordert werden. In Absprache mit den Eltern wechselte sie zum SK Lauf, wie Mama Claudia berichtet: "Sie kickt inzwischen in der U13 mit den Jungs zusammen. Wir müssen halt das Hinbringen irgendwie organisieren." Besonders gefällt Lea in Lauf, dass im Training zwischendurch untereinander noch Späße machbar sind, während beim Stützpunkttraining ein anderer Wind weht: "Es ist ganz normal, dass dort deutlich mehr gefordert wird, wir sind es von Anfang an gewohnt. Unsere beiden Auswahltrainer bringen uns mit erfolgsorientierteren Übungen im Training sehr viel bei. Aber auch mein Laufer Trainer ist gut, es macht halt Spaß dort." Nachdem auch Lea die erste Hürde mit der Regionalauswahl Nordbayern bereits bestanden hat, wirkt ihr nächstes Ziel fast schon bescheiden: "Mein primärer Wunsch wäre die Berufung zur Bayernauswahl im Jugendbereich."

Bei Sissy Mück erwachte die Leidenschaft zum Fußballsport auf dem Pausenhof. Eine halbe Stunde vor Unterrichtsbeginn balgte sie sich vor allem mit den Jungs um das runde Leder. Dennoch wuchs ihr Wunsch, organisiert im Verein zu kicken, erst verhältnismäßig spät mit elf Jahren: "Ich wollte zusammen mit anderen Mädels kicken und bin deshalb zur SpVgg Erlangen gegangen." Bald folgte die Berufung in die Regionalauswahl in Rottendorf, im vergangenen Jahr wurde Sissy Mück sogar schon in die Sportschule Oberhaching zum Sichtungslehrgang der Bayernauswahl eingeladen. Papa Ralf freut sich über das Erreichte, ist sich aber bewusst, dass es noch ein weiter Weg mit vielen Entbehrungen wäre und nicht jedes "Wunderkind" bis zum Ende dabeibleibt: "Der Aufwand, der dort betrieben wird, ist schon enorm. Das fängt bei den Übungen an. Die Kinder werden darauf vorbereitet, dass sie viel Zeit und Geduld mitbringen und gegenüber Gleichaltrigen auf einige Freizeitaktivitäten verzichten müssen." Nach einem Testspiel mit der U17 gegen die Mädels des FCN stellte Sissy fest: "Es war nicht so, dass ich wesentlich schlechter war." Aber einen Wechsel nach Nürnberg schließt sie (noch) kategorisch mit Augenzwinkern aus: "Als Bayern-Fan kann ich schlecht zum Club." Kann sich ja aber noch ändern.
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