Heroldsbach
Fußball

Charakterstärke der SpVgg Heroldsbach

Disziplin und Teamfähigkeit führten die Heroldsbacher in der Kreisklasse 2 zur Meisterschaft. Nach 20 Jahren geht es nun endlich wieder in die Kreisliga.
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Nach 20 Jahren zurück in der Kreisliga: Die SpVgg Heroldsbach verdiente sich die Meisterschaft in der Kreisklasse 2.  Foto: Uwe Kellner
Nach 20 Jahren zurück in der Kreisliga: Die SpVgg Heroldsbach verdiente sich die Meisterschaft in der Kreisklasse 2. Foto: Uwe Kellner
Zusammen mit Hausen und Wimmelbach wechselte die SpVgg Heroldsbach von der Kreisklasse 1 in die Kreisklasse 2. Auf diesem Weg umging der Kreisklassist die erwartet starken und unberechenbaren zweiten Mannschaften des ATSV Erlangen, SC Eltersdorf und weitere. "Auf der anderen Seite war die neue Liga für uns auch die weitaus interessantere und attraktivere Klasse", sagt Trainer Stefan Hiltl im Rückblick. Während in der 1er-Gruppe acht von 16 Teams Reserven waren, gab es in der 2er-Staffel lediglich eine davon.

Nicht explizit aufgrund des Ligenwechsels, sondern vor allem wegen der Entwicklung, die die SpVgg in den ersten drei Jahren unter Hiltl genommen hat, war das Ziel des Trainers der Aufstieg beziehungsweise das Mitspielen um diesen Erfolg. "Wie es dann am Ende läuft, kann man ja nie voraussagen."


Disziplin und Teamfähigkeit

Seit gut 25 Jahren wohnt Hiltl in Heroldsbach, als Spieler ist er dennoch nie für den Verein aufgelaufen. Erst als sein Junior in der Jugend zum Kicken anfing, war der Vater bald in der Jugendarbeit als Trainer aktiv. Im Sommer 2013 folgte das Engagement bei der Ersten. "Ich als einheimischer Trainer mit vielleicht einer anderen Einstellung zum Fußball, daran musste sich die Mannschaft erst gewöhnen", sagt Hiltl. Disziplin und Teamfähigkeit sind zwei Dinge, auf die er von Beginn an Wert legte. Wenn jemand quer trieb, auch in der Meistersaison, saß er eben auf der Bank, selbst wenn die Mannschaft an Qualität verlor. Am Ende stand der Aufstieg in die Kreisliga mit Spielern, von denen seit jeher die meisten nur die A- und Kreisklasse kennen.

Bis die Meisterschale in die Luft gestemmt werden durfte, war es jedoch ein langer und steiniger Weg. "Ich bin Realist. Was wir in der Vorrunde gespielt haben, war oft sehr gut, aber es waren auch Spiele dabei, die nicht so gut waren und bei denen wir das Quäntchen Glück auf unserer Seite hatten", sagt Hiltl. Er nennt mehrere Spiele, in denen der Gegner nicht schlechter war. "Vor zwei Jahren hätten wir diese Partien noch verloren, und das mit denselben Spielern, die jetzt auf dem Platz stehen. Dass wir die Spiele mittlerweile gewinnen, zeigt die Entwicklung unserer Mannschaft. Der Schlüssel zum Erfolg war, dass sich die Jungs nie aufgegeben haben und so die Punkte einfuhren." Lediglich der SV Kleinsendelbach schaffte es, den Herbstmeister zu bezwingen.

Erst nach der Winterpause folgten weitere Niederlagen und das prompt, nachdem die Runde wieder begann. "In der Vorrunde konnten wir noch aus dem Vollen schöpfen, das war nach dem Winter nicht mehr ganz der Fall", sagt Hiltl. Die Vorbereitung auf die Rückrunde verlief schon nicht gerade rosig. Spieler fehlten vermehrt aus beruflichen, schulischen oder privaten Gründen. Zudem musste ein geplantes Trainingslager abgesagt werden, da der Rückrundenstart um eine Woche vorgezogen wurde. "Vielleicht war außerdem in den Köpfen drin, dass wir in den letzten Jahren schlechte Rückrunden gespielt haben." Heroldsbach verlor 0:2 gegen Wimmelbach, spielte 1:1 gegen die Spvgg Hausen, verlor 1:2 gegen die SpVgg Reuth und 0:1 gegen Kersbach. Platz 1 war jetzt weg, doch blieb auch die Konkurrenz nicht fehlerfrei.

Trotzdem gehört viel dazu, sich aus einer solchen Ergebniskrise wieder herauszuarbeiten. Heroldsbach schaffte das im Derby gegen Langensendelbach mit einem 3:1. "Wir haben uns zusammengerissen, den Gegner beherrscht und verdient gewonnen", erinnert sich Hiltl. "In diesem Moment war es sehr wichtig, dass sich die Mannschaft vor allem charakterlich weiterentwickelt hatte, sonst wären wir aus diesem Tief nicht mehr herausgekommen." Die Saison nahm fortan wieder einen positiveren Verlauf. Am letzten Spieltag sollte das große Finale gegen Kleinsendelbach anstehen. Heroldsbach musste gewinnen, sonst wären sie gar mit leeren Händen dagestanden. Als der SVK plötzlich führte, stellte sich für Heroldsbach erneut die Charakterfrage - die SpVgg bestand, gewann und wurde Meister. "Wir haben nie aufgegeben. Ob wir am Ende die spielerisch oder kämpferisch beste Mannschaft waren, ist doch wurscht."

Als Stefan Wunderlich das 3:2 zur Meisterschaft erzielte, brachen in Heroldsbach die Dämme. "Ausgerechnet er als Ur-Heroldsbacher belohnt sich mit diesem Treffer, da habe ich mich sehr gefreut", sagt Hiltl, der nach dem Abpfiff ebenso emotional wurde. "Ich habe meinen Spielern immer gesagt, sie sollen sich in den sozialen Medien zurückhalten und das den anderen überlassen. Die Kerwa ist erst nach dem letzten Punktspiel rum." Beziehungsweise fing erst richtig an: mit dem Traktor durch die Gemeinde, später zum Frühstück und bis auf den Balkon des Westernsaloons im Freizeitpark Schloss Thurn. "Es musste alles ein bisschen spontan sein, groß planen konnten wir ja nichts, immerhin hätten wir nach dem Spiel auf dem dritten Platz landen können. Dass die Jungs die Meister-T-Shirts ohne mein Wissen dennoch besorgt haben, zeigt mir, dass sie immer an sich geglaubt haben."


Endlich wieder Kreisliga

Nach 20 Jahren der Abwesenheit tritt die SpVgg nun wieder in der Kreisliga an. Acht Jugendspieler werden für die Breite des Kaders hinzustoßen und der Weg des Vereins mit einheimischen Jungs fortgesetzt. "Wenn wir weiterhin unsere Schritte nach vorn machen, werden wir die Kreisliga halten. Meine Bedenken halten sich in Grenzen." Wichtig wird sein wie seine Mannschaft mit Niederlagen umgehen wird. "Es darf nicht immer alles gleich wieder schlecht geredet werden", mahnt Hiltl, der die Meisterschaft als Belohnung des Vereins für eine beständige, gute Arbeit ansieht: eigenständige Jugendarbeit mit Trainern, die meist aus der ersten Mannschaft oder AH stammen - alle haben zu diesem Erfolg mitgeholfen.
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