Florian Ott vom Schachclub Forchheim hat bei der Deutschen Meisterschaft der Unter-18-Jährigen in Magdeburg den Titel gewonnen. Als krasser Außenseiter angetreten, setzte sich der 17-Jährige mit 6,5 Punkten aus neun Partien durch. Dank strategischer Vorbereitung und kämpferischer Herangehensweise behielt er die Oberhand gegen die versammelten Favoriten.

Die besten Nachwuchsspieler

"Ein Spitzenergebnis, das man vor der Turnierwoche so nicht unbedingt erwarten durfte", fasst es FIDE-Meister Manfred Heidrich zusammen. "Schließlich waren dort die besten Nachwuchsspieler Deutschlands, einige bereits mit Bundesliga-Erfahrung", erklärt der SC-Vorsitzende und Kapitän der Bundesliga-Mannschaft. Obwohl sich Ott gegen Fabian Brinkmann (SV Werder Bremen) - wie so oft in der ersten Runde - ein wenig schwer tat, zwang er seinen Gegner im sogenannten Läuferendspiel in eine Niederlage und holte sich den ersten Zähler.
In der zweiten Begegnung gegen Hans Möhn (USV TU Dresden) entwickelte sich ein spannender Kampf. "Ich war zwar mit meiner Stellung unzufrieden, stand aber nie schlechter und hatte sogar eine taktische Möglichkeit ausgelassen. Als ich Druck ausgeübt habe und er in Zeitnot kam, zeigte er Nerven", analysiert der neue Deutsche Meister.
In Runde 3 musste er gegen den ersten Hochkaräter, Lev Yankelevich von der SG Trier, spielen. Die Partie lief sehr gut, der Forchheimer stand schnell deutlich besser. Dann spielte er mehrmals ein wenig ungenau und nahm aufgrund von Zeitmangel ein Remis an.
In der vierten Partie trat Florian Ott gegen den ersten der Setzliste an, Jonas Lampert vom Hamburger SK. Nach 15 Zügen hatte der Gymnasiast eine bessere Stellung und 40 Minuten mehr auf der Uhr. Er übersah jedoch einen möglichen Gewinn und die Partie verflachte zum erneuten Unentschieden, das einen halben Punkt einbringt.

Gegner wird leichtsinnig

Als Ott in der fünften Runde die Partie gegen Nick Müller (USV Potsdam) bei beiderseitigen Zeitproblemen undurchschaubar verkomplizierte, opferte sein Gegner leichtsinnig eine Figur. Der Nachwuchsspieler, der ab Herbst in der Bundesliga-Mannschaft auf "Damenjagd" geht, setzte sich durch.
Im sechsten Spiel gegen Julian Grötzbach (Hamburg) verpasste er seine Chancen und wurde Matt gesetzt. In Partie Nummer 7 lockte der SC-Jugendspieler Danijel Gibicar (SK Bebenhausen) in eine Art Igelstellung, mit dem Wissen, dass dieser mit dieser überhaupt nicht vertraut ist. Promt übersah Gibicar ein typisches Manöver und verlor bereits in der Eröffnung einen Bauern und später das Spiel.
"Die achte Runde war das Highlight des gesamten Turniers. Es gelang mir in einer packenden Partie, den Mitfavoriten Johannes Carow zu schlagen", sagt Ott. Gegen den FIDE-Meister vom SF Heidesheim wählte er eine ihm eher unbekannte Variante. Es entstand eine undurchschaubare Stellung, doch der Forchheimer hatte Zeitvorteil und Carow verlor in der Not den Faden und schließlich den Punkt.

Remis reicht zum Sieg

Nach dem unerwarteten Sieg musste er in der Finalrunde gegen Emil Powierski (Elmshorner SC) spielen. "Mir war klar, dass Emil ein starker Gegner ist, der auf Gewinn spielt", so Florian Ott. Nach der Eröffnungsphase stand der Forchheimer sicher, allerdings verflachte die Partie in eine Remisstellung. "Da Jonas Lampert an Brett 1 gegen Nick Müller nur einen halben Punkt geholt hat, war mir klar, dass das der Titel sein musste", erinnert sich der 17-Jährige. "Als 15. der Setzliste zu gewinnen, ist sicher etwas Einzigartiges. Mein großes Ziel, einmal eine Europa- oder Weltmeisterschaft zu spielen, wird Realität." Nun geht es für den frisch gebackenen U18-Meister nach Georgien oder Südafrika.