Forchheim
Schach-Bundesliga

Betrugsvorwürfe gegen Schachgroßmeister aus Eppingen

Beim Schach-Bundesliga-Wettkampf in Eppingen ist der SC Forchheim gegen die Gastgeber und Hockenheim Außenseiter. Allerdings herrscht bei den Hausherren große Unruhe. Ein Großmeister soll betrogen haben: mit dem Handy auf der Toilette.
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Ob Alexander Seyb am Samstag für den SC Forchheim seine Figuren aufstellt, ist noch ungewiss. Um die Aufstellung wird traditionell ein Geheimnis gemacht. Foto: privat
Ob Alexander Seyb am Samstag für den SC Forchheim seine Figuren aufstellt, ist noch ungewiss. Um die Aufstellung wird traditionell ein Geheimnis gemacht. Foto: privat
"Das kommende Wochenende wird für uns noch schwerer als das vorherige." Große Hoffnungen macht sich FM Manfred Heidrich, Vorsitzender und Teamchef des Schachclub Forchheim, nicht. Nach den beiden 2:6-Niederlagen zum Auftakt der 1. Schach-Bundesliga müssen die einzigen Amateure in der stärksten Liga der Welt nun nach Eppingen.

Dort treffen sie nicht nur auf den favorisierten Gastgeber, sondern auch auf einen SV Hockenheim, der nach einem unerwarteten Fehlstart in der Schuld steht. Für das derzeitiges Schlusslicht der Tabelle eine riesige Aufgabe.Grund zur Sorge besteht bei Rainer Stephan, 2. Vorsitzender und Organisator im Hintergrund, dennoch nicht: "Unsere Spieler sind trotz der Außenseiterposition höchst motiviert und bereiten sich entsprechend vor."

Prusikin wieder dabei

Nach seiner Pause zum Saisonauftakt wird Spitzenspieler GM Michael Prusikin wieder Erstligaluft
schnuppern. Dafür wird das in den beiden ersten Partien sensationell aufspielende U18-Talent FM Léon Mons diesmal fehlen. Er spielt bei der zeitgleich stattfindenden Jugend-WM im slowenischen Maribor. Wie das Team sonst aussieht, will Kapitän Manfred Heidrich noch geheim halten. "Damit sich unsere Gegner schlechter auf uns vorbereiten können. Wir werden aber wohl in keinem Wettkampf mit derselben Aufstellung auflaufen." Schließlich wolle man möglichst vielen Forchheimern die Chance in der Eliteliga geben: "So bleiben wir schwer berechenbar und können vielleicht doch den einen oder anderen Punkt erobern."

Ein schwerer Brocken wartet auf den SC Forchheim am Samstag ab 14 Uhr: Der SV Hockenheim, der sich im letzten Jahr als einziger Aufsteiger gehalten hatte, verfügt über einen Ausnahmekader: Ob es dabei zum Einsatz des Ex-Weltmeisters GM Anatoly Karpow kommen könnte? "Wir hoffen natürlich, dass Michael die Gelegenheit bekommt, mit dieser lebenden Legende die Figuren zu kreuzen. Und ganz chancenlos wäre unser Spitzenbrett da auch nicht", wünscht sich Rainer Stephan.

Daneben prägen die deutschen Topspieler GM Rainer Buhmann und GM David Baramidze, sowie eine ganze Reihe erstklassiger Großmeister aus Slowenien, Kroatien, Ungarn und der Ukraine das Bild. Der Bekannteste dürfte der Ungar Zoltan Ribli sein, auf den die Forchheimer schon einmal getroffen waren. Vor zehn Jahren spielte der Ungar nämlich noch beim TV Tegernsee. "Der Verein hat sich komplett aus dem Profischach zurückgezogen und seine ganze Energie ins Schulschach umgeleitet", so Ex-SC-Chef Udo Güldner. Auch mit der seit Jahren besten deutschen Großmeisterin WGM Elisabeth Pähtz und dem hoffnungsvollen Nachwuchsspieler IM Dennis Wagner muss beim SC Eppingen gerechnet werden.

Betrug auf dem Klo?

Am Sonntag ab 10 Uhr bekommt es der einzige bayerische Verein im Schachoberhaus mit der multinationalen Truppe des SC Eppingen zu tun. Gleich mehrere Weltklasse-Spieler wie der frühere WM-Kandidat GM Viktor Bologan aus Moldawien oder der indische Nationalspieler GM Pentala Harikrishna sorgen bei den SC-Großmeistern Prusikin und Jansa für Kopfzerbrechen. Außerdem spielen mit GM Ferenc Berkes, GM Zoltan Gyimesi, GM Peter Acs, GM Robert Ruck und GM Zoltan Medvegy die derzeit besten Magyaren auf Seiten der Eppinger. Der Niederländer GM Sergei Tiviakov, der Israeli GM Evgeny Postny und der Aseri GM Namig Guliyev vervollständigen das Profiteam, über dem derzeit noch das Damoklesschwert des Betrugsverdachtes schwebt. Verantwortlich dafür ist der Eppinger Großmeister Falko Bindrich, dem vorgeworfen wird, beim letzten Wettkampf unerlaubte technische Hilfsmittel zur Partieanalyse eingesetzt zu haben.

Er soll während seines Spiels auf der Toilette eine Schachsoftware die besten Züge berechnet haben lassen. Das könnte die Aberkennung wichtiger Punkte für Eppingen zur Folge haben. Für den Betroffenen Bindrich bedeutet es zuerst einmal eine Zwangspause, da sein Verein ihn vorerst suspendiert hat. "Wenn die Vorwürfe stimmen, ist das ein schlimmer Vorfall, der die Fairness mit Füßen tritt", sagte Güldner: "Es wäre schon sehr traurig, wenn ein Großmeister ein Schachprogramm auf seinem Smartphone braucht, um Schach zu spielen. Selbst wir Kreisliga-Spieler denken noch selbst."
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