Wolfsberg
Infranken-Kick

Bescheiden, leise und unermüdlich

Ohne Menschen wie Wolfgang Fränkel geht meist nur wenig. In Wolfsberg kümmert er sich mit Argusaugen um den Rasen. Die neue SG? Für ihn eine super Sache.
Artikel drucken Artikel einbetten
Wolfgang Fränkel dreht gerne seine Runden auf dem 22-PS starken Iseki Mähtraktor, die Wölfe wissen, was sie an ihrem ehemaligen Gasseldorfer "Haberochsen" haben.  Foto: Jasmin Fränkel
Wolfgang Fränkel dreht gerne seine Runden auf dem 22-PS starken Iseki Mähtraktor, die Wölfe wissen, was sie an ihrem ehemaligen Gasseldorfer "Haberochsen" haben. Foto: Jasmin Fränkel
Mit einem 4:2-Sieg hat sich die SG Wolfsberg/Geschwand beim Infranken-Kick aus der Kreisklasse 3 ER/PEG gegen den SV Hilpoltstein durchgesetzt - trotz frühen Rückstands. Die Jungs um Trainer Holger Feinermann stehen nach diesem Derbysieg nur noch zwei Zähler hinter Nachbarschaftsrivale Hiltpoltstein und kommen ihrem erklärten Ziel, dem dritten Tabellenplatz, bedächtig nahe.

Der Rasen wurde von Wolfgang Fränkel aufbereitet. Der 48-jährige Gasseldorfer ist seit 2011 hauptamtlich für die Platzpflege zuständig und lebt schon seit knapp drei Jahrzehnten in Wolfsberg. So kam "der Fränkel", wie er im Verein genannt wird, als "Haberochse" - der Ortsbezeichnung der Gasseldorfer - zum Wolfsrudel. Nach einem schweren Sportunfall musste er jedoch seine junge Fußballerkarriere nach kurzer Zeit notgedrungen aufgeben und bringt sich seither in den verschiedensten Positionen bei den Wölfen ein.

Doch das persönliche Sportler-Pech ist für seinen Verein ein großer Segen gewesen, wie es Altvorstand Günter "Haul" Will voller Anerkennung sagt: "Der Wolfgang ist ein wahrer Glücksfall für uns. Er war sich für keine Arbeit zu schade, auch eine verstopfte Toilette war für ihn nie ein Problem. Zudem war er maßgeblich am Bau des B-Platzes und der Fangzäune, bei der Erneuerung der Bandenumrandung und der Pflasterung des Parkplatzes beteiligt, um nur einiges zu nennen. Seit Jahren ist er in die Vorbereitungen zu unserer Zeltkirchweih eingebunden und zeichnet sich für das Unterhaltungsprogramm und die Verhandlungen mit den Musikgruppen zuständig. Mit ein paar anderen plant er zudem die Wirtschaftsvorbereitung für die Feste. 1996 war er unter mir auch dritter Vorstand und hat dennoch immer bescheiden und leise im Hintergrund seine Aufgaben erledigt. Nur mit dem Engagement solcher Leute funktioniert ein Verein."

Herr Fränkel, Sie stehen nach dem Spiel gleich wieder auf dem Rasen und treten die Löcher zu. Ist das nach jeder Partie so?
Wolfgang Fränkel: Das muss schon alles gut aussehen und gemacht werden, so kann ich den Platz ja nicht liegen lassen. Nach manchen Spielen muss man mehr ausbessern, nach anderen weniger. Unsere Jungs haben heute gekämpft, wirklich gekämpft, wie man es in den letzten zwei, drei Wochen nicht mehr gesehen hat. Das war genau das richtige Mittel in einem Derby wie gegen Hiltpoltstein. Nach so einem Sieg korrigiere ich gerne die Spuren im Rasen.

Ihre Mannschaft hat gewonnen. Was war das Mittel zum Erfolg?
Nach dem frühen Rückstand hat sich die Truppe zusammengerissen und das Spiel gedreht. Die kämpferische Einstellung hat super gepasst, wir haben eine gute Leistung unserer Fußballer gesehen. Das Derby war ziemlich ruppig, wie bereits in den vergangenen Jahren, letzte Saison sogar noch schlimmer als diesmal. Ich freue mich für die Mannschaft, dass sie dieses Spiel gewonnen hat und insbesondere, weil es jetzt nur noch zwei Punkte auf Platz 3 sind. Es wäre eine schöne Sache, wenn wir am Ende vielleicht doch noch vor Hiltpoltstein stehen würden.

Es heißt, dass der zusammen gewürfelte Haufen deshalb so gut miteinander funktioniert, weil sich die Spieler auch privat verstehen. Wie sehen Sie das?
Diese Frage beschäftigte auch beide Seiten vor dem Zusammenschluss. Aber es stimmt, die beiden ursprünglichen Teams harmonieren immer besser miteinander, sie verschmelzen quasi und verbringen auch viel Freizeit zusammen. Inzwischen klappt es auch sportlich immer besser, was neue Ziele nährt. Der Saisonstart hatte Licht und Schatten, in der Kennenlernphase ist das normal. Mit ein paar Punkten mehr könnten wir einen spannenden Ausklang erleben, der jungen Truppe traue ich in der Zukunft einiges zu.

Das hört sich nach "Friede, Freude, Eierkuchen" an. Gab es denn nur breite Zustimmung aus den Lagern, oder wie sehen das die älteren Mitglieder?
Ich muss zugeben, dass ich vorher auch skeptisch war, da bin ich nicht alleine gewesen. Wir hatten schon früher Gespräche über eine Spielgemeinschaft mit anderen Vereinen aus der Umgebung geführt, aber durchringen konnten wir uns zum endgültigen Schritt nie. Jede Seite hatte Befürchtungen, mit der Eigenständigkeit die Vereinsseele aufzugeben. Dies hat sich nun nicht bewahrheitet, im Gegenteil, wir haben es richtig gemacht. Es sind aber nicht nur die Jungen, sondern zunehmend die Alten im Verein, die Gefallen an der SG finden. Um es krass auszudrücken: Manche, die sich früher fast die Köpfe bei den Derbys einschlugen, sagen heute zueinander: 'Ich hätte nie gedacht, dass ich mit Dir mal ein Bier am Sportplatz trinke'.

Sie stammen aus Gasseldorf bei Ebermannstadt, leben aber fast schon drei Jahrzehnte in Wolfsberg. Wie wurde aus Wolfgang ein Wolf?
Der überragende Fußballer, um es mal so zu sagen, war ich ja eigentlich nie, ich habe meine Defizite mit Kampf ausgeglichen. Bei uns im Dorf, damals etwa 400 Einwohner, gab es keinen richtigen Fußballverein, sondern nur eine lose Mannschaft aus Freizeitkickern. Da waren Junge und Alte jeden Jahrgangs dabei, fast täglich haben wir auf dem Sportplatz am Weiher nach Feierabend gekickt. Viele davon spielten damals in Ebermannstadt, aber in der dörflichen Gemeinschaft unter uns ging es halt um einen Kasten Bier. Mein Schwager Conny stammte aus Wolfsberg, weshalb wir dort öfters beim Fußball zuschauten. Nachdem ich 1987 in Wolfsberg mit meiner zukünftigen Frau zusammenzog, habe ich mich mit ihrem Vater Achim Chlebowski, der sich im Verein um den Platz kümmerte, auf Anhieb verstanden. So half ich anfangs ab und zu mit aus und kickte bei den Wölfen mit. Aber 1994, mit 26 Jahren, war die Karriere verletzungsbedingt vorbei.

Das klingt jetzt etwas tragisch, ein Comeback auf den Rasen war wohl ausgeschlossen?
Bei einem dreifachen Wadenbeinbruch überlegt man schon, ob man einfach so weitermacht. Es geschah zudem ohne Fremdeinwirkung, ich blieb bei einer Drehung im Platz hängen, dann krachte es. Wahrscheinlich, weil ich den Rasen damals noch nicht selbst gemacht habe (grinst). Mein Gegenspieler Stephan Schmidt aus Thuisbrunn wurde kreidebleich, obwohl er völlig schuldlos war. Er kam sogar anderntags ins Krankenhaus, um sich zu entschuldigen. Scheinbar habe ich das Unglück angezogen, denn zuvor brach ich mir schon zweimal das Nasenbein, wofür mich meine beiden Kinder bis heute immer wieder mal aufziehen. Schade war nur, dass ich so nie mit meinem Sohn Patrick zusammen spielen konnte, aber Fußball kommt in der Familie eh nicht zu kurz. In den letzten Jahren habe ich öfters in Eltersdorf, beim Forchheimer Jahn und zuletzt bei Eintracht Bamberg zugeschaut, weil Oliver Seybold, mein Schwiegersohn in spe, dort kickte.

In dieser kurzen Zeit waren sportliche Erfolge kaum möglich, oder?
Leider nein, aber mein kuriosester "Erfolg" ist vielen noch in Erinnerung. Mit einem Eigentor machte ich meinem Freund Bernhard "Maddl" Egloffstein einen Strich durch die Rechnung. Beim 14:1-Sieg gegen Rüsselbach traf ich kurz vor Schluss ins eigene Netz und brachte Maddl so um den Komplettgewinn der Tippkasse, er tippte als Einziger auf ein 14:0.


Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren